Meine Arbeit und ich

Julia Hiltmann: Von der Reinigungskraft zur Unternehmerin für faire Gebäudereinigung

von | 16. September, 2026 | #15 – Wir arbeiten dran, Arbeit, Printmagazin

Ein Beitrag über Arbeitswelten, Vorurteile und die Frage, wie ein erfüllender Job aussehen kann. Menschen aus ganz unterschiedlichen Branchen erzählen hier von ihrem Arbeitsalltag, ihren Hoffnungen und dem, was sie an ihrer Arbeit lieben.

Dieser Artikel ist ein Auszug aus dem Artikel Meine Arbeit und ich von Ruth Kluge aus unserem Printmagazin „Wir arbeiten dran“.

Putzen ist vielleicht nicht „fancy“, wie Julia Hiltmann selbst sagt. Dafür ist es essenziell. Julia hat selbst als Reinigungskraft angefangen und führt heute mit der deva Gebäudereinigung ihr eigenes Unternehmen in der Gebäudereinigung. Besonders wichtig sind ihr dabei faire Arbeitsbedingungen und ein Team, auf das sie sich verlassen kann. Wir haben mit ihr darüber gesprochen, warum sich das Ansehen von Reinigungskräften verändert, weshalb Fairness für sie aus vielen kleinen Entscheidungen besteht – und warum sie überzeugt ist, einen Job zu haben, den auch KI nicht so schnell ersetzen wird.

GNM: Was an deinem Job macht dich dankbar? Und schaust du optimistisch in deine berufliche Zukunft?

Julia: Dankbar macht mich mein Team. Das klingt abgedroschen, ist aber so. Ich habe die besten Leute. Ich weiß das besonders zu schätzen, weil das nicht immer so war. Es ist echte gegenseitige Unterstützung, die das so wertvoll macht. Und es ist ehrliche, wertvolle Arbeit, die kein Roboter, keine KI ersetzen kann. Es macht Sinn. Und das mit so etwas Banalem wie Reinigung. Banal – aber essentiell.
Mit meinem Team schaue ich optimistisch und positiv in die Zukunft und freue mich darüber, dass und wie wir wachsen. Das bedeutet ja, dass wir bei noch mehr Kund:innen unserer Gebäudereinigung dafür sorgen können, dass sie sich an ihrem Arbeitsplatz wohl fühlen. Und wir fühlen uns gut, dass wir dafür sorgen können. Ich liebe, was wir tun. 

GNM: Welche positiven Entwicklungen siehst du in deiner Branche?

Julia: Reinigung ist kein fancy Thema. Aber sehr viele Menschen arbeiten in dem Bereich, sodass es einen eigenen Tarifvertrag gibt. In der Gebäudereinigung verdient man immer schon mehr als in anderen Branchen. Und nach meinem Gefühl ist auch das Ansehen von Reinigungskräften gestiegen. Unsere Kund:innen wissen sehr zu schätzen, was wir tun und das sieht man, indem sie faire Konditionen vereinbaren. Indem sie mitdenken und mithelfen. Indem sie sich bedanken. Indem wir miteinander sprechen.
Außerdem gibt es immer bessere Hilfsmittel und Maschinen, die die Arbeit erleichtern.

GNM: Wie gehst du mit Vorurteilen und Kritik an deinem Job um?

Julia: Ich höre manchmal, dass andere Firmen wohl anders arbeiten. Profitorientiert, ausbeutend. Ich weiß, dass das langfristig nicht funktioniert. Nachhaltig ist nur, wenn es fair ist. Aber ich beschäftige mich damit nicht allzu sehr. Fair zu handeln heißt immer wieder Mikro-Entscheidungen zu treffen, die fair sind. 

GNM: Wenn du der Welt etwas über die Branche, in der du arbeitest, sagen könntest, was wäre es?

Julia: Ich arbeite schon immer daran, unseren Ruf positiv zu framen und in meiner Wahrnehmung ist mir das auch gelungen. Das möchte ich weiter in die Welt tragen. Es ist eine sehr sinnstiftende Tätigkeit, sie ist super wertvoll und wir werden gebraucht. Genau so sollten Konditionen verhandelt und Menschen behandelt werden. 

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