Vom Schwarzwald bis zum Schwarzen Meer

Schwimmen für den Umweltschutz: Chemie-Professor schwimmt 2.700 Kilometer durch die Donau

von | 7. Mai, 2022

Ein Chemie-Professor schwimmt 2.700 Kilometer durch die Donau und analysiert deren Verschmutzungsgrad, um die Wasserqualität zu verbessern.

Um auf die Auswirkungen aufmerksam zu machen, die Plastik und Mikroplastik auf die Wasserqualität der Donau haben, wurde das Projekt cleandanube ins Leben gerufen. In fast zwei Monaten möchte Chemie-Professor Andreas Fath durch die gesamte Donau schwimmen und dabei das Wasser analysieren. Das Projekt soll Aufschluss über den Verschmutzungsgrad der Donau geben und gleichzeitig die Menschen für das Thema begeistern. Durch Aufklärung über Mikroplastik sowie die Vermeidung von Plastikmüll soll die Wasserqualität dadurch zukünftig verbessert werden.

Projekt cleandanube: Für eine saubere Donau

Die Donau, auf Englisch Danube, ist mit 2.850 Kilometern der zweitlängste Fluss Europas, startet im Schwarzwald und fließt durch insgesamt 10 Länder, bis sie im Schwarzen Meer endet. Was viele nicht wissen: der internationale Fluss ist so stark verschmutzt, dass es teilweise gesundheitsgefährdend ist, in dem Wasser zu schwimmen. Ein Grund für die starke Verschmutzung ist Plastik.

Weltweit werden jedes Jahr etwa 400 Millionen Tonnen Plastik produziert. Und damit geht eine große Menge an Plastikmüll einher, der eine starke Belastung für die Umwelt, die Tierwelt und den Menschen darstellt. Das ganze Ausmaß ist dabei nicht immer sichtbar, denn das Plastik kann sich in winzige Kunststoffpartikel zersetzen, die fünf Millimeter oder kleiner sind, sogenanntes Mikroplastik – und das findet man heute fast überall.

So schwimmen auch in Bächen und Flüssen, wie dem Rhein oder der Donau heutzutage große Mengen an Plastik und Mikroplastik und ein großer Teil des produzierten Plastiks landet im Meer. Wie viel Müll tatsächlich in Flüssen zu finden ist, zeigt eine Studie aus dem Jahr 2014: Forscher:innen zeigten, dass an Teilen der Donau mehr Plastikpartikel als Fischlarven im Wasser treiben. Jeden Tag gelangen so 4,2 Tonnen Plastikmüll von der Donau im Schwarzen Meer.

Schwimmen für Aufmerksamkeit

Trotzdem fehlt es an Aufmerksamkeit für das Thema, ebenso wie an Informationen und Bildungsangeboten für die Menschen. Das soll sich ändern. Für das Projekt cleandanube schwimmt Chemie-Professor Andreas Fath darum 2.700 Kilometer durch die gesamte Donau, vom Schwarzwald bis zum Schwarzen Meer. Das Ziel: Wasseranalysen durchführen, um für alle Abschnitte der Donau den Grad der Verschmutzung zu ermitteln und Aufmerksamkeit für das Thema Plastikmüll und Wasserverschmutzung schaffen. Organisatorisch unterstützt wird das Projekt von der association for wildlife protection (AWP), ein gemeinnütziger Verein, welcher Natur- und Artenschutzprojekte fördert und umsetzt.

Durch die Donau für den Umweltschutz.
Andreas Fath beim Probeschwimmen in Rumänien.
Bild: Mario Kümmel/AWP

Fast zwei Monate wird es dauern, bis Andreas Fath am Schwarzen Meer angelangt ist. 2.700 Kilometer, niedrige Wassertemperaturen und teilweise stark verschmutztes Gewässer – wozu der Aufwand? Die Wasserproben selbst können natürlich auch auf andere Weise genommen und analysiert werden, beispielsweise vom Boot aus. Das Problem dabei: wissenschaftliche Veröffentlichungen allein wecken meist nicht die gewünschte Aufmerksamkeit. „Das lesen weniger Menschen, als wenn man das Ganze mit dem Schwimmen kombiniert, im Sinne von ‚Sport meets Science‘“, erklärt Fath in einem Interview mit dem SWR.

Die Vergangenheit habe gezeigt, dass dadurch viel mehr Menschen erreicht werden können, als durch eine Publikation. Das Projekt ist nicht das erste, bei welchem sich Andreas Fath für den Gewässerschutz engagiert. Bereits in ähnlichen Projekten wie Rheines Wasser und TenneSwim machte er auf die Wasserverschmutzung im Rhein und Tennessee River aufmerksam und setzte sich für die Verbesserung der Wasserqualität ein.

Mehr Wasserqualität, weniger Plastik

Neben Wasseranalysen soll es zudem Mitmach-Stationen und Workshops entlang der Route geben, um die Menschen für den Schutz der Umwelt und des Naturraums Donau zu begeistern. Im Fokus des Projekts steht zudem die Vermeidung von Plastikmüll und das Verständnis von Mikroplastik. Geplant sind beispielsweise Vorträge und Ausstellungen, aber auch Cleanups, Mitschwimm- und Paddelaktionen. Damit soll das Interesse an dem Thema geweckt und die Wasserqualität in Zukunft verbessert werden.Das Projekt startete am 19. April in Furtwangen, der offizielle Auftakt fand am World Earth Day, am 22. April in Ulm statt.

Eine Übersicht über die geplanten Stopps und die dort stattfindenden Aktionen, bietet eine interaktive Karte auf der Webseite des Projekts. Angezeigt wird dort außerdem, wie weit Andreas Fath bereits geschwommen ist und wie viele Kilometer er noch vor sich hat. Wer sich für die wissenschaftliche Seite des Projekts interessiert, findet auf der Webseite zudem die Ergebnisse der Wasserproben, sowie ausführlichere Erklärungen dazu. Keine Zeit selbst dabei zu sein? Am Ende des Projekts soll es auch einen Film über die Reise durch die Donau und die Ergebnisse der Wasserproben geben.

Beitragsbild: Todd Quackenbush, Unsplash

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Sarah Zimmermann

Sarah Zimmermann studiert Wissenschaft – Medien - Kommunikation in Karlsruhe und hat während des Studiums ihre Leidenschaft für Journalismus entdeckt. Neben wissenschaftlichen Themen interessiert sie sich – unter anderem – für alles rund um Desinformation, Nachhaltigkeit, Tierschutz und Mental Health. Und da es häufig vor allem negative Themen in die Nachrichten schaffen, findet sie es schön und wichtig, darüber zu berichten, wie viele gute Nachrichten es jeden Tag gibt.

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