Ein Beitrag über Arbeitswelten, Vorurteile und die Frage, wie ein erfüllender Job aussehen kann. Menschen aus ganz unterschiedlichen Branchen erzählen hier von ihrem Arbeitsalltag, ihren Hoffnungen und dem, was sie an ihrer Arbeit lieben.
Dieser Artikel ist eine Ergänzung zu dem Artikel Meine Arbeit und ich von Ruth Kluge aus unserem Printmagazin „Wir arbeiten dran“.
Spielen als Beruf? Für Nicholas Paschalis ist das tatsächlich Arbeitsalltag – wobei ein ziemlich großer Teil davon daraus besteht, Spiele zu entwickeln, zu verwerfen, umzubauen und immer wieder zu testen. Der in Island lebende Brettspieldesigner hat mit Blacksmith Brothers und Mirianth Wars bereits mehrere Spiele veröffentlicht. 2026 folgt mit Loyalty: Rome sein nächstes Spiel bei einem deutschen Verlag. Wir haben mit ihm darüber gesprochen, wie aus einer Idee überhaupt ein Brettspiel wird, warum Kritik dabei zum Job gehört – und weshalb viel Spielen manchmal tatsächlich Arbeit ist.
GNM: Wie sieht ein mehr oder weniger typischer Tag in deinem Beruf aus?
Nicholas: Zunächst entwickle ich Konzepte und bringe erste Ideen zu Papier. Dann teste ich sie, entweder allein – wobei ich versuche, mich in andere Spieler hineinzuversetzen – oder mit anderen. Anschließend kann ich entweder zu dem Entwurf zurückgehen oder ihn weiterentwickeln, d. h., ich erstelle einen Prototypen, der dann mit mehreren Spielern getestet werden kann. Solche Playtests dauern ziemlich lange, da wir sehr viele Szenarien durchspielen müssen. In der Zwischenzeit kann ich an weiteren Konzepten arbeiten.
GNM: Wie bist du zu diesem Job gekommen?
Nicholas: Ich habe angefangen, klassische Brettspiele zu spielen. An einem gewissen Punkt haben wir Hausregeln eingeführt. Irgendwann hatten wir so viele, dass ich dachte, ich könnte vielleicht selbst ein Spiel kreieren. Ich habe recherchiert und herausgefunden, dass es diesen Beruf gibt – und zack, war ich drin.
GNM: Welche positiven Entwicklungen siehst du in deiner Branche?
Es ist interessant, dass es trotz der langen Geschichte der Brettspiele immer wieder neue und interessante Entwicklungen gibt. Sei es durch neue Mechaniken oder Thematiken, die es vorher noch nicht als Spiel gab. Oder Brettspiele, die die vierte Wand durchbrechen. Mit Apps oder Ähnlichem.
GNM: Was an deinem Job/an deinem Karriereweg macht dich dankbar? Was macht dich persönlich optimistisch für deine berufliche Zukunft?
Nicholas: Spiele zu entwickeln ist sehr bereichernd. Wenn ein Publisher eines meiner Spiele veröffentlicht, ist das das Ende eines Zyklus. Das bedeutet, dass ich die Früchte meiner Arbeit sehen kann, aber auch, dass ich ein neues Projekt beginnen kann, das genauso cool ist. Ich hoffe, dass ich mehr Spiele in Europa veröffentlichen und damit mehr Leute begeistern kann.
Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an
Ein Beitrag geteilt von Nicholas | Game Design Journey (@coldcrest.games)
GNM: Was an deiner Arbeit macht dir besonders viel Spaß? Was bringt dich bei deiner Arbeit immer wieder zum Lächeln?
Nicholas: Nicholas: Die Playtests machen extrem viel Spaß, da ich quasi einfach Spiele spielen kann, was mir generell gefällt. Wenn ich dann ein fertiges Produkt meiner Spiele in die Hand bekomme, ist das natürlich auch ein großartiges Gefühl.
GNM: Wenn du der Welt etwas über deinen Job/die Branche, in der du arbeitest, sagen könntest, was wäre es?
Nicholas: Es existiert, macht Spaß und ist sehr kreativ. Vor allem erfordert es viel Eigeninitiative, da du alles drumherum aus dem Nichts kreieren musst.
GNM: Wie begegnest du Kritik an deinem Job/Arbeitgeber? Wie gehst du mit Vorurteilen um?
Nicholas: Kritik gehört zum Job. Der Verleger ist nicht immer zu 100 Prozent mit dem zufrieden, was man geschaffen hat, und er muss Anmerkungen geben, was er natürlich darf – immerhin ist das seine Expertise und er weiß, was sich gut verkauft.
Ich habe noch nie Vorurteile erlebt, aber es gibt Leute, die denken, dass es diesen Job gar nicht gibt, oder die schockiert sind und lange brauchen, um zu verstehen, was das überhaupt bedeutet.
GNM: Was möchtest du uns noch erzählen?
Nicholas: Spielt mehr! Und folgt gerne meiner Arbeit, wenn ihr euch für Spiele und Gamedesign interessiert.
Was können wir von Menschen lernen, die ganz anders arbeiten als wir?