Von der Quelle bis zur Mündung

1235 Kilometer durch den Rhein: Schwimmen für die Wissenschaft

von | 21. Mai, 2022

Der Schwimmer Joseph Hess will in 25 Tagesetappen den Rhein schwimmen und dabei wichtige Erkenntnisse für die Wissenschaft sammeln.

Der Rhein ist der zweitlängste Fluss in Deutschland und zählt zu den verkehrsreichsten Wasserstraßen der Welt. Mit dem Schiff ist es kein Problem den Fluss zu durchqueren. Geschwommen, das scheint fast unmöglich. Aber nicht für Langstreckenschwimmer Joseph Hess, der noch dazu von 4 Forschungsinstituten und einem motivierten Team aus Studierenden der Hochschule Mittweida unterstützt wird. So ist sein Abenteuer gleichzeitig ein enormer Gewinn für die Wissenschaft.

„Ich bin Jospeh Hess und ich werde am 11.06.2022 in 25 Tagesetappen den gesamten Rhein schwimmen. Also 1235 km. Alles Kraul, 8-10 Stunden am Tag. Von der Quelle bis zur Mündung. Und das wird glaube ich ein tolles Abenteuer.“

Joseph Hess

Abenteuer ist dafür genau die richtige Bezeichnung, denn der Rhein bietet sehr viele Hürden. Der erste Teil des Rheins, der Alpenrhein, der vor allem durch die Schweiz fließt, ist geprägt durch sehr wildes Wasser. Auch der Rheinfall stellt eine große Herausforderung dar. Dann geht es durch den Bodensee in die dicht befahrene Schifffahrtsstraße. Jährlich fahren rund 105.000 Schiffe den Rhein entlang. Jospeh Hess ist zwar 2017 schon ein Teil der Elbe geschwommen, der Rhein ist allerdings nochmal eine ganz neue Challenge. Das zeigt sich schon in der Fließgeschwindigkeit. 11,5 Kilometer pro Stunde fließt das Wasser Richtung Meer.  

Der Verlauf des Rheins

Stärker als Team

Immer an seiner Seite fährt der Kanute Andreas Meier. So kann Joseph Hess sicher sein, dass er bei Hürden gewarnt wird und Fall der Fälle immer jemand an Ort und Stelle ist. Außerdem fährt auch ein Begleitboot mit, so kann für einen strukturierten und reibungslosen Ablauf gesorgt werden. Wie viel Kilometer Joseph Hess jeden Tag genau zurücklegen wird, wird sich dann im Juni zeigen. Bis zum Bodensee ist es sehr schwer planbar und dann plant er erstmal mit einem Tagesziel von 50km. Natürlich kann immer etwas schief gehen, aber die Vorfreude ist groß.

„Es geht hauptsächlich, darum, die Grenzen auszutesten und um das selbstbestimmte Leben irgendwie. Die schönen Dinge, die während diesem langen Schwimmabenteuer passieren, sind glaube ich der große Hauptantrieb. Sowohl von den Menschen, die dabei sind, als auch wirklich von den Dingen, die da zwischendrin passieren.“

Joseph Hess

Um Hess zu unterstützen, hat sich ein Team aus 21 Studierenden der Hochschule Mittweida gebildet und das Projekt swim4science ins Leben gerufen. Das Team wird Hess bei der unberechenbaren Herausforderung begleiten und daraus nicht nur einen Dokumentarfilm produzieren, sondern sein Abenteuer in einer Instagram-Kampagne begleiten. 

So grün wie möglich

Die Studierenden achten bei der Produktion vor allem auf den Aspekt der Nachhaltigkeit und versuchen so grün wie möglich zu produzieren. Das funktioniert in erster Linie durch die Unterstützung verschiedener Unternehmen, starkem Willen und Teamgeist. Ein großer Punkt bei einer Filmproduktion ist der Stromverbrauch. Jeden Tag müssen mehrere Akkus für Kamera, Ton, Licht, Laptops und co. geladen werden. Für den Aspekt der Nachhaltigkeit, eignet sich erneuerbare Energie perfekt für das Projekt. Die Wahl fiel auf Solarenergie, da sich Solaranlagen bei der Reise mit Wohnmobilen anbietet. 

