Wie wir uns aus der Flut von negativen Nachrichten befreien können

Gegen Doomscrolling: Gesunder Umgang mit Nachrichten

von | 26. Juli, 2024 | Füreinander

Nachrichten konsumieren ist wichtig. Doch zu viel kann überfordern. Warum es sinnvoll ist, zu selektieren.

Aktuell ist die Weltlage wieder einmal von negativen Nachrichten bestimmt. So mehrt sich auf den Titelblättern die Anzahl von zu bewältigenden Konflikten oder problematischen Veränderungen. Dies umfasst beispielsweise den Nahostkonflikt oder den Rechtsruck in Europa. In so einer Welt mag sich der ein oder andere dementsprechend fragen: Ist es vertretbar, dass ich aufgrund meiner emotionalen Kapazitäten negative Nachrichten ignoriere?

Verzicht aus guten Gründen

Fakt ist, dass die Anzahl an Menschen, die Nachrichten aktiv vermeiden, kontinuierlich ansteigt. So sei dieser Trend laut dem Reuters Institute Digital News Report insbesondere seit dem Jahr 2017 zu erkennen. Im Jahr 2023 versuchte beispielsweise jeder zehnte Internetnutzende in Deutschland, den aufkommenden Nachrichten aus dem Weg zu gehen. Benutzer:innen würden auch häufig ausgewählte Thematiken wie den Konflikt in der Ukraine meiden. Nachrichtenleser:innen möchten so ihr Wohlergehen schützen. So könnten negative Nachrichten bei einer Vielzahl von Menschen die Stimmung stark beeinflussen. Nach Erfahrungsberichten umfasst dies vor allem Erschöpfungsgefühle, Wut oder auch Angst. Auch wenn dieses Verhalten gut nachvollziehbar ist, birgt der komplette Verzicht auch Gefahren in sich.

Ein menschliches Grundbedürfnis

Ein umfassender Verzicht auf Nachrichten ist aus mehreren Perspektiven kritisch zu betrachten. Zum einen ist das Lesen von Nachrichten relevant für die demokratische Teilhabe. Denn in demokratischen Gesellschaften ist ein Mindestmaß an Information über aktuelle politische Entwicklungen nötig, um zum Beispiel am Wahltag fundierte Entscheidungen zu treffen. Daher ist eine Selbstabschottung auch aus gesellschaftspolitischer Sicht schwierig zu befürworten. Zuletzt kann die Information über politische Missstände und Ungerechtigkeiten Menschen motivieren, aktiv zu werden und sich für Veränderungen einzusetzen. Gleichzeitig ist es laut der Wissenschaft ein menschliches Grundbedürfnis, Nachrichten zu konsumieren.. Laut Neuropsycholog:innen braucht das menschliche Gehirn für seine Funktionsfähigkeit nämlich Informationen und neues Wissen. Das liefern Nachrichten im Überfluss.

Eine Frage der Qualität

Eine engagierter und durch Relevanz orientierter Umgang mit Nachrichten ist hingegen die Lösung. Nachrichten zu vermeiden muss nicht bedeuten, dass man sich von allen Nachrichten abschottet, sondern kann auch eine selektive Auswahl beinhalten. So plädieren auch Forscher:innen für den Konsum qualitativ hochwertiger Medien. Dies beinhaltet, sich auch mal längeren Formaten zu widmen, beispielsweise Hintergrundrecherchen. Das hilft, die Ursachen der Ereignisse zu verstehen und nicht nur über das Ereignis an sich informiert zu sein. Zudem ist das menschliche Gehirn ohnehin nicht für ein Medien-Multitasking gemacht – es schadet diesem gar. Dies hat eine Studie unter Student:innen der Stanford-Universität ergeben.

Leser:innen können auch die Zeit auf Nachrichtenportalen limitieren oder Nachrichtenquellen diversifizieren. Vor allen Dingen sollte man die eigenen Gefühle während des Lesens wahrnehmen. Im selben Maße könnten auch die Medien selbst reagieren und durch Perspektivwechsel eine Neugestaltung der Nachrichtenvermittlung vorantreiben. Das könnte die Kreierung von lösungsorientierten Formaten neben den traditionellen Nachrichten beinhalten. 

Daher richten auch wir vom Good News Magazin unser Augenmerk auf konstruktive Lösungsansätze für bestehende Herausforderungen. Wir möchten euch eine Plattform bieten, auf der ihr neue Kraft schöpfen könnt. Trotzdem halten wir es für wichtig, sich gezielt mit gesellschaftlichen Krisen auseinanderzusetzen und möchten euch ermutigen, dies in einem kontrollierten Rahmen zu tun. 
Falls ihr mehr über diese Thematik und unser Anliegen wissen wollt, haben wir auch das passende Buch für euch.

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Luca Kramarz
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