Disrupt Development: Wie ein Thesenpapier die Entwicklungspolitik aufmischt

von | 6. März, 2021

Praktische Maßnahmen für eine internationale Zusammenarbeit, die ihr koloniales Erbe überwinden will

Angefangen beim Begriff selbst, hagelt es seit vielen Jahrzehnten Kritik an der deutschen „Entwicklungspolitik“. Die Akteur:innen wissen oftmals darum, aber konkrete Alternativen bleiben aus. Eine Gruppe von Stipendiat:innen der Friedrich-Ebert-Stiftung stellte sich die Frage, was folgt auf die Kritik? Was können wir als Europäer:innen konkret tun? Sie schrieben ein Positionspapier, das Wellen schlug. Im exklusiven Interview erzählen die (Ex-)Studis, warum ihr Thema den Zahn der Zeit trifft.

Kaum Bewegung nach 70 Jahren „Entwicklungspolitik“

Nach fast 70 Jahren deutscher und internationaler „Entwicklungspolitik“ klafft noch immer eine große Lücke zwischen Ländern des globalen Nordens und des globalen Südens. Woran liegt das – ist doch das erklärte Ziel einer beachtlichen Anzahl großer wie kleiner Organisationen und Fördertöpfen der Entwicklungszusammenarbeit, die Bekämpfung dieser Ungerechtigkeit?

Wir profitieren von ungerechten globalen Wirtschaftsstrukturen

Vertreter:innen postkolonialer Theorien sehen das Problem in bestehenden Machtstrukturen, die aus dem Kolonialismus heraus entstanden sind. Konkret heißt das, die gewaltvolle Unterwerfung und Unterdrückung vieler Länder Afrikas, Asiens, Lateinamerikas und anderer Kontinente, hat Strukturen hervorgebracht, in denen Länder wie Deutschland zum Beispiel massiv von schlechten Arbeits- und Lohnbedingungen in Ländern wie Bangladesch profitieren.

Die Kritik ist schon lange bekannt

Eigentlich sind die Vorwürfe nicht neu, doch bisher fehlt eine echte Aufarbeitung und Reformierung der internationalen Entwicklungszusammenarbeit. Viele junge Menschen, die eigentlich gerne partnerschaftlich mit Organisationen in Ländern des globalen Südens arbeiten möchten, beschäftigt die Kritik sehr. So auch eine Truppe von Studis verschiedener Fachrichtungen, die sich bei der Friedrich-Ebert-Stiftung zu einem Arbeitskreis zusammentut. Sie alle teilen ein großes Interesse an einer beruflichen Karriere in der internationalen Zusammenarbeit und die gemeinsame Sorge, eines Tages nur das Hamsterrad weiter anzukurbeln.

GOOD NEWS MAGAZIN: Herr Schlegel, Sie haben mit Ihrem Arbeitskreis Globale Entwicklung und postkoloniale Verhältnisse vor ziemlich genau zwei Jahren ein Treffen organisiert, worum ging es dabei?

ADRIAN SCHLEGEL: Im Vordergrund stand der Prozess, sich kritisch mit den kolonialen Strukturen in der Entwicklungszusammenarbeit auseinanderzusetzen. Das hat mit der Zeit immer mehr an Bedeutung in unserem Arbeitskreis gewonnen. Die Idee war dann, die für uns sehr wertvolle theoretische Kritik mit der gegenwärtigen Praxis zusammenzubringen. Dafür konnten wir zum Glück sowohl Stimmen aus der Wissenschaft wie Aram Ziai, Julia Schöneberg und Meike Strehl von der Universität Kassel gewinnen, als auch Vertreter:innen aus der Projektzusammenarbeit von Misereor, der Welthungerhilfe und Action Associative.

Einige von uns fanden die Diskussionen des Wochenendes so wertvoll, dass sich am Ende eine Gruppe gefunden hat, die weiter an den Fragestellungen arbeiten wollte. Daraus ist dann in einem langfristigen Prozess über eineinhalb Jahre ein Diskussionspapier entstanden. Inhaltlich werden die Ideen postkolonialer und Post-Development-Ansätze für Entscheidungsträger:innen in der Entwicklungspolitik praktisch formuliert.

