Beim Verein OmaLiebe in Hamburg bringen Senior:innen Wohlfühlgerichte auf den Tisch, die Gemeinschaft entstehen lassen. Im Interview erzählt Gründer Boris Rogosch, wie sich aus einem Pop-Up-Versuchsprojekt in weniger als zwei Jahren ein Erfolgskonzept entwickelt hat, warum die Omas ihr “Chefchen” schon mal aus der Küche schmeißen und ob es für OmaLiebe bald vielleicht weit über Hamburgs Grenzen hinausgeht.
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Rollbraten ist ein Gericht, das ich nur von Oma kenne. Zusammen mit Kartoffelknödeln, Bratensoße und grünem Salat gab es das früher immer mal wieder sonntags für die ganze Familie. Inzwischen kocht Oma vielleicht noch einmal im Jahr Rollbraten, meistens in der Adventszeit. Es ist einer der wenigen Anlässe, an dem wir heute noch als Familie in der Konstellation zusammenkommen, in der wir früher öfter um den Tisch saßen.
Inzwischen sind wir älter, vielleicht auch weiser und haben andere Essgewohnheiten – für Omas Rollbraten würden wir allerdings jederzeit eine Ausnahme machen. Aber immer noch stellen wir alle uns die Frage: Wie kriegt Oma das hin? Meine Mutter hat es irgendwann aufgegeben, die Soße nachzukochen, die angeblich “ganz leicht” geht. Auch im Restaurant habe ich Rollbraten noch nirgends auf der Karte gesehen. Selbst wenn, würde ich ihn wahrscheinlich sowieso nicht probieren. Denn er schmeckt ja doch nicht wie bei Oma.
So wie den Rollbraten in meiner Familie kennen wohl die meisten von uns Gerichte, die sie mit ihren Omas verbinden – und die auch nur Oma so kochen kann. Oft sind es Gerichte, die wir nicht selbst kochen würden und die es immer seltener auf der Speisekarte gibt. Genau solche Rezepte zu erhalten, war die ursprüngliche Idee hinter dem OmaLiebe Lunch Club. 2024 von Boris Rogosch, Simone Lücking und Monika Fuchs in Hamburg gestartet, servieren dort Omas – und inzwischen auch drei Opas – Essen wie früher bei den Großeltern.
Dabei geht es allerdings um viel mehr als um einzelne Gerichte. OmaLiebe bietet Gemeinschaft. Zwischen den Gästen, die an den Tischen mit ihren Geschichten und Erinnerungen zusammenkommen und zwischen den Senior:innen, die nicht nur gemeinsam kochen, sondern sich austauschen, sich gegenseitig unterstützen – und dank des Projekts auch im fortgeschrittenen Alter noch viel Neues erleben dürfen. Kein Wunder, dass OmaLiebe in weniger als zwei Jahren eine echte Erfolgsentwicklung hingelegt hat: In weniger als zwei Jahren sind aus einem temporären Pop-Up-Mittagsangebot Kochkurse hervorgegangen, regelmäßige Veranstaltungen, warme Mahlzeiten für Bedürftige und sogar ein eigenes Kochbuch. Und es gibt noch viele große Pläne.
“Wo sollen denn die Omas herkommen?”
Bevor wir ins Jetzt und in die Zukunft blicken, gehen wir noch einmal einen Schritt zurück. Genauer, zum 1. November 2024. An diesem Tag findet das erste OmaLiebe Lunch–Event statt. Es gibt Gulasch, gekocht von Boris Rogoschs Mutter. Gegessen wird im kleinen Kreis im Café Lorenz, betrieben von Simone Lücking, einer Freundin der Familie.
Noch ist alles ein Pilotprojekt, entstanden aus Boris Rogoschs ursprünglichen Plan, traditionelle Gerichte zu sammeln und zu bewahren. Als er dann eines Tages zufällig über die Enoteca Maria – heute Nonnas of the World Community – las, ein Restaurant in New York, wo alle Gerichte von italienischen Großmüttern (Nonnas) zubereitet werden, war die Idee für OmaLiebe geboren.
Bis zum besagten ersten Event mit Gulasch und Gemeinschaft braucht es allerdings Unterstützung – und Überzeugungsarbeit. Bei seinen Mitgründer:innen Simone Lücking und Monika Fuchs, als älteste YouTube-Köchin Deutschlands geradezu prädestiniert für das Projekt, stößt Boris Rogosch zunächst auf Skepsis: Wie sollen wir das koordinieren? Ist das nicht viel zu anstrengend für ältere Leute? Und vor allem: “Wo sollen denn die Omas herkommen?”
