Weltweit nehmen Frauen eine immer wichtigere Rolle in der Wirtschaft ein und treiben als Unternehmer:innen den Wandel voran. Der Global Entrepreneurship Monitor zeigt: Immer mehr Frauen weltweit gründen Unternehmen – und sie verbinden Unternehmerinnentum besonders häufig mit sozialer und ökologischer Verantwortung. Damit dieses Potenzial wirklich wirken kann, braucht es gezielte Unterstützung.
Diesen Artikel aus unserem Printmagazin „Wir arbeiten dran“ und weitere Vorteile gibt’s im GNM+ Abo. Unsere ePaper hier lesen.
Artikel anhören; 16:16 Minuten (für Mitglieder)
Der Global Entrepreneurship Monitor, kurz GEM, untersucht seit 1999, wie Menschen weltweit gründen, welche Hürden sie erleben und welche Bedingungen Unternehmertum fördern oder bremsen. Mit Daten aus mehr als 160.000 Interviews in 53 Volkswirtschaften im aktuellen Erhebungszyklus und einem internationalen Netzwerk aus Forschenden gehört GEM zu den wichtigsten Langzeitstudien über unternehmerisches Handeln weltweit.
Eine der Wissenschaftlerinnen hinter diesen Daten ist Dr. Mahsa Samsami. Sie arbeitet als Research Fellow im globalen GEM-Team, gehört dem GEM-Nationalteam Südafrika an und ist wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Professur Organisation und Internationales Management der Technischen Universität Chemnitz.
„Ich analysiere Daten darüber, wie Menschen weltweit unternehmerisch aktiv werden – und was sie dabei unterstützt oder ausbremst“, sagt Dr. Samsami. „In unseren GEM-Berichten beschäftigen wir uns unter anderem mit Frauenunternehmertum, Digitalisierung und Nachhaltigkeit. Aktuell bereiten wir den nächsten Report zu Women’s Entrepreneurship vor, der im Herbst 2026 erscheinen soll.” Dr. Samsami vertritt die Ansicht, dass sie als “Forschende dafür verantwortlich sind, die Bedürfnisse von Unternehmerinnen zu artikulieren, um sie zu fördern und zu stärken. Durch die GEM-Forschung liefern wir klare Erkenntnisse, die politischen Entscheidungsträgern Aufschluss über die praktischen Auswirkungen auf Unternehmerinnen geben, anstatt uns nur auf theoretische Aspekte zu konzentrieren.“
Ein weltweiter Blick auf unternehmerisches Handeln
Gerade die einheitliche Methodik macht den GEM besonders wertvoll. Die Kernfragen bleiben über Ländergrenzen hinweg vergleichbar. So lassen sich Entwicklungen nicht nur innerhalb einzelner Länder beobachten, sondern auch global einordnen. Das Ergebnis ist ein ungewöhnlich breiter Blick auf Unternehmer:innentum. Einer, der nicht nur fragt, wie viele Unternehmen entstehen, sondern auch, wer gründet, warum Menschen gründen und welche Bedingungen sie dabei unterstützen oder ausbremsen.
Frauen in einer frühen Phase unternehmerischer Tätigkeit
- Ecuador 32 %
- Chile 26,5 %
- Saudi Arabien 23.2 %
(zum Vergleich: Deutschland 8.5%, Österreich 6.3 % und Schweiz 8,8%)
2024 waren 10,7 Prozent der erwachsenen Frauen in den 51 untersuchten Ländern an einer frühen Phase unternehmerischer Tätigkeit beteiligt. Das ist ein neuer Höchststand. In einigen Ländern, wie z.B. Mexiko (15,5% vs. 14.3%) oder Thailand (20,7% vs. 18.6%), gründen mehr Frauen als Männer neue Unternehmen. Geschlossen ist die Lücke jedoch noch nicht: Global gesehen liegen Frauen bei der Gründungsbeteiligung weiterhin rund 20 Prozent hinter Männern. Aber die Richtung stimmt: In fast der Hälfte der untersuchten GEM-Länder ist die weibliche Gründungsquote 2024 gestiegen. In einigen Ländern, darunter Jordanien und Marokko, hat sie sich sogar verdoppelt. Das ist nicht nur eine wirtschaftliche Entwicklung. Es ist auch eine gesellschaftliche.
Denn wer gründet, schafft nicht nur Produkte, Dienstleistungen oder Arbeitsplätze. Unternehmer:innen gestalten mit, welche Probleme sichtbar werden, welche Lösungen entstehen und welche Werte in Geschäftsmodellen eine Rolle spielen. Und genau hier zeigt sich im GEM-Report ein besonders spannender Befund: Frauen gründen nicht nur häufiger als früher, sondern “Frauen sind weltweit auch eher bereit, soziale und ökologische Ziele in ihre Geschäftsmodelle zu integrieren“, sagt Dr. Samsami.
Frauen gründen mit Wirkung
Der Report bestätigt das eindrucksvoll: 7…
Unternehmerinnentum: Frauen gründen die Zukunft nachhaltiger