Damit wollten wir vor allem auch diejenigen erreichen, die uns in den vergangenen Jahren immer wieder entgegnet hatten, dekoloniale Kritik sei zu theoretisch oder zu wenig konkret für den Arbeitsalltag in Entwicklungsorganisationen. Mit den letztlich 17 normativen Vorschlägen, wollten wir Menschen in den Organisationen zum Nachdenken anregen, wie koloniale Machtstrukturen immer noch in der Internationalen Zusammenarbeit wirken.

GOOD NEWS MAGAZIN: Frau Matheis, ein altes Sprichwort besagt: Säge nicht an dem Ast, auf dem du sitzt. Ist die Kritik nicht so fundamental, dass die logische Schlussfolgerung eine Abschaffung der Entwicklungszusammenarbeit und Entwicklungspolitik bedeuten muss?

TANJA MATHEIS: Es geht uns um eine kontinuierliche Auseinandersetzung mit der Kritik, um die internationale Zusammenarbeit zwischen staatlichen Institutionen, zivilgesellschaftlichen Organisationen und anderen Akteuren zu reformieren und auf eine andere Ebene zu bringen. 

Das bedeutet, dass bei der Zusammenarbeit nicht im Vordergrund stehen soll, Expertise lediglich in eine Richtung zu vermitteln, das heißt oft eine “Entsendung” von Vertreter:innen des Globalen Nordens zu Vertreter:innen des Globalen Südens. Es geht uns vielmehr um den Austausch von Wissen und Menschen in viele Richtungen. Damit meinen wir nicht primär die humanitäre- und Katastrophenhilfe, sondern vor allem viele der anderen Projekte, die unter der Prämisse der „Entwicklung“ und insbesondere mit Bezug auf die Sustainable Development Goals (SDGs) stattfinden, um vermeintlich mittelfristige und langfristige Verbesserungen für Umwelt und Gesellschaft zu erzielen.

Hier nehmen die Projektverantwortlichen häufig ausschließlich Probleme und Fragestellungen an, die für sie, aus ihrer Lebenswelt heraus, relevant und wichtig erscheinen oder die durch den aktuellen öffentlichen Diskurs als besonders unterstützenswert erachtet werden. So werden mehrjährige Projekte konzipiert und durchgeführt, in der die Zielgruppen nicht von Beginn an eingebunden werden oder überhaupt kein Mitspracherecht besitzen und den Verlauf der Zusammenarbeit nicht gleichberechtigt mitsteuern. 

Mittlerweile gibt es aber immer mehr Organisationen und zahlreiche vielversprechende Ansätze, um die Transformation hin zu einer gerechteren Zusammenarbeit zu gestalten. Ein progressives Beispiel ist der kürzliche Zusammenschluss von Wissenschaftler:innen im EU-Netzwerk „COST”,  das sich in Forschung, Lehre und Praxis mit einer Dekolonialisierung des Entwicklungsbegriffs befasst. Dieses Netzwerk wird sich auch mit einer grundlegenden Neuorientierung der internationalen Zusammenarbeit befassen, in der die Zusammensetzung der Akteur:innen weitaus vielfältiger ist. 

Viele Akteur:innen im entwicklungspolitischen Bereich sind von den Förderstrukturen der Geber:innen abhängig, welche wiederum die Themenfelder und Richtlinien für „förderwürdige“ Projekte vorgeben. Um langfristig Veränderungen zu schaffen, braucht es Menschen und Organisationen, die sich mit der Kritik immer wieder auseinandersetzen und sie auf struktureller Ebene und in ihrem täglichen Tun mehr beherzigen. Das ist angesichts der Vorgaben kein einfacher Prozess. Um beim Sinnbild des Baumes zu bleiben – wir möchten dazu beitragen, dass die Äste nach dem Winter im Frühjahr viele neue und starke Blätter tragen. 

GOOD NEWS MAGAZIN: Frau Fußer, Ihre Kollegin hat bereits erfreuliche Beispiele genannt. Darüber hinaus haben Sie ja jetzt schon Einiges bewegt. Immerhin hat die zuständige Ministerin a.D. Heidemarie Wieczorek-Zeul sich bei Ihnen gemeldet?

