Vom Uniprojekt zum nachhaltigen Berliner Startup

„Tante Emma unterwegs“ liefert unverpackte Lebensmittel direkt vor die Haustür

von | 8. April, 2021

Präsentiert von Tante Emma unterwegs (Anzeige)

Regionale, vegane und plastikfreie Produkte direkt vor die Haustür geliefert

Aline Gellern und Louisa Boderke haben vieles gemeinsam. Sie studieren beide an der Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin „Unternehmensgründung und -nachfolge“, legen großen Wert auf eine nachhaltige Lebensweise und haben zusammen das Startup „Tante Emma unterwegs“ gegründet – einen Lieferservice, der sich darauf spezialisiert hat, vegane, biologisch hergestellte und plastikfreie Lebensmittel und Produkte des täglichen Bedarfs emissionsfrei bis an die Haustür der Kund:innen zu liefern. Wie Aline und Louisa zu Tante Aline und Tante Louisa wurden und wie ihre Vision für eine neue Lebensmittelversorgung aussieht, erzählen die beiden Studentinnen im Interview mit Good News Magazin Redakteur Dominik Baum.

Regionale, vegane und plastikfreie Produkte für Berlin

Dominik: Wie seid ihr auf die Idee für Tante Emma unterwegs gekommen?

Aline: Wir haben direkt im ersten Semester die Aufgabe bekommen, eine Firma mit sinnvollem Konzept zu erfinden. Es sollte irgendetwas nachhaltiges, cooles sein, was es noch nicht gibt. So ist schnell die Idee eines Lieferservice mit Fokus auf plastikfreie Produkte entstanden.

Louisa: Und, weil es als Uniprojekt so gut funktioniert hat und wir an die Idee glauben, haben wir einfach weitergemacht. Anfang 2020 ist die Entscheidung gefallen, ein Startup aufzubauen. Im Oktober ging dann unser Shop online.

Aline: Und jetzt suchen wir händeringend nach einer weiteren Person, die mit Herz und Leidenschaft dabei wäre.

Dominik: Könntet ihr euch denn auch einen Onkel vorstellen?

Aline: Wir hätten super, super gerne einen Onkel. Das würde noch mal einen anderen Spirit reinbringen. Aber Frauenpower ist natürlich immer super. 

Dominik: Welche Qualitätskriterien müssen eure Produkte erfüllen, damit sie es ins Sortiment schaffen?

Louisa: Fast alle Produkte sind hochwertige Biolebensmittel, weil die Nachfrage nach solchen Produkten weiter steigt. Ausnahme ist unsere neue Lakritzmischung, die sich nicht biologisch herstellen lässt. Außerdem sind die Produkte vegan, weil das die Zukunft und am nachhaltigsten ist. Bei besonderen Produkten, wie Trockenfrüchten, Kaffee und Kakao, schauen wir besonders auf faire Arbeitsbedingungen.

Aline: Unsere Keywords spiegeln auch unseren Lebensstil wider. Mit veganen Produkten wollten wir keine Gruppen ausgrenzen, sondern die meisten Produkte, die vegan sind, sind auch fair gehandelt. Da unser Konzept sehr grün ist, war für uns klar, dass wir nur auf der veganen Schiene bleiben können.

Dominik: Welche Produkte lassen sich über Tante Emma unterwegs beziehen?

Louisa: Vor allem Grundnahrungsmittel, insbesondere trockene Lebensmittel wie Getreide, Gewürze, Snacks, Tee und Kaffee. Bald kommt auch ein bisschen Kosmetik mit rein. 

Aline: Wir versuchen unser Produktsortiment so auszubauen, dass alle das bekommen, was sie brauchen, aber auch das bekommen, von dem sie noch gar nicht wussten, dass sie es möchten, bis sie es bei uns gesehen haben. Wir wollen einerseits vegan und nachhaltig sein und auf der anderen Seite auch jung und fancy. Die Leute sollen Bock haben, bei uns einzukaufen. Niemand freut sich, wenn er Haferflocken kauft. Aber, wenn es fancy Haferflocken mit Schoko überzogen sind, vielleicht schon (lacht).

Louisa: Wir arbeiten hierbei auch mit kleineren Unternehmen zusammen. Junge Startups, die coole Sachen haben, zum Beispiel Coffee Circle, HEYHO und OSTMOST. 

Dominik: Woher bezieht ihr alle weiteren Produkte?

Louisa: Größtenteils bestellen wir bei Biogroßhändlern. Wir achten sehr auf Regionalität, bestenfalls kommen die Produkte aus Deutschland, was leider oft schwierig ist. 

Dominik: Soll der Schwerpunkt in Zukunft bei Grundnahrungsmitteln bleiben?

Aline: Unser Konzept ist es, dass die Kund:innen am Ende alles bei uns bekommen, egal ob Lebensmittel, Drogerieprodukte oder Haushaltswaren.

Dominik: In welchen Preisklassen bewegen sich eure Produkte im Vergleich zum klassischen Supermarkt?

Louisa: Wir haben darauf geschaut, dass alles bezahlbar ist. Ich kaufe als Studentin bei Tante Emma unterwegs ein. So teuer, wie man denkt, ist es oft gar nicht. Manchmal sind wir als Onlineshop auch günstiger als andere Unverpacktläden.

