Vor dreieinhalb Jahren ließ ich mir das damals neue OptInk-Symbol für Organspende tätowieren. Zeit für ein Update: Was hat die Aktion erreicht – und was hat sich bei der Organspende in Deutschland seitdem verändert?
Diesen Artikel aus unserem Printmagazin „Was ist geworden aus…“ und weitere Vorteile gibt’s im GNM+ Abo. Unsere ePaper hier lesen.
Als ich vor dreieinhalb Jahren vor meinem Tattoostudio des Vertrauens stand, war OptInk gerade wenige Wochen alt und die Idee so einfach wie ungewöhnlich: Ein Tattoo sollte zeigen, dass sein:e Träger:in Organe spenden möchte – und vor allem dafür sorgen, dass darüber gesprochen wird. Zeit nachzuschauen, was aus der Idee geworden ist – und was sich bei der Organspende in Deutschland seitdem verändert hat.
Zwei Halbkreise werden zu einem Ganzen – ein starkes Symbol für die Organspende, die Leben schenken soll. Das war und ist die Idee hinter dem simplen Design des Tätowierers Gara. Als ich mir das Tattoo 2023 selbst stechen ließ und für das Good News Magazin darüber berichtete, war OptInk gerade erst gestartet. Doch allein das Kattoo Tattookollektiv in Unna, wo ich auf meinen Termin wartete, hatte innerhalb der ersten sechs Tage bereits rund 30 Anfragen bekommen. Tätowiererin Katja Baranowski erzählte mir damals, warum ihr Team sofort mitmachen wollte: Sie alle seien selbst Organspender:innen, der Organspendeausweis sei nicht immer dabei – das Tattoo dagegen schon.
Aus einer Idee werden 35.000 Tattoos
Mehr als 35.000 Menschen tragen das OptInk-Symbol inzwischen auf ihrer Haut, täglich kommen weitere hinzu. Rund 750 Tattoo-Studios in ganz Deutschland beteiligen sich nach Angaben des Initiatorenvereins Junge Helden e.V. mittlerweile an der Aktion und stechen das Motiv kostenlos. Der Grundgedanke hat sich dabei nicht verändert. OptInk soll einen Willen zur Organspende sichtbar machen und Gespräche auslösen.
Das ist wichtiger, als es zunächst klingt. Denn im Ernstfall kann die Frage nach einer Organspende Angehörige in einer ohnehin extrem belastenden Situation treffen. Ist der Wille eines Menschen nirgendwo dokumentiert, müssen sie versuchen, nach dessen mutmaßlichem Willen zu entscheiden. Wer vorher darüber gesprochen hat, nimmt ihnen zumindest diese Unsicherheit.
Über die eigenen Wünsche sprechen
Das Tattoo ersetzt allerdings weiterhin weder Organspendeausweis noch Patient:innenverfügung oder einen Eintrag im Organspende-Register. Es ist vielmehr ein weithin sichtbares Statement: “Ich habe mich mit der Frage beschäftigt und so möchte ich mich entscheiden.” Auch ich habe das in meiner Familie und meinem Freundeskreis seit dem Stechen des Tattoos bemerkt: Man kommt deutlich einfacher ins Gespräch über die eigenen Wünsche. Und obwohl bisher nur eine meiner Freundinnen sich von mir inspirieren lassen hat und mittlerweile auch das OptInk-Tattoo trägt, weiß ich zumindest bei meiner engsten Familie deutlich besser, was sie sich wünschen – ganz ohne Tattoo. Wir haben offen darüber gesprochen und für jede:n die Wünsche notiert.
Was ich an dem Ganzen auch ziemlich cool finde: Die OptInk-Buddys, die man plötzlich trifft. Sieht jemand mein Tattoo oder ich das einer anderen Person, kommt man ins Gespräch, gibt sich ein Daumen hoch oder grinst einfach nur breit – auch eine schöne Art der Community.
Junge Helden kann nicht sagen, wie viele der mittlerweile 35.000 tätowierten Menschen später tatsächlich Organe gespendet haben. Solche Daten werden nicht erfasst. Der Verein weiß aber von Fällen, in denen es bereits dazu gekommen ist. Aus Gesprächen mit Angehörigen berichtet das Team zudem, dass das Tattoo dabei ein entscheidender Hinweis auf den bekannten Willen eines verstorbenen Menschen sein kann.
Mittlerweile wird sogar im Bundestag tätowiert
Dass das Tattoo einmal seinen Weg in den Deutschen Bundestag finden würde, hätte ich beim damaligen Schreiben vermutlich auch nicht erwartet. 2024 organisierte Junge Helden e.V. gemeinsam mit Stefan Schwartze, dem Patientenbeauftragten der Bundesregierung, dort einen ersten OptInk-Aktionstag. 18 Abgeordnete ließen sich tätowieren. 2026 folgte auf Initiative der Linksfraktion ein weiterer Termin: Dieses Mal machten 40 Abgeordnete und Mitarbeitende mit, im August folgte eine weitere Aktion im Berliner Abgeordnetenhaus. Dahinter stecken mehr als nur ungewöhnliche PR-Aktionen. Junge Helden nutzt OptInk bewusst, um die Diskussion über Organspende auch dorthin zu tragen, wo über deren gesetzliche Grundlagen entschieden wird. Denn politisch ist das Thema Organspende nach wie vor ausgesprochen aktuell.…


35.000 Tattoos für die Organspende