Doch Boris Rogosch beharrt auf seiner Idee. Mit Erfolg. Denn schnell bleibt es nicht bei einer kleinen Runde. Die ersten Köch:innen rekrutiert OmaLiebe aus dem Bekannten- und Freund:innenkreis. Mit den ersten Veranstaltungen kommen immer mehr von sich aus auf Boris Rogosch zu. Manche bringen die Argumente gleich mit: “Teilweise kamen die Omas mit einer Tupperdose zu uns in den Laden und meinten: ‘Ich möchte mich bewerben. Ich kann besonders gut Kohlrouladen, probieren Sie doch mal. Wenn Sie die gut finden – ich würde gerne bei Ihnen mitmachen.’”
“Eine riesige Resonanz”
Nicht nur die Zahl der Omas wächst, sondern parallel dazu der Bekanntheitsgrad – auch, weil Medien wie der NDR von der Idee berichten. “Die Bude war voll!”, fasst es Boris Rogosch zusammen, und die Resonanz durchweg positiv – bei Omas wie bei Gästen.
OmaLiebe Lunch war zunächst ein Projekt auf Zeit, geplant waren nur Veranstaltungen vom 1. November bis 20. Dezember 2024. Doch angesichts der phänomenalen Wirkung kam aufhören gar nicht in Frage. Wie meine Kollegin damals, kurz vor dem vorläufig letzten Event, schrieb: “Für die Beteiligten ist jedoch schon jetzt klar, dass es weitergehen soll – ob als regelmäßige Veranstaltung im Hamburger Café, als Erweiterung in weiteren Städten oder sogar in Form eines Kochbuches.”
Eine kurze Pause gab es allerdings schon nach den ersten aufregenden Monaten, in denen nicht immer alles nach Plan lief. “Anfangs gab es natürlich manchmal auch ein ziemliches Durcheinander, auch im Service”, erinnert sich Boris Rogosch. So gab es kurz Zeit, durchzuatmen, sich neu aufzustellen – und dann, natürlich, weiterzumachen. Mit mehr Struktur und vor allem mit mehr Omas können sie die Arbeit auf mehr Leute verteilen, “und den Spaß gleich mit.”
So sind einige der Pläne, die meine Kollegin im Dezember 2024 ankündigte, heute bereits Wirklichkeit geworden. Zum Beispiel das Kochbuch, das im August 2026 veröffentlicht wurde. „OmaLiebe – Wohlfühlrezepte aus Omas Küche“ sammelt 50 Lieblingsrezepte der Omas von Königsberger Klopsen über Senfeier und Rübenmalheur zu Hühnerfrikassee. Ergänzt werden die Rezepte durch persönliche Geschichten der Omas und Küchentipps.


Ein voller Kalender
Das Kochbuch ist jedoch nur die jüngste Entwicklung. Denn was sich in weniger als zwei Jahren entwickelt hat, ist beeindruckend. Seit 2025 bietet Oma Liebe e.V. als eingetragener Verein beispielsweise Kochkurse an, bei denen Rezepte und Wissen weitervermittelt werden, die heute zunehmend weniger bekannt werden. Bodenständige Gerichte, die früher Standard waren, wie Selleriesuppe, Senfeier und Kartoffeln mit Quark – denn genau zu solchen Klassikern, so Boris Rogosch, gebe es zum Teil die begeistertsten Rückmeldungen.
Fester Bestandteil ist zudem das Kochen für bedürftige Menschen. Anfangs brachten sie bei OmaLiebe zu viel gekochtes Essen von den Veranstaltungen noch selbst zu obdachlosen Menschen an Orten in der Umgebung: “Es ging aus unserer Küche warm raus und landete ohne Umwege einen Kilometer weiter noch warm bei einer Person, die es braucht”, erklärt Boris Rogosch. Inzwischen kochen sie ganz direkt für Bedürftige und beliefern jeden Monat eine Einrichtung für obdachlose Frauen und ein Hospiz für obdachlose Menschen mit 250 bis 300 Portionen kostenlosem, warmem Essen.