MYRIELL FUßER: Wir haben für unser Papier von vielen Seiten Zustimmung erhalten. Das hat uns alle sehr positiv überrascht. Denn viele von uns hatten während Praktika in verschiedenen Institutionen der deutschen und internationalen EZ, eher das Gefühl, dass die Kritik als zu theoretisch oder als zu fundamental abgetan wird. Zum Beispiel haben wir nach der Veröffentlichung des Thesenpapiers, Artikel im Bereich Development Studies verfasst: Darunter auf dem EADI Blog, bei theyelling20s.com und eine Kolumne für das Deutsche Institut für Entwicklungspolitik (DIE-GDI). Bald erscheint außerdem ein Beitrag für die Zeitschrift “E+Z” von Engagement Global. Das sind sehr wichtige Plattformen in dem Bereich. Hier machen wir auch klar, welche Relevanz das Thema in der aktuellen Pandemie zusätzlich bekommen hat – denn Corona macht die globalen Ungleichheiten einmal mehr sichtbar.

“Vielleicht treffen wir mit unserem Diskussionspapier da gerade den Nerv der Zeit.”

Aber viel entscheidender ist das Interesse der Institutionen der internationalen Zusammenarbeit. Denn im Kern geht es uns darum, wie postkoloniale Perspektiven praktisch umgesetzt werden können. Da scheint es Bewegung zu geben. So wurden wir von VENRO, dem Dachverband deutscher entwicklungspolitischer Nichtregierungsorganisationen, und von führenden Think Tanks, dem Deutschen Institut für Entwicklungspolitik (DIE) und der Berghof Foundation, zu Vorträgen eingeladen. 

Vielleicht treffen wir mit unserem Diskussionspapier da gerade den Nerv der Zeit. Nach unserer Teilnahme an der VENRO-Jahrestagung wurde das Thema Postkolonialismus als das Dringlichste gewählt. Auch Mitarbeiter:innen aus Organisationen, wie Viva con Agua e.V., die Neven Subotic Foundation, LemonAid & ChariTea e.V. und dem SID-Netzwerk, unterstützen unsere Ideen. Wir sehen auch, dass es andere Initiativen in dieselbe Richtung gibt. Kürzlich hat zum Beispiel medico international eine Konferenz organisiert, bei der das Verhältnis von weltweiter Hilfspolitik und Solidarität kritisch diskutiert wurde.

GOOD NEWS MAGAZIN: Was für eine tolle Resonanz, dass sich die großen Akteur:innen der EZ und auch bekannte andere Organisationen und Stiftungen bei Ihnen melden und Beiträge anfragen. Aber sind Sie als weiße Deutsche diejenigen, die den Diskurs überhaupt anregen sollten?

SCHLEGEL: Das ist eine sehr relevante Frage. Wir versuchen immer, unsere Position selbstkritisch transparent zu machen. Dabei stellen wir das ganze Projekt als einen sehr kleinen Beitrag in einen größeren Kontext. Unser Papier beruht auf den Ideen, die aus dem jahrhundertelangen Widerstand gegen koloniale Unterdrückung hervorgegangen sind. Diese wurden vor allem von nicht-weißen, nicht-europäischen Perspektiven hervorgebracht – seien es die Theorien des antikolonialen Kämpfers Frantz Fanon oder der feministischen Historikerin Silvia Rivera Cusicanqui. Auch heute werden die Punkte, die wir in unseren Beiträgen aufgreifen, zunächst von Menschen geäußert, die sich selbst gegen die negativen Folgen von Entwicklungsprojekten engagieren.

In Deutschland und Europa versuchen wir diesen Ideen Gehör zu verleihen. Zielgruppe unserer Arbeit sind die maßgeblich weißen Entscheidungsträger:innen in den hiesigen Strukturen. Eine Selbstkritik in gewisser Art und Weise. „Gehörverleihen“ hat aber natürlich klare Grenzen – am Ende sind es wir, die ausformulieren oder moderieren. Deswegen ist es für unser Vorhaben auch zentral, sich weiter mit anderen Personen, die sich anders positionieren, und Gruppen über Europa hinaus zu vernetzen und gemeinsam die Ansätze kritisch weiterzuentwickeln.

GOOD NEWS MAGAZIN: Eingangs haben wir bereits gehört, wirklich neu ist die Kritik nicht; was braucht es, damit Bewegung in den Aufarbeitungsprozess kommt?

