leichtR am Tag der Selbsthilfe

Selbsthilfe beginnt nicht erst in der Krise

von | 14. September, 2026 | Füreinander

leichtR am Tag der Selbsthilfe

Am Tag der Selbsthilfe, dem 16. September, öffnet das leichtR-Büro in der Viehofer Straße 31 in Essen um 17 Uhr seine Türen.

Viele Menschen denken bei Selbsthilfe zunächst an eine Selbsthilfegruppe. An Menschen, die eine bestimmte Krankheit, Behinderung oder schwierige Lebenssituation miteinander verbindet. Sie treffen sich regelmäßig, tauschen Erfahrungen aus, geben sich gegenseitig Halt und profitieren vom Wissen der anderen. Das ist eine wichtige Form von Selbsthilfe. Bei leichtR fragen wir uns aber: Könnte Selbsthilfe nicht schon viel früher beginnen?

Vielleicht beginnt sie dort, wo Menschen sich kennenlernen. Wo sie voneinander wissen. Wo Vertrauen wächst. Wo jemand sagen kann: „Damit kenne ich mich aus, vielleicht kann ich dir helfen.“ Und ein anderer genauso selbstverständlich sagen darf: „Hier brauche ich gerade Unterstützung.“

Genau aus diesem Gedanken ist leichtR entstanden. Nicht nur Hilfe bekommen – auch etwas geben können. Bei leichtR kommen ganz unterschiedliche Menschen zusammen. Manche beschäftigen sich mit der Frage, wie sie später einmal wohnen möchten. Andere mit Selbstbestimmung, Pflege oder Vorsorge. Manche möchten etwas gegen Einsamkeit tun, andere interessieren sich für Neurodiversität, Begegnung oder neue Formen gegenseitiger Unterstützung.

Dabei versuchen wir, Menschen nicht zuerst danach zu betrachten, wobei sie Hilfe benötigen. Wir fragen genauso: „Was kannst du gut? Was hast du erlebt? Wofür brennst du? Was möchtest du vielleicht mit anderen teilen?“ Denn ein Mensch kann an einer Stelle Unterstützung brauchen und an einer anderen unglaublich viel zu geben haben. Genau diese Erfahrung machen wir bei leichtR immer wieder.

Aus Begegnungen entstehen Ideen

Deshalb gibt es bei leichtR auch nicht das eine fertige Angebot. Menschen lernen sich kennen, essen miteinander, diskutieren, entwickeln Ideen und schließen sich zu kleinen leichtR-Kreisen zusammen. So beschäftigen sich inzwischen Menschen mit gemeinschaftlichen Wohnformen, andere mit Einsamkeit und Begegnung, mit Selbstbestimmung oder Neurodiversität. Nicht jede Idee wird ein Projekt. Nicht aus jeder Begegnung entsteht eine Freundschaft. Aber manchmal passiert etwas Entscheidendes: Menschen stellen fest, dass sie mit einer Frage nicht allein sind.

Und plötzlich sitzt da jemand, der ähnliche Erfahrungen gemacht hat. Oder jemand kennt jemanden, der weiterhelfen könnte. Oder aus einem Gespräch entsteht eine Idee, auf die vorher keiner gekommen wäre. Genau das verstehen wir unter einem Netzwerk.

Warum wir beim Tag der Selbsthilfe dabei sind

Am 16. September 2026 beteiligt sich leichtR am bundesweiten Tag der Selbsthilfe. Das hat uns zunächst zum Nachdenken gebracht, denn leichtR ist keine klassische Selbsthilfegruppe. Und trotzdem haben wir gemerkt: Vieles von dem, was wir tun, ist Selbsthilfe.

Menschen teilen Erfahrungen und Wissen. Sie unterstützen sich gegenseitig. Sie entwickeln gemeinsam Lösungen. Und sie erleben, dass sie nicht nur Empfänger von Hilfe sein müssen, sondern selbst etwas beitragen können. Vielleicht ist das eine Form von Selbsthilfe, die wir in Zukunft noch viel stärker brauchen. Eine Selbsthilfe, die nicht erst beginnt, wenn eine Krise da ist, sondern vorher. Nämlich dann, wenn wir uns fragen, wie wir leben möchten. Wie wir wohnen möchten. Was uns hilft, selbstbestimmt zu bleiben. Was wir tun können, wenn Unterstützung notwendig wird. Und welche Menschen wir gerne um uns hätten, wenn das Leben einmal schwieriger wird.

Den ersten Schritt machen

Gerade beim Thema Einsamkeit haben wir in den vergangenen Monaten viel gelernt. Es reicht nicht, immer neue Angebote zu schaffen und darauf zu hoffen, dass Menschen kommen. Manchmal braucht es jemanden, der den ersten Kontakt herstellt. Jemanden, der begleitet. Und schließlich einen Ort, an dem aus einem ersten Kontakt vielleicht Zugehörigkeit entstehen kann.

Das gilt nicht nur für Einsamkeit. Auch gegenseitige Unterstützung funktioniert nicht auf Knopfdruck. Menschen müssen sich kennenlernen. Vertrauen braucht Zeit. Und Gemeinschaft entsteht nicht dadurch, dass man sie auf ein Plakat schreibt. Deshalb wollen wir uns bei leichtR diese Zeit nehmen. Viele Menschen, viele Stimmen, viele Schultern. Und dabei verändert sich leichtR gerade selbst. Immer mehr Menschen bringen eigene Themen, Erfahrungen und Fähigkeiten ein. Einige übernehmen Verantwortung für Treffen, andere für Projekte, Social Media, Filme, unsere Webseite oder einzelne leichtR-Kreise. Das ist wichtig, denn leichtR soll nicht von einzelnen Menschen abhängig sein. Aus einer guten Idee kann erst dann ein tragfähiges Netzwerk werden, wenn viele Menschen sie zu ihrer eigenen machen.

Vielleicht ist auch das Selbsthilfe: Nicht darauf zu warten, dass jemand etwas für uns organisiert – sondern gemeinsam zu überlegen, was wir füreinander tun können.

Kommt einfach vorbei

Am 16. September um 17 Uhr öffnen wir deshalb unser leichtR-Büro in der Viehofer Straße 31 in Essen. Man muss kein Mitglied sein. Man muss niemanden kennen. Und man muss auch noch nicht wissen, ob oder wie man sich einbringen möchte.

Wir wollen Menschen kennenlernen, Erfahrungen austauschen und gemeinsam überlegen, wie gegenseitige Unterstützung funktionieren kann. Vielleicht geht jemand mit einer neuen Idee nach Hause. Vielleicht mit einem neuen Kontakt. Vielleicht findet jemand einen Menschen, den dieselbe Frage beschäftigt oder vielleicht entsteht einfach ein gutes Gespräch.

Auch so kann Selbsthilfe beginnen. Gemeinsam ist vieles leichtR.

Beitragsbild: leichtR

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