Weil sie “auch mal für sich kochen” wollen, gibt es noch einen eigenen Kochclub für die Omas selbst. Insgesamt kommt so ein ziemlich voller Terminplan zustande, mit zum Teil vier Veranstaltungen pro Woche, denn natürlich gibt es weiterhin regelmäßige Veranstaltungen, bei denen Gäste eingeladen sind, zu essen wie bei Oma.
Gemeinsames Essen, gemeinsamer Schnack
Auch, wenn viel Neues hinzugekommen ist: Der Kerngedanke ist derselbe. Und so kommt bei OmaLiebe immer noch ein Pot in die Mitte, aus dem sich alle am Tisch auftun. Ist es, wie so oft, voll, werden auch Leute zusammengesetzt, die sich nicht kennen. Das Essen aus einer gemeinsamen Terrine sorgt dann oft für ein echtes Miteinander, neue Verbindungen und Gesprächsstoff.
Ganz wie bei Oma gibt es selbstverständlich auch kostenlosen Nachschlag. Den bringen die Omas selbst an den Tisch, genau wie manche kleine Extras wie gerösteten Speck oder frischen Meerrettich. Der besondere Service hat einen ebenso besonderen Nebeneffekt, beschreibt Boris Rogosch mit einem Lachen: “Es passiert öfter, dass eine Oma zum Nachfüllen von Tisch zu Tisch geht – und dann nie in die Küche zurückkommt. Du entdeckst sie dann später an irgendeinem Tisch, wo sie sich zum Quatschen dazugesetzt hat.”
“Wir stellten fest, dass wir nicht nur diese traditionellen Gerichte servieren, sondern auch eine Gemeinschaft kreieren. Einmal natürlich unter den Köch:innen und auf der anderen Seite unter den Gästen und darüber hinaus zwischen Omas und Gästen”
– Boris Rogosch
Bei Oma schmeckt’s am besten
Es ist genau diese Gemeinschaftlichkeit, die das Essen bei OmaLiebe so besonders macht – und vermutlich einer der Hauptgründe, warum es so gut schmeckt. Denn natürlich gibt es die Gerichte, die nur Oma so gut kochen kann. “Aber wir müssen ja mal ehrlich sein”, meint Boris Rogosch, “Oma hat ja auch nicht immer nur gut gekocht. Da war häufig zu viel Butter oder Speck drin oder auch mal zu wenig Würze.” Was Omas Essen aber für die meisten von uns bedeutet, ist Nostalgie im besten Sinn.
Es sind die Erinnerungen an unsere Omas, an die Vergangenheit, an gemeinsame Familienessen und “dieses Gefühl nach Zusammenhalt und Familienzugehörigkeit”, so Boris Rogosch, “denn Omas Essen impliziert ja auch: Ich komme nach Hause und da ist jemand.”
Die vielfältigen Erinnerungen und Emotionen kommen für die Gäste von OmaLiebe meist schon mit dem ersten Essensduft zurück. Nicht umsonst sind Gerüche die stärksten Erinnerungstreiber – und nicht immer sind diese Erinnerungen positiv: “Wir haben auch gesehen, dass Leute reinkamen, meinetwegen Steckrübeneintopf rochen und direkt wieder umgedreht sind, weil sie das vielleicht zehn Jahre lang essen mussten”, meint Boris Rogosch. Bei anderen Gästen ist der Effekt genau gegenteilig: “Wir haben sogar Menschen gesehen, denen die Tränen runterliefen, weil sie von diesem Essen so gerührt waren und dachten, Mensch, das habe ich bei meiner Oma gegessen und die ist jetzt leider schon so lange nicht mehr da.”
Omas im Rampenlicht
Einen weiteren Grund für die Beliebtheit der Gerichte sieht er in einem Wiederentdecken der Gasthofküche. Klassische und deftige Gerichte mit reichlich Kohlenhydraten oder Fett, die wir sicher nicht jeden Tag essen sollten – aber auch hin und wieder missen. Kein Vernunftsessen, aber etwas, das sich anfühlt, als wäre es mit Liebe gekocht. Boris Rogosch sieht eine Sehnsucht nach solchen Gerichten “und das ist unser Vorteil” meint er, “denn so können wir die Omas glänzen lassen.”
Glänzen, das tun die Köch:innen bei OmaLiebe mit ihrem Essen – und genießen die neu gewonnene, anfangs ungewohnte Aufmerksamkeit. Bei einer Veranstaltung wurden kürzlich alle Omas einzeln vorgestellt und die gingen wie auf einem Laufsteg. Hätte ich da vor sechs oder zwölf Monaten darum gebeten, hätten einige gesagt: ‘nee, da geh ich nicht längs.’ Und heute geht sogar die Hand hoch und es wird gewunken”, berichtet Boris Rogosch strahlend.