FUßER: Tatsächlich gibt es die Kritik schon seit Jahrzehnten, aber es scheiterte immer wieder an der praktischen Umsetzung. Unsere Leistung ist lediglich das Zusammentragen verschiedener Perspektiven und die Aufbereitung von Theorien für diejenigen, die in der Praxis tätig sind. Wir sehen uns in der Rolle, einen Diskussionsraum zu eröffnen. Als Externe können wir versuchen, die richtigen Fragen zu stellen, damit die entsprechenden Institutionen Prozesse der Reflektion und Überarbeitung angehen können.

Dabei ist das Thema Postkolonialismus keine Checkliste, die einfach abgehakt werden kann. Um die bisherigen Strukturen aufzubrechen, reicht es nicht, zum Beispiel nur von ‚Partnerschaft‘ zu sprechen, ohne wirklich bisherige Arbeitsweisen und Projektlogiken zu hinterfragen. Das ist ganz zentral. Die Auseinandersetzung mit Rassismus und Kolonialismus ist schmerzhaft, denn hier muss jede:r Einzelne die eigenen Privilegien hinterfragen – und damit auch die eigene Arbeit, mit der die meisten ja im Kern Gutes bewirken wollen. Eine solche Auseinandersetzung sollte auch Projektpartner:innen gegenüber transparent gemacht werden. Für uns ist das auch ein Lernprozess. Wir wollen möglichst viele Menschen ermutigen, diesen Weg einzuschlagen und sich nicht irgendwann frustriert damit zufrieden zu geben, dass Strukturen nicht zu ändern sind.

Wir müssen anfangen, Bündnisse zu schmieden und mit denjenigen Institutionen, die offen dafür sind, solche Prozesse angehen. Dann können wir auch Veränderung auf politischer Ebene bewirken, auch bei Institutionen wie dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung oder den UN als große Geldgeber:innen. 

GOOD NEWS MAGAZIN: Zum Teil gibt es ja auf politischer Ebene interessante Entwicklungen. Vor wenigen Tagen konnte Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) mit Unterstützung von Gerd Müller (CSU) vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung einen Kompromiss für ein Lieferkettengesetz erarbeiten. Trotz Gegenwind aus CDU und Wirtschaft.

MATHEIS: Teilweise aber auch mit viel Unterstützung aus der Wirtschaft! Denn viele Unternehmen verstehen, dass sie in ihren Lieferketten mehr Verantwortung für Menschenrechte und Umweltschutz übernehmen müssen und dass dies gesellschaftlich auch erwünscht und gefordert ist. Tatsächlich haben sich neben vielen Einzelpersonen, Verbänden und zivilgesellschaftlichen Organisationen auch 73 kleine, mittlere und große Firmen für ein Lieferkettengesetz stark gemacht.

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Auch wenn es sich bei dem jetzigen Kompromiss um einen Entwurf ohne zivilrechtliche Haftung für Unternehmen handelt, so ist die Einigung ein wichtiger Schritt hin zu mehr. Vor allem auch ein Schritt hin zu ernst genommenen Sorgfaltspflichten von Unternehmen und ihren Vertreter:innen. Neu ist, dass Betroffene, zum Beispiel Arbeiter:innen in Fabriken oder auf Plantagen, sich vor deutschen Gerichten von Nichtregierungsorganisationen und Gewerkschaften vertreten lassen können. Das räumt den Menschen, in oft ohnehin prekären Arbeitsverhältnissen an fernen Produktionsstandorten, neue Wege ein. So können sie ihre Rechte einfordern, zumindest theoretisch.

Die genaue Ausgestaltung und Umsetzung stehen ja noch aus. Auf solche, grundsätzlich positiven Veränderungen im globalen Handel, (auch wenn sie aktuell sehr langsam vonstatten gehen), weisen wir auch in unserem Papier hin. Das Lieferkettengesetz unterstreicht die Verantwortlichkeit von Unternehmen. Gerade diese profitieren immer noch von Handels- und Besitzstrukturen, die ihren Ursprung auch in der jahrhundertelangen kolonialen Ausbeutung durch die Europäer:innen haben. Das ist beispielsweise in der Landwirtschaft und in der gummi-verarbeitenden Industrie der Fall. Hier haben Unternehmen bzw. ihre Vorgänger:innen schon in der Kolonialzeit Rohstoffe unter Einsatz von Zwangsarbeit “günstig” bezogen. Insgesamt brauchen wir also neue Strukturen wie dieses Gesetz, die der ungleichen Verteilung von Macht etwas entgegen setzen.

