Nellie Bly spielte verrückt, um die Wahrheit ans Licht zu bringen. Wie ihre mutigen Reportagen den investigativen Journalismus prägten.
Hysterisch? Ja, auf jeden Fall! Im 19. Jahrhundert wurde Nellie Bly zu einer Star-Journalistin in den Vereinigten Staaten, indem sie regelrecht verrückt spielte.
Ihre investigativen Berichterstattungen waren nicht nur spannend. Sie deckten unter anderem gesellschaftliche Ungleichheiten auf und veränderten dadurch das Leben von vielen ausgegrenzten Menschen.
Von der „einsamen Waise“ zu „Nellie Bly“
Ihre Karriere begann auf sehr charmante Art, nämlich mit einem wütenden Leserbrief an den Pittsburgh Dispatch. 1885 veröffentlichte die Zeitung den Artikel „What Girls Are Good For“ (auf Deutsch: „Wofür Mädchen gut sind“). Dem Titel zufolge lässt sich vermuten, dass dieser Artikel kein Pamphlet für Gleichberechtigung war.
Nellie, geboren Elizabeth Cochran, hatte als Kind selbst Armut, häusliche Gewalt und die unschöne Scheidung ihrer Mutter erlebt. Verständlich also, dass sie – unter dem Namen „The Lonely Orphan Girl“ (zu Deutsch: das einsame Waisenkind) ihrer Empörung mit einem bissigen Brief an den Chefredakteur freien Lauf ließ. Dieser sah ihr Potenzial und bot ihr als Antwort prompt einen Job als Reporterin an.
In einer Zeit, in der von Frauen eigentlich nicht viel mehr erwartet wurde als zu heiraten und sich um Haus und Kinder zu kümmern, waren Elizabeths Artikel ziemlich radikal. Sie forderte unter anderem Bildungschancen, Lohngleichheit und die Reform des Scheidungsrechts, vor allem für junge, unprivilegierte Frauen.
Ab ihrem zweiten Artikel fing sie an, mit „Nellie Bly“ zu unterschreiben, nach dem Song „Nelly Bly“ von Stephen Foster. Ihr Redakteur verschrieb sich versehentlich, der Schreibfehler blieb.
„Je vernünftiger ich redete und handelte, für desto verrückter hielt man mich“
Dass Nellies zeitkritische Ansichten nicht gut ankamen, ist wohl keine große Überraschung. Nach ein paar Leserbeschwerden wurde sie in die Redaktion verse…
Nellie Bly– die „verrückte“ Reporterin