“Wir erleben, dass ganz viele unserer Omas nochmal eine ganz neue Aufmerksamkeit und Wertschätzung erfahren”
– Boris Rogosch
In den letzten Monaten standen die Omas durch die Veröffentlichung des Kochbuchs und die Teilnahme an der NDR-Talkshow noch mehr im Rampenlicht. Dass sie eines Tages gebeten würden, Bücher zu signieren, oder die Gelegenheit haben würden, mit Leuten zu interagieren, die sie nur aus dem Fernsehen kannten, hätten sich die meisten von ihnen wohl nie erträumen lassen.
HIER geht’s zum Auftritt von OmaLiebe in der NDR-Talkshow
Mit 80 die erste Auster
Auch abseits des Rampenlichts erleben viele Omas durch OmaLiebe noch einmal komplett neue Dinge. So zum Beispiel bei der Jubiläumsfeier eines seiner Podcasts, erzählt Rogosch, “da hat Oma Gerlinde mit 80 ihre erste Auster gegessen und fand das toll.” Oder kürzlich, als OmaLiebe bei einem Weinhändler eingeladen war und es beim gemeinsamen Kochen einen 150-Euro-Wein zu verkosten gab – für viele zum ersten Mal. Beim Besuch in einer Gewürzmanufaktur konnten die Omas eine OmaLiebe-Gewürzmischung kreieren, demnächst steht die Besichtigung einer großen Bäckerei an, die mit OmaLiebe kooperieren möchte und eine Fahrt zu einem Hof in Dithmarschen, der dem Verein Kartoffeln, Zwiebeln und saisonales Gemüse bereitstellt.
Orte wie dieser Hof und weitere Sponsoren sind es auch, die die Umsetzung der Projekte von OmaLiebe möglich machen. Denn der Verein finanziert sich von Spenden, finanziell oder, wie in diesem Fall, als Sachleistungen. Inzwischen gibt es auch einen Sponsor, der die Ausstattung wie Töpfe und Messer zur Verfügung stellt, hinzu kommen nun besagte Bäckerei und ab nächstem Jahr ein Hersteller für Bio-Säfte.
Die Abholung der Sachspenden übernimmt Boris Rogosch oft selbst – manchmal jedoch auch die Omas, die dafür schon ihre eigenen Techniken entwickelt hätten, erzählt er. Direkt vor dem Hofladen beispielsweise sei eine Bushaltestelle. “Die Omas sprechen also jemanden an, der auf den Bus wartet und aussieht, als ob er oder sie schwer tragen kann und sagen: ‘kommen Sie mal eben mit in den Laden’. Eine Oma geht also mit den Helfer:innen in den Laden, eine andere passt derweil aufs Auto auf, damit der Bus nicht kommt.”
Wenn Oma am Herd steht, hat sie das Sagen
Auch beim Kochen zeigen die Omas immer wieder neue Fähigkeiten. Letztens gab es anlässlich der Buchvorstellung ein Mehrgänge-Menü vorzubereiten, demnächst will Boris Rogosch die Omas in eine Großküche einladen, wo sie sehen können, wie Essen für 1.100 Kinder frisch zubereitet werden kann.



Aber wie sieht es denn eigentlich aus, wenn die Omas am Herd stehen?
Vor jedem Kochen, das ist wichtig, gibt es erst einmal Kaffee. Dabei werden die Aufgaben verteilt. Denn wie in jeder größeren Restaurantküche gibt es verschiedene Stationen, denen die Omas vor dem Kochen zugeteilt werden. Eine ist für den Gurkensalat zuständig, die andere fürs Dessert, einige übernehmen übergreifende Schnippelarbeiten. Nicht zu vergessen die Spülstation, oft verhasst, doch sehr wichtig.
Gerade weil es mehr und weniger beliebte Aufgaben gibt, wird ganz bewusst rotiert. Schließlich sollen alle alles können. So stehen auf der Karte immer wieder auch die gleichen Gerichte – aber eben nie ganz dieselben, weil jede Köchin etwas anders kocht.