GOOD NEWS MAGAZIN: Wie geht es denn jetzt weiter für Sie persönlich in der Entwicklungspolitik beziehungsweise Entwicklungszusammenarbeit?

FUßER: Wir haben alle weiterhin große Lust, das Thema weiter in die Institutionen zu tragen. Die positiven Rückmeldungen haben uns total motiviert, da dranzubleiben. Als Gruppe wollen wir einen Workshop entwickeln, der für interessierte Menschen aus der Praxis einen Raum für Reflektion schafft. Vor allem um die theoretische Kritik für die eigene Arbeit nutzbar zu machen. Auch in unserer eigenen Arbeit beschäftigt uns das Thema natürlich. Inzwischen sind die meisten von uns keine Studis mehr, sondern junge Berufseinsteiger:innen. Manche arbeiten in den EZ-Institutionen, die wir adressieren, und manche in der Wissenschaft. Ich beschäftigte mich zum Beispiel im Rahmen meiner wissenschaftlichen Arbeit damit, wie Forschung dekolonial gestaltet werden kann.

MATHEIS: Ganz konkret bereiten wir gerade die Ko-Moderation einer Podiumsdiskussion vor, zu der wir eingeladen wurden. Die Diskussion findet im Rahmen einer Konferenz statt, bei der Wissenschaftler:innen unter anderem Perspektiven der kritischen Entwicklungsforschung gemeinsam erarbeiten möchten. Wir stehen generell in Kontakt mit diversen Institutionen, die verschiedene unserer Vorschläge aufgreifen und weiter daran arbeiten möchten. Mich persönlich berührt das Thema auch bei meiner Arbeit in anderen Forschungsprojekten und an meinem Fachbereich an der Universität Kassel. Hier arbeitet gerade eine studentische Initiative die Geschichte der ehemaligen landwirtschaftlichen Kolonialschule Witzenhausen auf.

SCHLEGEL: Letztlich haben wir auf dem Weg der vergangenen Jahre gemerkt, dass es unglaublich viele Menschen gibt, die die kolonialen Machtstrukturen in der Internationalen Zusammenarbeit grundlegend angehen möchten. Um den notwendigen Wandel voranzutreiben, braucht es mehr Raum und Zeit. Das haben wir versucht im Kleinen zu erweitern. Doch es braucht viel mehr Netzwerke und kritischen Austausch – und zwar global. Optimistisch stimmen hier gerade einige unglaublich spannende Initiativen, wie zum Beispiel das Global Tapestry of Alternatives, das Global Partnership Network oder die Global Working Group Beyond Development oder auch der Zusammenschluss von Agrarian South. Gerade jetzt lohnt es sich also, an den unterschiedlichen Bewegungen anzusetzen. Mit dem Ziel gemeinsam wechselseitigen globalen Austausch und gerechtere Zusammenarbeit zu schaffen.

Im Interview:

Myriell Fußer

Myriell Fußer promoviert zum transnationalen Engagement der kolumbianischen Diaspora im Friedensprozess Kolumbiens. Sie hat Soziologie und International Development Studies in Leipzig, Havanna, London und Marburg mit den Schwerpunkten Migration, Versöhnung und Postkolonialismus studiert.

Tanja Verena Matheis

Tanja Verena Matheis promoviert am Fachgebiet Management in der internationalen Ernährungswirtschaft an der Universität Kassel zu Arbeitsbedingungen in Lieferketten und forschte dazu in Indien und Südostasien. Sie hat Wirtschaftswissenschaften in Göttingen, Montreal und Tübingen studiert.

Adrian Schlegel

Adrian Schlegel studiert Global Studies an der Jawaharlal Nehru University in Neu Delhi, der University of Pretoria und der Humboldt Universität zu Berlin und arbeitet auch in bildungspolitischen Initiativen an dekolonialen Perspektiven zu internationaler Zusammenarbeit und globaler Klimapolitik.


Beitragsbild: Matteo Paganelli – Unsplash
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