Aline: Produkte mit einer gewissen Qualität müssen auch einen gewissen Preis haben. Aber Tante Emma soll nicht für Menschen mit dickem Portemonnaie sein, sondern Tante Emma will für alle da sein. .

Dominik: Welche Möglichkeiten gibt es, bei Tante Emma unterwegs einzukaufen?

Aline: Da wir noch keine App haben, funktioniert alles über das Shopsystem auf unserer Website. Die Produkte gibt es in zwei Größen. Eine normale, die die meisten aus dem Supermarkt kennen und auch der Orientierung dient, da unsere Produkte unverpackt sind. Und eine XL-Größe, wodurch es für die Kund:innen etwas günstiger wird.

Bei der Verpackung können die Kund:innen zwischen verschiedenen Pfandvarianten wählen. Bei der kostenlosen Variante füllt der beziehungsweise die Kund:in alles direkt an der Haustür in seine eigenen Behälter um. Oder die Kund:innen wählen zwischen einer Papiertüte für 30 Cent und einer Glasverpackung, die je nach Größe zwischen ein und drei Euro kostet. Alternativ, wenn es besonders chic sein soll, haben wir nachhaltig und fair produzierte Beutel für vier Euro. Die Bestellung liefern wir auf Wunsch bereits am nächsten Tag aus.

Louisa: Das mit dem Pfand ist so geregelt, dass die Menschen die Behälter natürlich auch wieder zurückgeben können. Die Kund:innen schreiben einfach eine Mail, dann holen wir das Pfand kostenfrei ab. Somit zahlen diese letztlich nur ihre Bestellung und alles andere geht auf unsere Kappe. 

Dominik: Ihr werbt mit einer emissionsfreien Auslieferung – wie schafft ihr das?

Louisa: Wir nutzen unser knallrotes Lastenfahrrad. Während viele Lieferservices auf E-Lastenfahrräder zurückgreifen, strampeln wir noch selber (lacht). 

Aline: Das dauert leider immer etwas länger und man sieht es uns an, dass wir schon ein bisschen durch die Gegend gefahren sind (lacht), aber so können wir eine emissionsfreie Lieferung garantieren.


Dominik: Was sind eure nächsten Ziele mit Tante Emma unterwegs?

Aline: Wir würden gerne Tante Emma so weit bringen, dass wir andere Jobs neben unserem Studium nicht mehr brauchen. Die Möglichkeit, eine Fahrkraft einzustellen oder noch ein zweites Fahrrad anzuschaffen, sind weitere kleine Träume, auf die wir hinarbeiten.

Dominik: Habt ihr zum Abschluss noch Tipps für Anfänger, die gerne plastikfreier leben wollen?

Aline: Wenn man sich damit etwas beschäftigt, ist es gar nicht so schwer. Viele Kleinigkeiten lassen sich vermeiden und es macht Spaß, eigene Deos oder Bodylotions herzustellen. Solche Dinge kaufen wir nicht mehr im Drogeriemarkt. Unsere Tür steht bei Fragen immer offen. Was ich allen ans Herz legen möchte: manche werden verurteilt, weil sie nichts oder nicht genug machen. Wir sind der Meinung: macht das, was ihr könnt, das ist schon super und das Mehr kommt nach und nach.

Tipps aus der Community, um Plastik zu reduzieren

Lebensmittel/Einkaufen

  1. Immer eine leere Brotdose dabei, damit auch beim Bäcker o. Ä. nichts extra verpackt werden muss.
  2. Immer einmal Besteck und Tupperdose dabei haben – man weiß ja nie.
  3. Einkaufen im Unverpackt-Laden bei mir um die Ecke. Dosen mitbringen und alles selber abwiegen.
  4. Einkaufen auf dem Markt, Netz/Beutel in den Supermarkt nehmen, um Obst und Gemüse unverpackt zu kaufen.
  5. Selber Obst und Gemüse anbauen.
  6. Regionales Obst und Gemüse von Höfen aus der Nähe.

Pflege

  1. Deo aus Natron und Kokosöl – Zahnpasta aus Kokosöl und Xylit. Gibt’s alles im Glas und Karton.
  2. Waschbare Pads zum Entfernen von Make-up benutzen.
  3. Festes Shampoo/Duschseife
  4. Holz-/Bambuszahnbürsten
  5. Menstruationstasse

Allgemeine Tipps

  1. Alternativen suchen, wo es geht, und Plastikprodukte öfter nutzen, sofern möglich.
  2. Großpackungen kaufen – bei allem was geht!
  3. Biomülltüten für Restmüll – spart täglich eine Tüte!
  4. Einfach nichts mehr aus Plastik kaufen. Easy.
  5. Nichts in Plastik kaufen. Bewusste Entscheidung.
  6. Dauerbackpapier statt Einwegbackpapier.
  7. Schraubgläser sammeln und Sachen darin einfrieren: Deckel erstmal offen lassen.
  8. Abwaschlappen häkeln.

Bilder: © Tante Emma unterwegs

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Dominik

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