Automatisiertes Ampelsystem

Wie Los Angeles Staus reduziert

von | 25. August, 2021

In Großstädten sind Staus an der Tagesordnung. Los Angeles möchte sie mit einem automatisierten Ampelsystem verhindern.

Alle Autofahrer:innen fürchten sie: Die Rush-Hour. Wenn zwei Mal täglich Millionen Menschen von Zuhause zu ihrem Arbeitsplatz und wieder zurück strömen, sind Stadtkerne und Autobahnkreuze schnell verstopft. Selbst im Covid19-Jahr 2020 bildeten sich allein auf deutschen Autobahnen rund 513.500 Staus, die auf eine Gesamtlänge von 679.000 Kilometern kamen. Damit haben allein die deutschen Staus die Erde fast 17 Mal umrundet. In Los Angeles entschärft seit Jahren ein automatisiertes Ampelsystem die Verkehrslage. Es soll Staus verhindern, Fahrzeiten verkürzen und für bessere Luft sorgen.

Staufrei dank Computer  

4.398 Ampeln regeln in den viel befahrenen Straßen von Los Angeles den Vekehr der fast vier Millionen Einwohner:innen. Seit 2013 sind alle Anlagen Teil des sogenannten Automatic Traffic Surveillance & Control Systems (ATSAC). Durch das innovative Ampelsystem können sie koordiniert und angepasst an die aktuelle Verkehrslage gesteuert werden. Wie die New York Times berichtet, helfen dabei zahlreiche Magnetsensoren und Kameras, die Echtzeitinformationen an ein zentrales Rechenzentrum senden. Ein Computer analysiert hier die Daten und stimmt die einzelnen Ampelanlagen dann so aufeinander ab, dass der Verkehr möglichst flüssig läuft. 

Nach Angaben der städtischen Verkehrsbehörde soll so die Reisegeschwindigkeit um 16% erhöht und die Reisedauer um 12% verringert werden. Der ehemalige Bürgermeister von Los Angeles, Antonio Villaraigosa, sagte im Jahr 2013 dazu: “Indem wir unsere Ampelanlagen synchronisieren, werden wir fast einen ganzen Tag weniger warten und die Luftverschmutzung jährlich um eine Tonne Kohlenstoffdioxid reduzieren.

Immer grüne Welle?

Villagairosa versprach die Maßnahme bereits im Jahr 2005, als er für den Bürgermeisterposten kandidierte. Ursprünglich begann Los Angeles bereits im Vorfeld der Olympischen Spiele 1984 damit, seine Ampelanlagen zu synchronisieren. Fast 30 Jahre und Investitionen in Höhe von 150 Millionen Dollar später, konnte der damalige Bürgermeister das Projekt im Jahr 2013 finalisieren. Jetzt nutzt die Stadt das System nicht nur dazu, den Berufsverkehr zu entlasten, sondern auch, um den Verkehr bei Großveranstaltungen effektiv zu steuern.

Für die Bürger:innen von Los Angeles bedeutet das aber keine grüne Dauerwelle. So schaltete die Stadt in der Hochphase der Covid19-Pandemie Ampeln absichtlich auf Rot, um Geschwindigkeitsüberschreitungen zu vermeiden. Denn durch das geringe Verkehrsaufkommen in dieser Zeit, konnten sich viele Autofahr:innen über eine grüne Ampel nach der anderen freuen. Dadurch fuhren sie immer schneller und schneller.

Das System hilft zwar bei der effektiven Steuerung der Straßen, es hat die Stadt aber nicht zum Verkehrsparadies gemacht. Los Angeles gilt weiterhin als die stauanfälligste Stadt der Vereinigten Staaten. In der Regel verlängert sich hier die Fahrzeit durch Staus um 27%. 

Beitragsbild: albertoadan / Pixabay

Unterstütze die Arbeit von Paul Esser und anderen Autor:innen mit einem GNM+ Abo!

Wer jetzt ein Abo abschließt, erhält z. B. unser Printmagazin, von den Autor:innen vorgelesene Artikel und Zugang zu weiteren exklusiven Artikeln im Online-Magazin. Damit ermöglichst du unsere Arbeit, unterstützt Positiven Journalismus und wirst Teil einer positiven Bewegung!

 

GNM+

Paul Esser

Paul Esser ist stellvertretender Chefredakteur beim Good News Magazin. Wenn er gerade keine Medien macht oder konsumiert, studiert er Politikwissenschaften und Psychologie. Warum das alles? Lösungen waren schon immer spannender als Probleme!

Diese Good News könnten dich auch interessieren