Über Open Hiring werden Bewerber:innen ganz ohne Lebenslauf, Bewerbungsschreiben und Gespräche eingestellt. Einzige Voraussetzung: Sie können, dürfen und wollen arbeiten. Wie und wo das Konzept schon funktioniert und welche Vorteile es bringt.
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“Ich bin jetzt in der dritten Runde. Am Montag ist noch ein Auswahlverfahren mit einem praktischen Test und einem Gespräch mit der Teamleitung. Wenn ich da gut abschneide, habe ich gute Chancen”, erzählt mir ein Freund. Er ist seit einigen Monaten auf Jobsuche. Ein unglaublich nervenaufreibender und zunehmend komplexer Prozess.
Zuerst die lange Suche. Aus “was gibt es denn für Stellen, an denen ich interessiert bin?” wird schnell “was gibt es überhaupt für Stellen, für die ich alle Qualifikationen erfülle (und deren Bezahlung mich nicht am Hungertuch nagen lassen würde)?”. Dann geht es an die Bewerbungsunterlagen. Lebenslauf überarbeiten – wenigstens braucht es dafür inzwischen kein Foto mehr, aber bitte möglichst viel relevante Arbeitserfahrung, fünf Fortbildungen und klar bin ich Excel-Experte. Zeugnisse und Bescheinigungen von Praktika, Weiterbildungen und vorigen Arbeitgebenden. Und natürlich das Anschreiben: kurz, prägnant, individuell und perfekt auf Unternehmen und Posten zugeschnitten. Nichts leichter als das.
Einmal gesammelt und schön formatiert wird alles mit einer netten E-Mail rausgeschickt. Dann heißt es: Warten. Oft lange und oft umsonst. Wenn die Antwort kommt, geht es erst wirklich los. Mit dem Vorstellungsgespräch oder eher den Gesprächen, bei denen die Bewerber:innen immer öfter durch immer mehr Bewerbungsrunden geschleust werden, bis sie endlich die finale Antwort bekommen. So vergehen Wochen. Im Zweifel leider umsonst, wenn sich nämlich leider doch für eine andere Kanditatin oder einen anderen Kandidaten entschieden wird.
Neben der Belastung, die ein solcher Prozess darstellt, ist zudem problematisch, dass in solch einem langwierigen Verfahren an vielen Stellen unbewusste Entscheidungen getroffen werden können, die bestimmte Bewerber:innen ausschließen. Aufgrund ihres Alters, ihres Namens, ihres Geschlechts, ihres Aussehens, ihrer Erstsprache oder ihrer Vorerfahrungen.
Open Hiring: Wer arbeiten will, bekommt den Job