Faul, verwöhnt, leistungsscheu. Kaum eine Generation bekommt so viel Kritik ab wie die Generation Z. Doch die Zahlen erzählen eine andere Geschichte: 1,2 Milliarden Überstunden, junge Menschen, die am meisten in Vollzeit arbeiten, und ein Klischee, das schon die Sumerer vor 5.000 Jahren kannten.
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„Lifestyle-Teilzeit.“ Zwei Wörter, die Bundeskanzler Friedrich Merz Anfang 2025 in die Debatte warf, als wären sie eine Diagnose. Gemeint war die Generation Z. Menschen zwischen Mitte zwanzig und Anfang dreißig, aber auch jene, die gerade erst ihren ersten Ausbildungsvertrag unterschrieben haben.
Eine Generation, die angeblich „nicht mehr richtig will“. Die Arbeit als lästige Unterbrechung des Lebens begreift. Die sich lieber um ihren Style kümmert, als Überstunden zu machen.
Ich bin 1998 geboren. Ich gehöre also dazu – zu dieser Generation, über die so gerne gesprochen wird, ohne dass man sie besonders oft fragt. Und ich gebe zu: Wenn ich solche Schlagzeilen lese, frage ich mich kurz, ob ich vielleicht befangen bin. Ob ich zu nah dran bin, um das klar zu sehen. Denn eigentlich habe ich ein ganz anderes Bild der GenZ.
Und das ist auch gar nicht verwunderlich, denn „Generation Z – das sind 15 Jahre“, erinnert Generationenforscher Rüdiger Maas in unserem Gespräch. „Sechzehn bis Einunddreißig“; Berufsanfänger:innen und gestandene Arbeitnehmer:innen; Azubis und Masterabsolvent:innen. Diese Spanne unter einem Begriff zu bündeln und dann als faul zu diagnostizieren, das sei ungefähr so präzise wie die Behauptung, alle Erwachsenen dächten gleich“, so Maas.
Also bin ich losgezogen und habe mit vier Menschen aus dieser Generation gesprochen. Aus Sachsen und Baden-Württemberg, aus Hörsälen, Ausbildungsbetrieben und Sportvereinen. Das Klischee haben sie nicht bestätigt. Aber sie haben mir eine Antwort darauf geliefert, warum das von außen oft so scheint.
Das Narrativ
“‘Hunderttausende sind jung, gesund und kassieren Bürgergeld’”, schimpft der ehemalige Chef der Agentur für Arbeit. Ich befürchte, er hat Recht. Wer wohlhabend ist, macht auf Kosten von Mama und Papa nach der Schule erstmal ein Sabbatical und danach eine 4 Tage Woche …”, schrieb der ehemalige SPD-Politiker Sigmar Gabriel 2024 über X. Prompt wurde ihm und diesen Aussagen ein ganzer Stern-Artikel gewidmet. Und auch der deutsch-österreichische Unternehmer Reinhold Würth beklagt im Focus-Magazin, dass die jüngeren Beschäftigten von ihren Eltern, die aus der Generation Babyboomer stammen, wahnsinnig verwöhnt würden: “Die Work-Life-Balance wurde immer mehr in Richtung Life-Balance verschoben.”
Worte, die auf viel Kritik, aber auch Zuspruch stießen. Aber woher kommt dieses Bild der faulen, anspruchsvollen, zu zart besaiteten Jugend eigentlich? Tatsächlich ist das keine Erfindung der Gegenwart. Jede Generation hat die nächste irgendwann skeptisch beäugt. Das erste aufgezeichnete Klagen über die Jugend, stammt von 3000 v. Chr. Auf einer Tontafel der Sumerer steht: “Die Jugend achtet das Alter nicht mehr, zeigt bewusst ein ungepflegtes Aussehen, sinnt auf Umsturz, zeigt keine Lernbereitschaft und ist ablehnend gegen übernommene Werte”. Nicht auf Tontafeln oder überlieferten Schriften, dafür aber sehr präsent auf Social Media, trifft dieses Narrativ die GenZ mit besonderer Wucht. Damit sichtbarer als jede Jugend vor ihr und politisch mit trotzdem genau so wenig Gehör wie eh und je.
Maas beschreibt das so: „Stell dir vor, du lebst in einem Hochhaus ohne Aufzug. Zwanzig Stockwerke, jeden Tag zu Fuß. Irgendwann wird ein Fahrstuhl eingebaut – natürlich nutzt ihn jeder. Kinder, die danach aufwachsen, kennen gar nichts anderes. Kann man sie dafür faul nennen? Wir machen genau das Gleiche. Wir nutzen den Fahrstuhl. Und wenn ich sage, früher sind alle die Treppe gelaufen, dann nur, weil es gar nicht anders ging.“
Bedeutet das vielleicht, dass Bequemlichkeit nur eine Frage der Perspektive ist? Aus Sicht von Rüdiger Maas braucht Faulheit nämlich immer einen Referenzpunkt. Und wer heute mit dem Finger auf junge Menschen zeigt, vergisst oft, wer den Aufzug gebaut hat.
Vier Stimmen, vier Realitäten
Das klingt abstrakt – ist es aber nicht. Denn während über die GenZ geredet wird, lebt sie; studiert, arbeitet, engagiert sich. Und wie das aussehen kann, haben Kattis (20) aus Dresden, Vincent (19) aus Stuttgart, Daria (17) aus Schorndorf und Johann (22) aus Leipzig mir gezeigt.
“Die GenZ will nicht mehr anpacken”
Daria ist um neun Uhr schon unterwegs zum ersten Kindergarten. Im Gepäck: Aufbaumaterial und eine Energie, die sich durch ihren gesamten Tag als Freiwilligendienstlerin (FSJ) im Sportverein zieht. Bewegungswelt, Ninja-Parcours, Kindersport, manchmal bis 18 Uhr. Wenn jemand krank wird oder an der Uni ist, springt sie ein. „Ich mache das eigentlich wirklich gerne“, sagt die 17-Jährige. Kein Groll, kein Zögern. Was sie antreibt? Die Kinder. „Wenn du eine Stunde für sie aufbaust und sie dann dieses Lächeln im Gesicht haben – da geht mir einfach das Herz auf.“
Generation Z ist alles, aber nicht faul