Was die einen ‘high’ macht, turnt die anderen ab

das ist ein GNM+ ArtikelKatzenminze gegen Mücken und Moskitos

von | 10. August, 2026 | GNM+, Wissenschaft

Katze spielt mit Katzenminze und streckt die Zunge in Euphorie raus

Mücken sind zwar sehr wichtig für unser Ökosystem – hauptsächlich als Nahrungsmittel für Vögel oder Fische – jedoch machen sie uns Menschen das Leben nicht immer leicht. Bei feuchtem und warmem Klima vermehren sich die Tiere schnell und verbreiten dabei Krankheiten wie Gelbfieber oder das Dengue-Fieber, die potenziell lebensgefährlich sein können. Vor allem in Ländern, die einen schlechten Zugang zu teuren Mückenschutzmitteln haben, können die kleinen Blutsauger zu einem juckenden Problem werden. Eine neue Studie hat nun jedoch eine mögliche natürliche Lösung gefunden: Katzenminze.

Katzenminze hält Mücken auf Abstand

Eine Kooperation von Forscher:innen aus Uganda und Großbritannien hat in zwei Phasen herausgefunden, wie Katzenminze als natürlicher Schutz eingesetzt werden kann. Schon 2024 hatten sie im Labor herausgefunden, dass der Stoff Nepetalacton, der hauptsächlich in Katzenminze zu finden ist, insbesondere für Tigermücken potenziell abstoßend sei. Bei einem Test im Labor stellten die Wissenschaftler:innen ein ätherisches Öl aus der Katzenminze her, welches knapp 97 Prozent Nepetalacton enthielt.


Dann experimentierten sie mit verschiedenen Konzentrationen des Stoffes, um zu gucken, ab wann eine ausreichende Vertreibung von Mücken gewährleistet wird. Schon bei einer zweiprozentigen Konzentration wurden 85 Prozent der Mücken verscheucht. In Kombination mit einer Handcreme hielt der Effekt für die nächsten vier Stunden, wenn auch leicht abnehmend. Damit ist die Anwendung einer zweiprozentigen Nepetalacton-Lösung genauso wirkungsvoll, wie ein chemisches Mückenschutzmittel mit fünfzehn Prozent DEET, eines der effektivsten Mückenschutzmittel, welches auch das Auswärtige Amt empfiehlt. 

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Mücken fahren überhaupt nicht auf Katzenminze ab. Foto: depositphotos.com

Nun, knapp zwei Jahre später, veröffentlichten die Forschenden eine weiterführende Studie, in der sie ihre Hypothese in realen Kontexten in Uganda testeten. Katzenminze wurde lokal auf ugandischen Feldern angebaut und wie in der ersten Studie zu einem ätherischen Öl verarbeitet. Dieses Öl wurde in zwei-prozentiger und sechs-prozentiger Konzentration in eine, auch in Uganda hergestellte, Lotion gemischt. Bei der dreitägigen Studie wurden die Katzenminze-Lotionen direkt mit einem Mückenschutz mit fünfzehn Prozent DEET verglichen. Getestet wurde, wie viele Mücken innerhalb von vier Stunden nach dem Auftrag noch auf den eingecremten Hautstellen landeten. Im Test schnitten sowohl das fünfzehnprozentige DEET Mittel als auch die Lotion mit sechs Prozent Katzenminze gleich gut ab und lieferten knapp 80 bis 95 Prozent mehr Schutz als die Kontrollgruppe ohne einen aktiven Inhaltsstoff zur Vertreibung. 

Natürliche Hilfe als Schritt für eine nachhaltige und gesunde Zukunft

Eine gute Nachricht ist diese Entwicklung vor allem im Hinblick auf die Zukunft. Durch den relativ geringen Anteil an Katzenminze, der benötigt wird und die Möglichkeit des lokalen Anbaus kann Katzenminze sowohl einen günstigen als auch nachhaltigen Schutz gegen Mücken liefern. Unterhalb der Sahara und in Entwicklungsländern ist das Risiko besonders hoch, dass durch Mücken- oder Moskitostiche Krankheiten wie Malaria übertragen werden. Durchschnittlich erkranken jedes Jahr knapp 280 Millionen Menschen an Malaria und vor allem Kinder aus diesen Ländern können potenziell lebensgefährliche Verläufe haben.

Doch warum genau Katzenminze? Andere ätherischen Öle mit Geraniol, Citronella oder Neem zeigen zwar auch Wirkung gegen Mücken, sind jedoch nicht vergleichbar mit kommerziellen Mitteln mit DEET oder Katzenminze. Statt den menschlichen Geruch nur zu übertünchen, setzt Katzenminze direkt an bestimmten Rezeptoren an, die Mücken irritiert und verscheucht. Katzenminze wird außerdem noch in Tees gegen Fieber oder Migräne eingesetzt und reizt als ätherisches Öl die Haut nicht so sehr und ist damit sowohl innerlich als auch äußerlich harmlos und sicher für den Menschen. DEET hingegen ist zwar das Standardmittel zur Insektenvertreibung und im Großen und Ganzen sicher, jedoch kann es beim Verschlucken oder sehr intensiver Benutzung giftig sein und die Haut beanspruchen. 

Die Katzen wussten es schon vor uns

Wer sich schon einmal gefragt hat, warum Katzen so verrückt nach Katzenminze sind, hat hier die Antwort. Nepetalacton, der mückenvertreibende Stoff, schüttet bei den Katzen Endorphine aus und macht sie augenscheinlich ‘high’. Die flauschigen Vierbeiner suhlen sich in dem Stoff und verteilen ihn auf ihrem ganzen Körper. Der Hintergrund ist wahrscheinlich eine evolutionäre weitergegebene Überlebensstrategie, da auch andere Katzen, wie Jaguare, stark auf Katzenminze anschlagen. Und dadurch, dass Katzenminze nicht nur Mücken vertreibt, sondern auch wirksam ist gegen Zecken, Milben, Kakerlaken und noch viele weitere Insekten, scheinen die Katzen einen guten Riecher gehabt zu haben.

Katzenminze zukünftig überall?

Für deutsche Urlauber:innen ist Katzenminze jedoch (noch) keine Lösung. Das Auswärtige Amt empfiehlt eine weitaus höhere Konzentration von DEET in Mückenschutzmitteln als die, mit der Katzenminze im Test verglichen wurde. In Uganda wird jedoch meist ein fünfzehnprozentiges DEET Mittel empfohlen, wie das in der Studie. Zudem ist der Wirkstoff noch immer in einer Testphase und noch in keinem freiverkäuflichen Mittel erhältlich. Zwar sollen erstmal weitere Alternativen ausgetestet werden, da die Katzenminze-Lotion häufiger aufgetragen werden muss als chemische Mittel, aber was nicht ist, kann ja noch werden. Katzen würden sich bestimmt auch darüber freuen!

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Lisa Naggatz
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