Zwar sollten sich die Omas eigentlich an Rezepte halten, das jedoch klappt noch nicht immer. “Sie gucken zwar rein, machen es aber am Ende doch, wie sie es immer gemacht haben”, gesteht Boris Rogosch mit einem Schmunzeln ein. Manche Zutaten werden weggelassen, andere heimlich hinzugefügt. Maggi zum Beispiel. “Ich mags gar nicht , steht auch nicht in den Rezepten, wird aber trotzdem gern mal eingesetzt”, lacht Rogosch.
Von den Omis würde er übrigens “Chefchen” genannt – und auch hin und wieder aus der Küche verbannt, weil er sich zu häufig einmische. Die Endabnahme, bevor alles rausgeht, macht Monika Fuchs und gibt Rückmeldungen und bei Bedarf wirkungsvolle Verbesserungsvorschläge. Ganz am Ende gibt es, wenn Zeit ist, das “Personalessen Deluxe”. Denn das Beste vom Fest wird bewusst für die Omas aufbewahrt: Nach getaner Arbeit dürfen sie ihre eigene Kochkunst dann gemeinsam genießen – gerne auch mit einem Gläschen Wein.



doch am Ende war immer alles gut. Und vor allem: Lecker. Bilder: Sebastian Fuchs
Eine eingeschworene Gemeinschaft – die wächst
Rund 30 Omas sind inzwischen Teil von OmaLiebe und kochen mehr oder weniger regelmäßig auf. Denn natürlich können nicht alle von ihnen bei allen Veranstaltungen mitkochen – und es gäbe auch mehr oder weniger beliebte Veranstaltungen, erklärt Boris Rogosch. Trotzdem kommt, wenn er in die gemeinsame WhatsApp-Termingruppe schreibt, eigentlich immer rege Rückmeldung. Meist melden sich sogar deutlich mehr Omas als angefragt – oder auch mal einer der drei Opas.
Und die Gruppe wächst weiter. Seit dem Aufruf zum Mitmachen kürzlich im NDR hagelt es laut Boris Rogosch regelrecht an Bewerbungen. Zwölf neue Köch:innen sind bereits zum Probekochen eingeladen, 50 weitere sind auf der Warteliste. So wächst die Gemeinschaft weiter – und wird immer bunter.
Bereits jetzt kochen Omas aus Venezuela, Tschetschenien, der Schweiz und verschiedensten Teilen Deutschlands bei OmaLiebe zusammen. Manche sind gelernte Köchinnen oder Service-Kräfte, der Großteil jedoch sind Frauen mit verschiedenen Hintergründen und Vorerfahrungen. Alle sind willkommen: “Wir sagen: Jeder kann kochen und jeder, der unsere Idee teilt, kann bei uns mitkochen”, betont Boris Rogosch. Das bedeutet manchmal eine Herausforderung. Aber langweilig wird es dadurch sicher nie. Und bei allen Unterschieden ist eine Gemeinschaft entstanden, die sich gegenseitig unterstützt und Halt gibt. So dürften viele von ihnen so empfinden, wie Oma Gerlinde, die Boris Rogosch regelmäßig sagt: “Es ist so schön, dass ich euch gefunden habe.”



Vom Pop-Up zu “OmiCef”?
Manche Omas würde Boris Rogosch auch gerne außerhalb der Küche mehr einspannen – in die Verwaltung nämlich. Für ihn ist klar: In den nächsten Jahren muss OmaLiebe strukturierter werden, um die wachsende Zahl von Veranstaltungen und die vielen großen Pläne umzusetzen. Und warum nicht auch dabei auf die Kompetenzen der Omas bauen?
Ein nächster Schritt, der ansteht, ist dabei, die Idee von OmaLiebe über Hamburg hinaus auch in anderen deutschen Städten zu etablieren. In den letzten Wochen habe er dazu viele Anfragen bekommen, meint Boris Rogosch. Er plant daher, zunächst einen Leitfaden zu schreiben und Praktika anzubieten, um damit den Aufbau ähnlicher Konzepte andernorts zu unterstützen. OmaLiebe soll dabei aber keine Art Dachverband sein: “Wir wollen kein ‘OmiCef’ werden”, lacht Boris Rogosch, “wir wollen lieber eine kleine, schnelle Gruppe bleiben und schnell und flexibel entscheiden können, wo wir kochen und wo wir unterstützen.”
