Eine echte Alternative zu Amazon, Thalia & Co.

Wie genialokal den unabhängigen Buchhandel stärkt

von | 15. Oktober, 2026 | #16 – Was ist geworden aus..., Bildung

Wie genialokal unabhängigen Buchhandel stärkt

Seit über zehn Jahren behauptet sich genialokal als Alternative zu Großanbietern, die den Buchmarkt dominieren. Wieso das Konzept funktioniert – und was Buchhändler:innen, aber auch Leser:innen, dadurch hinzugewinnen. #Anzeige

Am 15. April 2015 startet auf der Leipziger Buchmesse offiziell eine neue Online-Plattform für Bücher. genialokal vereint zu diesem Zeitpunkt rund 300 teilnehmende Buchhandlungen – und hat vor allem ein Ziel: lokale, mittelständische Buchhandlungen zu stärken.

Ambitioniert ist dieses Ziel unter anderem deshalb, weil es zu diesem Zeitpunkt mit Amazon bereits einen sehr etablierten Online-Anbieter gibt. Einen Anbieter, der mit seinem Vorgehen das traditionelle Geschäft mit Büchern umkrempelt und den lokalen Buchhandel stark unter Druck setzt. “Es ist das Ziel von Amazon, der Intermediär zwischen Autor und Leser zu werden, das heißt, alle Verlage und Buchhandlungen überflüssig zu machen”, beschreibt Alexander Skipis, Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, die Lage 2014. 

Die Strategie hat Erfolg – bis zu einem gewissen Grad. Auch heute ist das Bild ähnlich: Umsätze von Großanbietern steigen. Dazu zählt nicht nur Amazon, sondern insbesondere Thalia, das 2023 nach eigenen Angaben 24 Prozent Marktanteil innehat, beim stationären Geschäft sogar 27 Prozent. Gleichzeitig müssen immer mehr kleine, unabhängige Buchhandlungen schließen.

Überflüssig sind sie damit dennoch lange nicht. Dazu trägt auch genialokal bei. Entstanden als Gemeinschaftsprojekt des Logistikunternehmens Libri GmbH sowie der eBuch eG – mit 800 angeschlossenen Buchhandlungen die größte Verbundgruppe im deutschen Sortimentsbuchhandel – will genialokal den Großanbietern etwas entgegensetzen. Mit Erfolg.

2026, über elf Jahre nach dem Start, zählt genialokal rund 700 teilnehmende Buchhandlungen in ganz Deutschland, von der Kiezbuchhandlung in einer Großstadt wie Berlin hin zur familiengeführten Buchhandlung in der fränkischen Kleinstadt. Tendenz steigend. Was 2015 als Widerstand gegen die Dominanz der Marktriesen begann, ist heute ein etabliertes Netzwerk, das auf Grundlage des Prinzips “Think global – act local” ein alternatives System anbietet. Eines, das funktioniert. 

Wie es funktioniert

Das Konzept von genialokal ist an sich simpel: Ein gemeinsamer Online-Shop für alle teilnehmenden Buchhandlungen bietet Zugriff auf über zehn Millionen Bücher, eBooks, Hörbücher und mehr. Kund:innen können über die Plattform ganz einfach durch Eingabe der Postleitzahl filtern und ihre bevorzugte Buchhandlung auswählen. 

Wer einen Artikel bestellen möchte, kann sich diesen entweder direkt nach Hause liefern lassen oder ihn in der ausgewählten Buchhandlung per Click&Collect abholen. Ist der Wunschartikel in der Lieblingsbuchhandlung vorrätig, dann kann er online reserviert und direkt abgeholt werden. Alternativ kann das Buch in die Buchhandlung bestellt werden und ist dort häufig bereits am nächsten Tag bereit zur Abholung. Wenn es doch länger dauern sollte, wird der Abholzeitraum schon bei der Suche angegeben, sodass Kund:innen wissen, mit welchen Wartezeiten sie rechnen müssen. Bezahlt wird bei der Abholung in der Buchhandlung. 

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Grafiken: genialokal

Am meisten profitieren stationäre Buchhandlungen dabei von der Option Click&Collect, also Bestellung online und Abholung in der Buchhandlung – rund 35% des Buchpreises fließen so direkt an den lokalen Händler. Das entspricht in etwa der üblichen Handelsspanne im Buchhandel. Die restlichen 65 % gehen anteilig an Autor:innen, Verlage, Druckerei, Übersetzer:innen, Grafiker:innen, fließen in Lizenzen, Logistik etc.  Auch bei Online-Bestellungen sowie bei eBooks und Hörbüchern profitiert die ausgewählte Lieblingsbuchhandlung, wobei hier unterschiedliche Preis- und Erlösmodelle gelten.

Übrigens: Wird beim Kauf keine Lieblingsbuchhandlung ausgewählt, geht das Geld an genialokal und kommt damit, ganz nach dem genossenschaftlichen Prinzip des Projekts, allen beteiligten Buchhandlungen zu Gute. Denn daraus werden unter anderem Redaktion, technische Weiterentwicklung sowie Werbe- und Pressemaßnahmen, rechtliche Anforderungen und weitere Services für die Buchhandlungen finanziert. Bedeutet: Lokale Buchhändler:innen müssen keine oder deutlich weniger Zeit und Kosten investieren, um Kund:innen anzuziehen. 

Hinter all dem steht die Überzeugung, die genialokal auszeichnet und von anderen Plattformen unterscheidet: Wenn einer profitiert, profitieren alle: 

„Die Vielfalt im Buchhandel bleibt erhalten, wenn wir die einzelnen Buchhandlungen wirtschaftlich stark machen. Denn sie sind wichtige Orte für ihre Städte und Kieze: Sie schaffen Begegnung, fördern das Lesen und tragen zu einem lebendigen kulturellen Miteinander bei.“, so Julian Müller, Vorstand der Genossenschaft.

