Good News Thought

das ist ein GNM+ ArtikelFrauen im Sport: Fünf Jahre Fortschritt – und noch verdammt viel zu tun

von | 15. Oktober, 2026 | #16 – Was ist geworden aus..., GNM+, Good News Thoughts, Sport

So sieht es aus, wenn Frauen Frauen (unter)stützen: Sophie Hargesheimer trägt eine erschöpfte Athletin der Nordischen Kombination aus dem Zielbereich. Foto: FIS

Frauen sind im Sport heute sichtbarer, erfolgreicher und wirtschaftlich relevanter als noch vor wenigen Jahren. Doch während sich auf dem Spielfeld viel bewegt, hinken Forschung, Schutz, Bezahlung und vor allem die Machtverhältnisse hinterher.

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Meine Kollegin Sophia Schweizer schrieb 2021 einen Artikel darüber, dass Turnerinnen erstmals im Ganzkörperanzug antreten durften, nachdem jahrzehntelang die knappen Bodies Standard waren. Die Botschaft dieser Regelung war nicht, dass diese Bekleidung grundsätzlich problematisch sei, sondern dass Athletinnen selbst entscheiden sollten, worin sie sich wohlfühlen. Seitdem hat diese Diskussion viele Sportarten erreicht. Während die Beachvolleyballerinnen längst Shorts statt Bikini tragen dürfen, wird mittlerweile deutlich lauter gegen Wimbledons rein weiße Kleidungsvorschriften protestiert und eine angepasste Wettkampfkleidung aus religiösen Gründen öfter thematisiert. 

Immerhin, Verbände und Teams beschäftigen sich stärker damit, dass Sportbekleidung funktional für die Athletinnen sein sollte und nicht primär danach gestaltet wird, wie Frauenkörper präsentiert werden. 2021 wurde das norwegische Beachhandballteam noch mit insgesamt 1.500 Euro bestraft, weil die Spielerinnen Shorts statt der vorgeschriebenen Bikinihosen trugen. Wenige Monate später änderte der Weltverband seine Regeln. Wimbledon wiederum erlaubt Spielerinnen immerhin seit 2023 dunkle Unterhosen, nachdem Athletinnen offen über die Angst vor sichtbaren Menstruationsflecken gesprochen hatten.

Doch es soll in diesem Artikel nicht um Mode gehen. Vielmehr ist diese Entwicklung eine sichtbare Repräsentation der Thematik, wie es überhaupt um „Frauen im Sport“ steht. Wir wollen schauen, was sich in den letzten fünf Jahren seit unseren News zu den Turnanzügen getan hat.

Blickwinkel einer Frau im Sport

Dieser Good News Thought wird persönlicher. Denn ich war die letzten zwanzig Jahre genau das: eine Frau im Sport. Nicht auf der Athletinnen-Seite, sondern hinter den Kulissen. Erst als meist einzige Journalistin im Biathlon, später als Medienkoordinatorin bei Olympischen Spielen oder internationalen Fußballturnieren.

Da bleibt es nicht aus, dass persönliche Erfahrungen in eine solche Betrachtung mit einfließen. Die Recherche zu diesem Artikel ist auch ein wenig persönliche Motivation: Zu sehen, dass sich etwas getan hat, denn allzu oft frustrierte mich, wie wenig sich tat. Oder dass es nicht nur Männer waren, die mich ausbremsten. 

Viktoria bei der EURO

Da war die Weltverbands-Generalsekretärin, die dafür sorgte, dass ich einen wichtigen Vertrag als Freelancerin nicht bekam. Oder die Marketingchefin, die alle männlichen Kollegen bei Olympia umwarb, aber vehement versuchte, mich und meine Kollegin von Events der deutschen Olympiamannschaft auszuschließen. Mittlerweile kann ich das sogar ein Stück weit einordnen, denn die Wissenschaft kennt dafür einen beschönigenden Begriff: das „Queen-Bee-Phänomen“. Untersuchungen zeigen, dass sich manche Frauen, die sich in stark männlich dominierten Organisationen durchsetzen mussten, später von anderen Frauen distanzieren oder die bestehenden Regeln selbst verteidigen. Spannend ist aber die Ursache: Die Forschung sieht darin gerade keine typisch weibliche Eigenschaft, sondern eine mögliche Reaktion auf Diskriminierung und den Druck, sich einer männlich geprägten Organisationskultur anzupassen.

Wie oft war ich frustriert aufgrund dieser Erfahrungen. Aber: Es hat mich zu einer besseren Frau im Sport gemacht. Einer besseren Chefin, Teamleaderin, Kollegin und Mentorin. Eine, die die Leiter nach sich nicht heraufzieht. Sondern wissentlich anderen Frauen die Hand reicht. Das ist eine (Sport)Welt, in der ich leben will. Und zum Glück arbeiten weltweit tausende Frauen – und ja, auch Männer – daran, dass diese Welt Realität wird.

Mainstream und Wirtschaftlichkeit

Frauensport war lange entweder eine Nische oder wurde medial über das Aussehen der Athletinnen verkauft. Heute sehen wir ausverkaufte Stadien, Milliardenumsätze und Sportlerinnen, die selbst zu globalen Marken werden. Dass sich für Frauensport “niemand interessiert“, widerlegen ohnehin längst die Zahlen. Noch 2022 schätzte Deloitte den weltweiten Umsatz des professionellen Frauensports auf 692 Millionen US-Dollar. 2024 waren es bereits 1,88 Milliarden. Für 2025 wurden 2,35 Milliarden Dollar erwartet – tatsächlich wurden daraus rund 2,4 Milliarden. Für 2026 prognostiziert Deloitte inzwischen mindestens drei Milliarden Dollar. Das entspricht einem Plus von rund 340 Prozent gegenüber 2022 – das mit dem Nichtinteresse ist also zunehmend schwer aufrechtzuerhalten.

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