Aus denselben Gründen hat sich OmaLiebe vorerst dagegen entschieden, ein festes, von den Omas geführtes Restaurant aufzumachen, wie es beispielsweise die Vollpension in Wien betreibt. Besuchen würden sie die Vollpension allerdings schon gerne einmal, meint Rogosch, genauso wie die Enoteca Maria in New York. Die würden sie gerne auch direkt einmal für eine Woche übernehmen.
Einmal quer durch die Republik
Und dann gibt es da noch den Plan, sich “einmal durch die Republik” zu kochen und an verschiedensten Orten Deutschlands Events anzubieten. Wer weiß – vielleicht schafft es ja auch Omas Rollbraten dann einmal in die OmaLiebe-Franken-Edition. Bis es allerdings soweit ist, wird es wohl noch etwas dauern. Denn für solche Projekte braucht es das nötige Kleingeld, denn OmaLiebe ist rein gemeinnützig, die Finanzierung erfolgt durch Geld- und Sachspenden. Vielleicht, so die Hoffnung von Boris Rogosch, erhöht sich das Spendenaufkommen durch die viele positive Aufmerksamkeit bald. Dann könnten einige Omas mit der Zeit vielleicht sogar für ihre Vereinstätigkeit vergütet werden.– Aktuell müssen sich einige von ihnen zu der Rente noch etwas dazuverdienen.
Bis wir alle in den Genuss von OmaLiebe kommen, können Gäst:innen sich von den Omas weiterhin in Hamburg bekochen lassen. Ab Oktober gibt es bei Manzels in Eppendorf wieder zwei Mal die Woche Mittagessen wie bei Oma.
Dann können die Gäste wieder das erleben, was bei OmaLiebe immer im Zentrum steht: Wie schön es ist, gemeinsam mit anderen Essen zu genießen, das mit Liebe gekocht wurde. Wie es Boris Rogosch am Ende unseres Interview so schön sagt: “Gemeinsam essen ist gesünder”. Und leckerer.
Senfeier mit Salzkartoffeln
Senfeier sind fest verankert in der deutschen Alltagsküche, vor allem in Nord- und Ostdeutschland. Ursprünglich entstanden sie als günstiges, sättigendes Gericht, wurden sie oft in Kantinen und Schulküchen serviert. Heute erleben Senfeier ein Revival als nostalgisches Wohlfühlessen
Zutaten
für 4 Portionen

- 1 kg Kartoffeln
- Salz
- 8 Eier
- 2 Spritzer Weißweinessig
- 1 kleine Zwiebel
- 40g Butter
- 40g Mehl
- 500ml Milch
- 100ml Sahne
- 1EL mittelscharfer Senf
- 1EL körniger Senf
- 1EL Dijon-Senf
- 1 Messerspitze Ingwerpulver
- Pfeffer
- 1 Prise Zucker
- 1 Bund Schnittlauch
Zubereitung:
- Die Kartoffeln schälen, in Stücke schneiden und im Salzwasser ca. 20 Minuten weich kochen. Die Eier in leicht gesalzenem Wasser mit einem Spritzer Essig 7-8 Minuten wachsweich kochen. Abschrecken, pellen und halbieren
- Die Zwiebel schälen und fein würfeln. Die Butter in einem Topf schmelzen und die Zwiebelwürfel darin 3 Minuten glasig dünsten. Das Mehl mit einem Schneebesen einrühren und 1 Minute anschwitzen, ohne dass es Farbe annimmt. Nach und nach Milch und Sahne einrühren, bis eine glatte Soße entsteht
- Die drei Senfsorten sowie das Ingwerpulver unterrühren und mit einem Spritzer Essig, Pfeffer und Zucker abschmecken. Den Schnittlauch waschen, trocken tupfen und fein schneiden.
- Zum Anrichten Kartoffeln und Eier auf Teller verteilen, mit der heißen Senfsoße übergießen und mit Schnittlauch bestreuen.
Oma-Tipp:
Eine Messerspitze Ingwerpulver in die Soße gibt eine feine Schärfe und Tiefe – das macht die Senfeier besonders aromatisch. Wer möchte, kann einen Teil der Milch für die Soße durch Gemüsebrühe ersetzen.
Dieses und weitere Rezepte findet ihr in OmaLiebe – Wohlfühlrezepte aus Omas Küche, Rezept und Bild courtesy of Hölker Verlag.
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Beitragsbild: Sebastian Fuchs


OmaLiebe: Essen, das zusammenbringt

