Dies ist ein Gastartikel unseres Partners „This is Vegan“, der zuerst am 14. Oktober 2026 auf dessen Website veröffentlicht wurde.
Woolrich steigt aus dem Pelz aus. Die Outdoor-Marke hat am 14. Oktober 2026 angekündigt, ab dem 1. Januar 2027 nur noch pelzfreie Kollektionen in Europa zu verkaufen. Tierschutzorganisationen hatten über ein Jahr lang Druck gemacht, mit über 200.000 E-Mails und Protesten vor Filialen in ganz Europa. Joh Vinding, Vorsitzender der Fur Free Alliance, nennt es ein Zeichen der Zeit, dass eine Marke, die einst Mäntel mit Pelzbesatz für Pelzjäger herstellte, nun pelzfrei wird. Woolrich wurde 1830 in Pennsylvania gegründet und gilt als älteste Outdoor-Marke der USA.
Woolrich Europe ist dem Fur Free Retailer Programme beigetreten, einem internationalen Programm, dem nach Angaben der Organisatoren rund 1.700 Marken und Händler angehören. Bis zum 31. Dezember 2026 stellt das Unternehmen die Produktion neuer Kleidung mit echtem Pelz ein. Was schon im Lager liegt, darf noch verkauft werden. Ab dem 1. Januar 2027 sind alle neuen Kollektionen pelzfrei.
Die Zusage gilt für sämtliche Geschäfte von Woolrich in Europa. Weltweit betreibt die Marke 33 Läden und Outlets, 23 davon in der EU und neun in Deutschland. Woolrich Europe will sich laut Mitteilung außerdem dafür einsetzen, dass die Regel auch außerhalb Europas gilt. Dort gehören die Markenrechte allerdings einem anderen Unternehmen, und eine Zusage für diese Märkte gibt es bislang nicht.
Wie es dazu kam.
Im September 2025 startete die Fur Free Alliance während der Modewochen in New York, London, Mailand und Paris eine Kampagne gegen Woolrich. Das Bündnis aus 45 Tierschutzorganisationen in mehr als 30 Ländern, zu dem auch Humane World for Animals und Vier Pfoten gehören, forderte die Marke auf, dem Beispiel von Canada Goose, Moncler, Napapijri und Parajumpers zu folgen. Diese Konkurrenten hatten Pelz bereits aus dem Sortiment genommen. Woolrich reagierte zunächst nicht. Es folgten Mahnwachen vor Filialen, unter anderem in Frankfurt, Hamburg und München.
Dann wechselte der Besitzer. Im November 2025 kaufte die italienische BasicNet-Gruppe, zu der auch Kappa und K-Way gehören, das Europageschäft von Woolrich für rund 40 Millionen Euro vom luxemburgischen Investmentfonds L-Gam. Laut Fur Free Alliance hat der neue Eigentümer den Ausstieg beschlossen.
Warum das gerade jetzt zählt.
Die Entscheidung fällt in eine Phase, in der die EU-Kommission über die Zukunft der Pelztierhaltung berät. Die Europäische Bürgerinitiative „Fur Free Europe“ hat mehr als 1,5 Millionen Unterschriften für ein EU-weites Verbot gesammelt. Ihre Antwort wollte die Kommission ursprünglich im März 2026 vorlegen, dann wurde sie auf die Zeit nach dem Sommer verschoben. Bis heute liegt sie nicht vor. Wie Seuchen auf Pelzfarmen den Druck zusätzlich erhöhen, haben wir im Artikel über Vogelgrippe auf einer US-Nerzfarm beschrieben.
Laut Fur Free Alliance ist die Pelztierhaltung in 24 europäischen Ländern verboten. Israel hat den Verkauf von Pelz untersagt, in den USA gilt das für 16 Städte und den Bundesstaat Kalifornien. Und die Schweiz hat erst vor Kurzem beschlossen, Import und Handel von Pelz aus Qualproduktion zu verbieten.
Shely Bryan, die bei Humane World for Animals das Fur-Free-Programm leitet, sieht in der Entscheidung eine Botschaft an Brüssel. Seit 2014 sei die Zahl der Tiere, die für Pelz gehalten und getötet werden, um 86 Prozent gesunken. Je mehr Marken aussteigen, desto weiter falle die Nachfrage.

Tierethische Einordnung.
Für Kojoten und Marderhunde ist das eine gute Nachricht. Kojoten werden in Nordamerika meist mit Fallen gefangen, in denen sie oft lange ausharren, bevor jemand sie tötet. Marderhunde leben auf Pelzfarmen, vor allem in China und Finnland, in Drahtkäfigen. Jeder Kapuzenrand, der nicht mehr genäht wird, erspart einem dieser Tiere dieses Leben oder diesen Tod.
Pelzfrei heißt allerdings nicht tierfrei. Die bekannten Parkas der Marke sind in der Regel mit Daunen gefüttert, und schon der Name Woolrich verweist auf Wolle. Daunen stammen von Gänsen und Enten, die meist für Fleisch gehalten und geschlachtet werden. Bei Wolle hängt viel an der Haltung der Schafe. Wer Tieren gar nicht schaden will, schaut deshalb beim Jackenkauf auch aufs Futter und den Stoff, nicht nur auf den Kragen.
Bemerkenswert ist auch, wie die Entscheidung zustande kam. Woolrich hat jahrelang an Pelz festgehalten, während fast alle Konkurrenten ausgestiegen sind. Erst Proteste, Hunderttausende Mails und ein Eigentümerwechsel haben den Kurs geändert. Das zeigt, dass Kampagnen wirken, und es zeigt, dass Unternehmen selten aus eigenem Antrieb auf Tierleid verzichten.
Was du tun kannst.
- Beim Kauf genau hinsehen. Echter Pelz wird oft als Kunstpelz verkauft, gerade an billigen Bommelmützen. Echtes Haar hat am Ansatz Unterwolle und eine Lederhaut, Kunstpelz ein Gewebe.
- Auf Daunen und Wolle achten. Warme Jacken gibt es auch mit synthetischer Füllung.
- Alte Pelze nicht weiterverkaufen. Wer einen geerbten Pelz besitzt, sollte ihn nicht wieder in Umlauf bringen. Jeder getragene Pelz lässt Pelz wieder normal aussehen.
- Die EU nicht vergessen. Ob die Kommission ein Verbot vorschlägt, ist offen. Wer seine Abgeordneten im EU-Parlament anschreibt, erhöht den Druck.
- Häufige Fragen.
Verkauft Woolrich noch Pelz?
In Europa werden ab dem 1. Januar 2027 nur noch pelzfreie Kollektionen verkauft. Bereits produzierte Ware mit Pelz darf bis dahin und darüber hinaus abverkauft werden, bis das Lager leer ist.
Welche Pelze hat Woolrich verwendet?
Laut Fur Free Alliance vor allem Pelz von Kojoten und Marderhunden, typischerweise als Besatz an Kapuzen von Winterparkas.
Gilt die Entscheidung weltweit?
Nein. Sie gilt für Woolrich Europe, also für die Geschäfte in Europa. Die Rechte an der Marke außerhalb Europas gehören einem anderen Unternehmen. Woolrich Europe will sich nach eigenen Angaben dafür einsetzen, dass auch dort auf Pelz verzichtet wird.
Sind Woolrich-Jacken jetzt vegan?
Nicht automatisch. Viele Modelle enthalten Daunen oder Wolle. Pelzfrei bedeutet nur, dass kein Tierfell mehr verarbeitet wird.



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