Ein Beitrag über Arbeitswelten, Vorurteile und die Frage, wie ein erfüllender Job aussehen kann. Menschen aus ganz unterschiedlichen Branchen erzählen hier von ihrem Arbeitsalltag, ihren Hoffnungen und dem, was sie an ihrer Arbeit lieben.
Dieser Artikel ist ein Auszug aus dem Artikel Meine Arbeit und ich von Ruth Kluge aus unserem Printmagazin „Wir arbeiten dran“.
Mehr als 1.000 Kilometer über Nacht, 45 Sattelzüge im Konvoi und am Ziel wartet schon das nächste Konzert: Roger Croft fährt nicht einfach LKW, sondern bringt als CEO von Transcend Managed Services das Equipment großer Musikproduktionen quer durch Europa. So war er unter anderem mit Coldplay auf Tournee und erlebt einen Arbeitsalltag zwischen strengen Zeitplänen, fremden Städten und Sonnenaufgängen über den Alpen. Uns erzählt er, wie er vom Bierausfahrer zum Tourfahrer wurde, warum Musik für ihn Menschen verbindet – und welcher AC/DC-Sänger überraschend gerne mit Fahrer:innen und Crew zu Abend isst.
GNM: Wie bist du in diesem Beruf gelandet?
Roger: Nachdem ich viele Jahre lang auf sogenannten „Drays“ gearbeitet habe – also Bierlieferungen an Pubs in ganz Großbritannien – hatte ich mir einen guten Ruf als zuverlässiger und vertrauenswürdiger Fahrer erarbeitet. Gleichzeitig begann ich, mein eigenes Unternehmen aufzubauen. Ein anderer Fahrer machte mich schließlich auf die Möglichkeit aufmerksam, in der Musik- und Unterhaltungsindustrie zu arbeiten. Das fand ich spannend.
GNM: Wie sieht ein mehr oder weniger typischer Arbeitstag in deinem Beruf aus?
Roger: Ich bin mal einen Truck auf der Coldplay-Tour gefahren, in einem Konvoi aus 45 Sattelzügen. Es war eine typische Nachtfahrt. Die Fahrt ging von Wien bis nach Lyon, das sind über 1.000 Kilometer. Alle müssen sich an strenge Zeitpläne halten, damit die Tourneen pünktlich stattfinden können. Trotz der langen Fahrt erinnere ich mich vor allem daran, dass der Sonnenaufgang über den italienischen Alpen spektakulär war!

GNM: Was macht dir an deiner Arbeit besonders Freude?
Roger: Ich liebe das Reisen und bekomme durch meinen Job die Möglichkeit, viele interessante und wunderschöne europäische Städte zu sehen. Außerdem mag ich es, Menschen unterschiedlichster Nationalitäten und Kulturen kennenzulernen.
Und Musik bringt all diese Menschen zusammen – sie ist unsere universelle Sprache.
GNM: Welche positiven Entwicklungen beobachtest du in deiner Branche?
Roger: Mir fällt auf, dass die Unternehmen rund um die Arenen jedes Mal stark von den vielen Konzertbesucher:innen profitieren. Zum Beispiel Bars, Restaurants, Hotels oder Geschäfte. Es ist schön zu sehen, dass Musik das möglich macht.
GNM: Was bringt dich in deinem Job immer wieder zum Lächeln?
Roger: Eine Geschichte ist mir besonders im Kopf geblieben: Brian Johnson, der Sänger von AC/DC, setzt sich immer ganz selbstverständlich mit der Crew und den Fahrer:innen zum Essen zusammen. Er ist ein unglaublich bodenständiger Typ, der selbst aus der Arbeiterklasse kommt.
GNM: Wenn du der Welt eine Sache über deinen Beruf sagen könntest – was wäre das?
Ich kann in meinem Job sehr viel reisen, kann viele Kulturen kennenlernen und habe viele tolle Erinnerungen gesammelt – dazu würde ich auch gerne andere Menschen ermutigen!
Roger: Ich würde sagen: „Urteile nicht darüber, bevor du es nicht selbst ausprobiert hast.“
Was können wir von Menschen lernen, die ganz anders arbeiten als wir?