Immer mehr Menschen in Deutschland sind pflegebedürftig. Der Großteil von ihnen wird von Angehörigen versorgt. Zeit, dass pflegende Angehörige mehr Anerkennung und Unterstützung erhalten, in Gesellschaft, Politik – und von Arbeitgebern.
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“Gute Nachrichten und häusliche Pflege, das passt nicht zusammen”, erklärt Jochen Springborn direkt zu Beginn unseres Gesprächs. Über 20 Jahre hat Springborn seine in jungen Jahren an Multipler Sklerose erkrankte Frau zuhause gepflegt. Er kennt das Pflege-System in Deutschland. Die Zahlen, die Bürokratie, die Lücken.
Das Thema Pflege ist grundsätzlich nicht unbedingt eines, das wir hier in Deutschland mit positiven Entwicklungen assoziieren würden. Zu wenig Personal, zu niedrige Gehälter, zu wenig Zeit für die Patient:innen. Zu wenig Geld in den Kranken- und Pflegekassen und die Welle der Wertschätzung zu Zeiten von Covid ist auch recht schnell wieder abgeklungen.
Menschen, die ihre Angehörigen zuhause pflegen, stehen noch einmal vor ganz anderen Herausforderungen als diejenigen, die in der Pflege beruflich tätig sind. Denn ihre Arbeit endet nie. “24 Stunden, sieben Tage die Woche, 365 Tage im Jahr sind sie im Dienst”, betont Springborn.” Da kommt keine Ablösung, es gibt keinen Feierabend.” Dazu kommt, dass viele Pflegende doppelt belastet sind: Mit der Versorgung Angehöriger und der gleichzeitigen Berufstätigkeit. Denn ohne Einkommen, nur mit den Zuschüssen der Pflegekassen, reicht das Geld gerade bei langfristiger Pflege meist nicht aus.
Warum also lest ihr dennoch einen Artikel über häusliche Pflege im Good News Magazin? Zum einen, weil jeder Beitrag, der die Stimme von Pflegenden und Betroffenen lauter macht, wertvoll ist. Zum anderen, um Wertschätzung zu leisten, für die unglaubliche Arbeit, die pflegende Angehörige leisten. Und zu guter letzt, weil es sie eben doch auch gibt, die positiven Entwicklungen im Bereich häusliche Pflege. Denn gerade auf Seiten der Unternehmen wächst das Bewusstsein dafür, wie viele berufstätige Menschen Pflegearbeit leisten. Und damit auch der Wille und die Bereitschaft, diese zu unterstützen.
Pflege “hinter verschlossenen Türen”
Noch immer ist Pflege Angehörigensache, in Deutschland wie in vielen anderen Kulturen. Knapp 5.7 Millionen Menschen waren 2023 in Deutschland laut Statistischem Bundesamt pflegebedürftig, ein deutlicher Anstieg zu knapp fünf Millionen Menschen Ende 2021. Aktuellere Zahlen liegen noch nicht vor, doch inzwischen gehe man von knapp sechs Millionen Menschen aus, die offiziell einen Pflegegrad haben, erklärt Springborn. Rund 790.000 davon haben einen Platz im Pflegeheim. Alle anderen, und damit mit 86 Prozent der überwältigende Großteil, werden zuhause von Angehörigen gepflegt.
Die zuhause gepflegten Menschen und diejenigen, die die Versorgung leisten, würden “in der Politik schlichtweg übersehen”, beklagt Springborn. Das Fehlen von Verbänden und einer Lobby für pflegende Angehörige sieht er als entscheidend. Er selbst engagiert sich bei
Immer mehr Unternehmen entlasten pflegende Arbeitnehmende