Foto von Markus Spiske / Unsplash.com

So kann das Hauptziel des Projekts erreicht werden: sie versuchen das Abenteuer von Hess und die wichtigen, wissenschaftlichen Erkenntnisse für die Öffentlichkeit erfahrbar zu machen. Denn dieser wird zwar 25 Tage von früh bis spät nur Wasser vor sich haben und von der Landschaft nicht ganz so viel mitbekommen, auf Instagram und im Dokumentarfilm soll dies aber gezeigt werden. Noch dazu schwimmt er mit wissenschaftlichem Hintergrund. Denn vier Forschungsinstitute begleiten das Projekt. 

Schwimmen für die Wissenschaft

Die TU Chemnitz begleitet Joseph Hess vor allem im Fachbereich der Sportphysiologie. Vor und während der Reise werden Untersuchungen an Fettspeicherung, Muskulatur und Stoffwechselfunktionen in Extremsituationen gemacht. Von den gewonnenen Daten sollen künftig auch andere Sportler profitieren. Dazu steht Prof. Nico Nitzsche im engen Kontakt mit der Sportfakultät der Universität Leipzig, welche das Projekt auch unterstützt. 

Die Universität Leipzig verfolgt das Projekt vor allem aus der sportpsychologischen Sicht. Hess wird mental auf die kommende Herausforderung vorbereitet und bekommt wertvolle Methoden zur Stressbewältigung an die Hand. Während der Reise selbst wird der mentale Zustand von Hess anhand von Fragebögen in Echtzeit ausgewertet.

Der Chemieprofessor Andreas Fath, der 2014 selbst schon durch den Rhein geschwommen ist und sich nun an die Donau wagt, begleitet das Projekt von der naturwissenschaftlichen Seite. Hesssoll Proben des Rheins entnehmen und die werden im Chemieinstitut der Hochschule Furtwangen mit denen von 2014 vergleichen. So kann Fath die Verschmutzung des Flusses analysieren. 

Zu guter Letzt ist auch die Hochschule Mittweida mit dem Studiengang Energiemanagement im Boot. Über den Studiengang wird eine Solaranlage zur Verfügung gestellt, über die die Technik geladen werden kann. Vor allem dadurch kann die Filmproduktion besonders nachhaltig ablaufen, da der Strom über erneuerbare Energie gestellt wird. Außerdem werden über die Reise Daten gesammelt, die an einen Studenten weitergegeben werden. Dieser nutzt die Daten für seine Bachelorarbeit.

1235 Kilometer später

Wenn Joseph nach 25 Tagen am Ende seiner Tour angekommen ist, hat er einen neuen Rekord aufgestellt. Er wäre damit der schnellste Schwimmer, der den Rhein durchquert hat. Von der Quelle bis zur Mündung. Dass auf so einer Reise immer etwas schief gehen kann, ist allen Beteiligten bewusst. Trotzdem freut sich nicht nur Joseph Hess, sondern auch das gesamte Team um das Projekt drum herum auf diese spannende Zeit. Auf dem Instagram Kanal @swim4sience könnt ihr mitverfolgen, was auf der Reise passiert. So bekommt ihr spannende Einblicke und könnt euch nur noch mehr auf den Dokumentarfilm freuen, der im Jahr 2023 fertig sein soll.

Titelbild: Swim4Science

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Leoni Kipka

Leoni Kipka ist Redakteurin bei Good News Magazin und studiert Medienmanagement in Mittweida. Durch ihre Neugier ist sie immer auf der Suche nach neuen, positiven Nachrichten. Sie möchte die Welt zu einem besseren Ort machen und Positivität und Optimismus sind für Leoni dabei sehr wichtig.

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