Was es bewirkt

Genau dieses wirtschaftliche Erstarken erhoffen sich die teilnehmenden Buchhandlungen – und tatsächlich ist das Wachstum messbar. Über 60 Millionen Euro Umsatz sind seit 2015 durch genialokal bei von Inhaber:innen geführten Buchhandlungen angekommen. Dabei hilft, dass ein Großteil der Bestellungen über das Click&Collect-Verfahren läuft, bei dem der größte Teil des Umsatzes direkt an die Buchhandlungen geht: 75 Prozent der Kund:innen bestellen ihre Bücher ins Geschäft, um sie dort abzuholen. Dadurch bleibt auch der persönliche Kontakt und Austausch bestehen, der den Besuch in einer lokalen Buchhandlung so besonders macht.

Ganz nebenbei ist das Bestellen bei genialokal  außerdem gut für die Umwelt: Allein im Jahr 2023 konnten durch die Click&Collect-Bestellungen über sechs Tonnen Verpackungsmüll eingespart werden. Denn die bestellten Bücher werden in nachhaltigen Mehrwegwannen an die Buchhandlungen geliefert – eine Million davon sind bei Logistikpartner Libri im Einsatz. 

Es gibt also sowohl für die Inhaber:innen gute Gründe, bei genialokal mitzumachen, als auch für die Kund:innen, dort zu bestellen. Das spiegelt sich in den Zahlen wider. Denn während der stationäre Buchhandel generell an große Online-Anbieter verliert, gewinnen die genialokal-Buchhandlungen dazu.

Gerade zu Zeiten der Corona-Pandemie gab es einen regelrechten Ansturm auf genialokal, allein 2020 kamen binnen eines Jahres 100.000 neue Kund:innen hinzu. Und der positive Trend dauert weiterhin an: 2025 gewann genialokal etwa 80.000 neue Kund:innen dazu. 

Was sich in den letzten 11 Jahren getan hat…

Das Konzept geht auf: Eine Mischung aus Einfachheit, mit raschem Zugriff auf über zehn Millionen Titel und einem bequemen Bestellprozess – und einer Buchbestellung, die gleichzeitig plötzlich wieder sehr persönlich wird, weil Kund:innen aktiviert werden, die Buchhandlung physisch zu besuchen. Hier, umgeben von Büchern und im Austausch mit Menschen, die leidenschaftlich im Buchhandel arbeiten, wird klar, warum genialokal nach über 11 Jahren nicht nur weiter besteht, sondern weiter wächst.

„Natürlich war und ist der Weg nicht immer einfach. Technische Entwicklungen, neue rechtliche Anforderungen und begrenzte Budgets stellen uns immer wieder vor Herausforderungen. Entscheidend ist aber, dass wir gemeinsam mit den Buchhandlungen Lösungen entwickeln und genialokal kontinuierlich weiterentwickeln.“ , räumt Julian Müller ein.

Dennoch hat die Genossenschaft ihre eigenen Erwartungen seit dem Start mehr als übererfüllt – oder sogar übertroffen: „Dass sich genialokal nach mehr als elf Jahren mit rund 700 teilnehmenden Buchhandlungen fest im Markt etabliert hat, hat unsere damaligen Erwartungen übertroffen. Schön zu sehen ist auch, wie selbstverständlich genialokal inzwischen in der Branche angekommen ist – wenn Verlage und Autor:innen auf uns verlinken oder Kooperationen wie rund um den SPIEGEL Buchpreis entstehen.“ 

… und wie es für genialokal jetzt weitergeht

Und natürlich will genialokal weiter wachsen. Je mehr Buchhandlungen teilnehmen, umso besser. Für die einzelnen Läden, aber auch für den Buchhandel an sich. Denn so wie alle Leser:innen ihren ganz persönlichen Geschmack haben, so wie es verschiedene Bücher für verschiedene Stimmungen und Situationen gibt, so braucht es Buchhandlungen, die individuelle Schwerpunkte setzen und persönliche Beratung bieten – von der queeren Buchhandlung in Berlin-Kreuzberg zur Kinderbuchhandlung in Oldenburg. Um das aufrechtzuerhalten, braucht es ein Gegengewicht zu den wenigen großen Anbietern, die den Markt sonst dominieren würden.

Genau darum geht es in der kürzlich gestarteten genialokal-Kampagne “Bücher können mehr”, an der sich von Autor:innen über Buchhändler:innen zu Leser:innen alle beteiligen können. “ Ziel ist es”, laut Geschäftsführerin Angelika Siebrands, “aufzuzeigen, wie tiefreichend und vielfältig die Bedeutung von Büchern ist. Bücher begleiten uns oft ein Leben lang. Sie schenken Freude, eröffnen neue Perspektiven und schaffen Verbindungen. Mit dieser Kampagne möchten wir diese Vielfalt sichtbar machen. Gleichzeitig setzen wir gemeinsam ein Zeichen für den unabhängigen Buchhandel, der diese Vielfalt jeden Tag möglich macht.“

Bücher werden nie verschwinden, dessen ist man sich bei genialokal sicher. Und solange Menschen Bücher lesen, wird es Buchhandlungen brauchen. Darum blicken sie trotz aller aktuellen Umbrüche auf dem Buchmarkt optimistisch in die Zukunft:

„Unser Ziel ist, genialokal weiter als starke gemeinsame Plattform des unabhängigen Buchhandels auszubauen. Wir wollen noch mehr Menschen zeigen, dass bequemes Online-Bestellen und die Unterstützung der eigenen Buchhandlung vor Ort ganz selbstverständlich zusammengehören.“ 

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Beitragsbild: Depositfotos

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