“Wichtiger erster Schritt”

Weltweit erster Speicheltest für Endometriose entwickelt

von | 26. Oktober, 2022

Ein neuer Endometriose-Test liefert Erkenntnisse nach schon zwei Wochen. Bislang dauerte das oft mehrere Jahre.

In Zusammenarbeit mit dem französischen Biotech-Startup Ziwig hat das deutsche Privatlabor Eluthia den weltweit ersten Speicheltest für Endometriose entwickelt. Die einfachere Diagnose legt nach Angaben des Unternehmens einen “wichtigen Grundstein, um den betroffenen Frauen Therapien zur Verbesserung der Lebensqualität schneller zu ermöglichen.” Seit dem 12. Oktober ist der Test in gynäkologischen Praxen erhältlich. 

Mit RNA und KI zur Diagnose

Etwa zehn bis 15 Prozent der Menschen im gebärfähigen Alter mit biologisch weiblichem Geschlecht sind laut dem Bundesgesundheitsministerium von Endometriose betroffen. Etwa 40.000 erkranken in Deutschland jedes Jahr. Bei der chronischen Krankheit bildet sich außerhalb der Gebärmutterhöhle ein Gewebe, das der Gebärmutterschleimhaut ähnlich ist. Sie lösen häufig Unterbauchschmerzen, Schmerzen vor und während der Menstruation sowie beim Geschlechtsverkehr und unregelmäßige Monatsblutungen aus. Aufgrund dieser unterschiedlichen Krankheitsbilder und häufigen Verwechslungen mit Menstruationsbeschwerden beansprucht eine korrekte Diagnose aktuell etwa sechs bis zehn Jahre. Das soll sich nun ändern. 

Denn das neue Testverfahren ist denkbar einfach: In einer gynäkologischen Praxis können Patient:innen eine Speichelprobe abgeben, die mithilfe von Mikro-RNA-Technologie und Künstlicher Intelligenz auf Endometriose-ähnliche Muster untersucht wird. So könne ein Ergebnis bereits nach zwei Wochen feststehen. Die Technologie sei mit einer diagnostischen Genauigkeit von 98 Prozent ausgesprochen zuverlässig. Aktuell belaufen sich die Kosten des Tests allerdings auf knapp 800 Euro und werden noch nicht von den deutschen Krankenkassen übernommen. Ein entsprechender Antrag kann allerdings gestellt werden. 

“Wichtiger erster Schritt”

Auch zahlreiche politische Akteur:innen weisen immer wieder auf die Bedeutung von Erforschung und Diagnose von Endometriose hin. Das Europäische Parlament forderte bereits im Jahr 2022 die nationalen Gesundheitsbehörden dazu auf, “Endometriose als eine Invalidität verursachende Krankheit anzuerkennen” und mehr Finanzmittel für Forschung und Diagnose bereitzustellen. Im Rahmen des EU-Rahmenprogramms für Forschung und Innovation standen 4,4 Millionen Euro allein für Projekte zur Endometriose bereit. Frankreich und Australien begegnen der Krankheit sogar mit nationalen Strategiepapieren, die auf Forschung, Diagnose und Aufklärung setzen. 

In Deutschland entschied der Haushaltsausschuss des Bundestages, ab kommendem Jahr fünf Millionen Euro für die Forschung zu Endometriose zur Verfügung zu stellen. Ab 2024 soll diese Förderung verstetigt werden. Stefan Schwartze, Patient:innenbeauftragter der Bundesregierung, sprach von einem wichtigen ersten Schritt. Laut der Grünen-Gesundheitsexpertin Saskia Weishaupt würden damit allein im nächsten Jahr zehnmal mehr Mittel in Endometriose-Forschung investiert als in den vergangenen 20 Jahren zusammen.

Beitragsbild: peopleimages.com | depositphotos

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Paul Esser

Paul Esser ist stellvertretender Chefredakteur beim Good News Magazin. Wenn er gerade keine Medien macht oder konsumiert, studiert er Politikwissenschaften und Psychologie. Warum das alles? Lösungen waren schon immer spannender als Probleme!

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