Unser Gehirn bleibt lebenslang formbar. Neuroplastizität bietet viele Möglichkeiten in der Behandlung psychischer und physischer Erkrankungen sowie der Etablierung positiver Denkmuster.
Schlechte Nachrichten können uns lähmen. Die Flut an Katastrophen- und Krisenmeldungen kann uns ein Gefühl der Ohnmacht und Handlungsunfähigkeit geben, weil wir denken, es sei sowieso alles verloren und die Welt mit ihren Menschen sei ein schlechter Ort. Noch schlimmer: Es kann dadurch eine in jedem Kontext grundsätzlich negative Haltung und ein Hang zum Pessimismus entstehen, dem wir uns zeitweise hilflos ausgeliefert fühlen. Doch solche Muster, die durch den sogenannten Negativitätsbias in unseren Köpfen verankert zu sein scheinen, können durchbrochen und durch etwas Konstruktives und Selbstwirksames ersetzt werden. Dafür ist es nie zu spät, denn unser Gehirn bleibt unser Leben lang flexibel und anpassbar. Diese sogenannte Neuroplastizität bildet die Grundlage für lebenslanges Lernen und Entwickeln, hilft bei der Rehabilitation nach Hirnerkrankungen und kann es sogar ermöglichen, unsere Einstellungen sowie Denk- und Sichtweisen auf bestimmte Dinge spürbar zu beeinflussen.
Neuronale Flexibilität statt starrer Strukturen
„So bin ich eben” oder „Das lerne ich jetzt auch nicht mehr” – das sind gern herangezogene Sätze in Kreisen von Erwachsenen. Oft genutzt, wenn man sich aufgrund seiner Handlungen kritisiert fühlt oder mit einer neuen Herausforderung nicht weiterkommt. Zu Grunde liegt der weit verbreitete (Irr-)Glaube, wesentliche Entwicklungen und Lernprozesse lägen vor allem in der Kindheit und Jugend. Spätere Versuche der Veränderungen seien die Mühe nicht wert, weil zu viele Verzweigungen im menschlichen Gehirn nun eben schon fix und eine Einflussnahme kaum noch möglich sei. Und tatsächlich galt in der Wissenschaft lange das Credo: Ist das Gehirn erst einmal bis zum Erwachsenenalter hin entwickelt,
Neuroplastizität: Die Chancen der Anpassungsfähigkeit unseres Gehirns