Singapur stoppt Delfinzucht und Wildfang

von | 13. Mai, 2026 | Klima

Singapur stoppt Delfinzucht und Wildfang

Ein Lichtblick für den Meeresschutz: Im Resorts World Sentosa – dem einzigen Delfinarium Singapurs – werden künftig keine Delfine mehr aus der Wildnis gefangen oder in Gefangenschaft gezüchtet. Mehr als 20 Tiere könnten dadurch perspektivisch ein neues Zuhause finden.

Was genau passiert in Singapur?

Wie das Umwelt-Magazin Mongabay berichtet, hat Resorts World Sentosa (RWS) sein Zuchtprogramm für Delfine ausgesetzt und beschafft auch keine Wildtiere mehr. Der Konzern selbst gibt keine offizielle Stellungnahme dazu ab, lässt aber laut Mongabay durch ein neu gegründetes Expert:innenpanel klären, wie es mit den Tieren weitergeht.

Im Oceanarium leben derzeit mehr als 20 Indo-Pazifische Große Tümmler. Der jüngste, ein Männchen namens Kenzo, ist sieben Jahre alt. Ursprünglich brachte RWS im Jahr 2008 und 2009 insgesamt 27 Tiere aus den Salomonen nach Singapur. Vier Delfine starben damals beim Transport bzw. an Infektionen. Die Eröffnung der „Dolphin Island“ im Jahr 2013 sorgte international für Schlagzeilen und löste Protest aus.

Was sind Sea Pens?

Tierschutzorganisationen sehen sogenannte “Sea Pens” als realistische Übergangslösung. Es handelt sich um abgegrenzte Bereiche im offenen Meer, in denen ehemals in Gefangenschaft gehaltene Delfine die Strömung, das Salzwasser und andere Meeresbewohner kennenlernen können. Das Dolphin Project betreibt solche Gehege auf der indonesischen Insel Bali und hat dort bereits mehrere ehemalige Show-Delfine rehabilitiert.

Ein Trend, der weltweit an Fahrt aufnimmt

Singapurs Schritt steht im Kontext einer wachsenden internationalen Bewegung gegen die Haltung von Meeressäugern für Unterhaltungszwecke:

  • Mexiko verabschiedete im Juni 2025 ein historisches Verbot von Delfinshows. Etwa 350 Delfine können innerhalb von 18 Monaten in Meeresgehege umziehen.
  • Kanada verbietet seit 2019 die Zucht und Neuaufnahme von Walen und Delfinen.
  • Frankreich beendet den Betrieb seiner Delfinarien schrittweise bis spätestens 2030.
  • Indien erkannte Delfine 2013 als „nicht-menschliche Personen“ an und verbot ihre Nutzung in Shows.
  • In Großbritannien, der Schweiz, Chile und Costa Rica ist die Haltung von Walen und Delfinen durch strenge Auflagen faktisch ausgeschlossen.

Stimmen, die Hoffnung machen

Anbarasi Boopal, ehemalige Co-Geschäftsführerin der Singapurer Tierschutzorganisation ACRES, bezeichnet den Schritt als überfälligen, aber wichtigen Fortschritt. Nachhaltigkeitsexpertin Darian McBain weist darauf hin, dass Delfinhaltung für Unternehmen mit Nachhaltigkeitsanspruch zunehmend zum Risiko wird. Rob Lott von Whale and Dolphin Conservation ergänzt: Falls Tiere ausgewildert werden, sollte das in die ursprüngliche Population zurückführen, aus der sie einst stammten.

Was die Nachricht so besonders macht

Singapur ist kein Land, das bisher mit besonders progressivem Tierschutz aufgefallen ist. Genau das macht den Schritt so bedeutsam. Wenn ein wirtschaftlich orientierter Konzern in einer Region freiwillig ein lukratives Programm einstellt, zeigt das, wie stark sich die öffentliche Meinung weltweit gedreht hat. Was vor 20 Jahren als spektakuläre Familienattraktion galt, wird heute zunehmend als ethisches Problem gesehen.

Studien belegen seit Jahren, dass Delfine in Gefangenschaft Stress, Verhaltensauffälligkeiten und gesundheitliche Probleme entwickeln. Mehr als 100 Wissenschaftler:innen unterzeichneten 2022 einen offenen Brief gegen Delfinarien. Der Druck kommt also nicht aus einem Bauchgefühl heraus, sondern aus Forschung und Erfahrung.

Wie es weitergeht

Das Expert:innennpanel von RWS soll prüfen, welche Zukunft für die Tiere realistisch ist. Eine sofortige Auswilderung gilt als unwahrscheinlich, da viele der Delfine seit Jahren in Gefangenschaft leben. Ein Umzug in ein Sea Pen vor der Küste Singapurs könnte aber ein erster Schritt sein und eine echte Verbesserung für die Lebensqualität der Tiere bedeuten.

Für alle, die positive Nachrichten aus der Tier- und Umweltwelt verfolgen, ist das ein klares Signal: Die globale Bewegung gegen Cetaceen-Gefangenschaft wirkt. Schritt für Schritt verändert sich, was als normal galt.

Quellen und weiterführende Links


This Is Vegan x Good News

Dieser Beitrag ist Teil einer Kooperation zwischen This Is Vegan und dem Good News Magazin. Gemeinsam berichten wir über positive Entwicklungen in Tierschutz, Umwelt und Gesellschaft. Den Beitrag von This Is Vegan findest du hier.

Beitragsbild: Unsplash

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