Stadtbienen bevölkern Dächer

Urban Imkering lässt Bienenvölker wachsen

von | 11. August, 2021

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Städte bieten Bienen eine immer größere Vielfalt an Nahrungsquellen. Bis zu 1,6 Millionen Bienenvölker leben in Schweiz, Österreich und Deutschland.

Schweizerische Post

Für ein Pfund Honig fliegt eine Biene drei Mal um die Erde. Ein neuer Start- und Landeplatz für Bienen ist das Dach des Briefzentrums in Zürich-Mülligen. Die Schweizerische Post beherbergt aktuell acht Bienenvölker. Auch auf Dächern pflegen Anna Hochreutener, ausgebildete Imkerin, und Tom Scheuer, dessen Großeltern bereits Imker waren, über drei Millionen Bienen in Zürich. 

„Bienen stehen für einen intakten Naturkreislauf sowie eine nachhaltige Obst- und Gemüseproduktion. Als wichtigster Bestäuber sind sie der Schlüssel für die Nahrungsmittelproduktion.“

Anna Hochreutener und Tom Scheuer

Rund 80 Prozent aller Nutzpflanzen bei uns sind Schätzungen zufolge von der Bestäubung durch die Bienen abhängig.

Schlaraffenland Stadt

Die industrielle Landwirtschaft schafft Monokulturen auf großen Agrarflächen. Dort finden Bienen immer weniger Nahrung. Städte hingegen bieten eine große Blütenvielfalt. „Bienenvölker finden in der Stadt mehr Futter als auf dem Land.“, sagt Ulrich Kinkel, Präsident des Landesverband Württembergischer Imker.

Städte entwickeln sich zu einem Schlaraffenland. „Die Blütenvielfalt ist enorm – durch die vielen Grünanlagen und die Begrünung von Flachdächern gibt es viele Nahrungsquellen und eine große Nahrungsvielfalt für die Bienen“, sagt Anna Hochreutener. Zudem liebt die Honigbiene die Wärme – in der Stadt ist das Mikroklima im Durchschnitt um 2 bis 3 Grad wärmer als im Umland.

Bienen reinigen Nektar

Da die städtischen Pflanzen kaum mit Pestiziden belastet sind, bietet Urban Imkering mit Stadtbienen einen weiteren Vorteil. Abgase und andere Dreckpartikel werden von den Bienen selbst vom Nektar getrennt. „Die Biene ist […] in der Lage, Schadstoffe aktiv herauszufiltern. [Der] Honig ist also immer relativ rein“, erklärt Mathias Götti Limacher, Zentralpräsident des Imkerverbandes BienenSchweiz.

1,6 Millionen Bienenvölker

Seit 2014 sind die damals 165.290 Bienenvölker in der Schweiz auf über 200.000 gewachsen mit geschätzten sechs Milliarden Bienen. In Österreich leben erstmals seit den 1990er-Jahren mehr als 400.000 Bienenvölker. Und auch in Deutschland ist die Zahl der Bienen seit dem Tiefpunkt 2009 wieder auf rund eine Million Bienenvölker gewachsen. Zusammen sind das rund 1,6 Millionen Bienenvölker in der Schweiz, Österreich und Deutschland.

Bahn, Rewe und Startups

Die Deutsche Bahn arbeitet mit Imkern zusammen und bietet 50 Millionen Honigbienen ein Zuhause. Auf dem Dach des nachhaltigsten Rewe-Marktes in Wiesbaden werden Fische und Basilikum gezüchtet. Zu dem Konzept gehört eine Blühwiese als Lebensraum für Insekten.

Immer mehr Start-ups summen mit Geschäftsideen wie Bienensaunas und Wildbienen-Häuschen. Die Idee der BienenBox stammt von dem Berliner Gründer Johannes Weber. Mit seiner urbanen Bienenbehausung kann jede:r auf dem Balkon aktiven Bienenschutz betreiben. 2014 gewann er dafür den Galileo Wissenspreis im Rahmen der GreenTec Awards. Um noch mehr Bienenvölkern auf Balkonen ein Zuhause zu geben, hat Johannes Weber den Verein Stadtbienen e.V. gegründet.

Deutschland summt

Die Initiative „Deutschland summt“ von Dr. Corinna Hölzer und Cornelis Hemmer bringt Bienenkästen auf die Dächer bekannter Gebäude wie dem Berliner Dom. Den Anstoß dazu gab die Lektüre über den Theaterdekorateur Jean Paucton, der bereits 1985 Bienen zu den blumenreichen Parks in Paris fliegen ließ. Er ist der Vorreiter für Urban Imkering, das den rasanten Tod vieler Bienenvölker bis 2009 nicht nur gestoppt hat, sondern die Population wieder steigern und ins Positive umkehren konnte.

Beitragsbild: David Clode / Unsplash

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Martin Gaedt

Martin Gaedt ist Autor der Bücher "Rock Your Idea" und "Mythos Fachkräftemangel". Er ist Arbeitsmarktexperte, mehrfacher Unternehmensgründer und war 2007 bis 2020 Arbeitgeber. Good Work mit Raum zur Entfaltung, Ideenfitness und Provotainment liegen ihm am Herzen, denn Fragen, Humor, Provokation und engagierte Kolleg:innen sind der Keim aller Veränderung.

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