Was im November 2024 als Protest gegen Korruption begann, hat in Serbien zu einem historischen politischen Umbruch geführt. Bei der Parlamentswahl am Sonntag setzte sich eine von Studierenden angeführte Bewegung gegen die Partei des langjährigen Machthabers Aleksandar Vučić durch. Nach vorläufigen Hochrechnungen könnte die sogenannte Studierendenliste 138 der 250 Parlamentssitze gewinnen. Vučić räumte seine Niederlage bereits am Wahlabend ein.
Vorausgegangen waren fast zwei Jahre landesweite Demonstrationen, ausgelöst durch den Einsturz eines Bahnhofsvordachs in Novi Sad, bei dem 16 Menschen starben. Auch die Wahlbeteiligung setzte mit rund 68 Prozent einen Rekord seit dem Zerfall Jugoslawiens. Trotz Berichten über Unregelmäßigkeiten bei der Abstimmung zeigt das Ergebnis, welchen politischen Einfluss eine beharrliche zivilgesellschaftliche Bewegung entwickeln kann. Nun steht Serbien möglicherweise vor einem grundlegenden demokratischen Neuanfang.


Selbstständige Mütter und die Forderung nach echtem Schutz
