Menschenfreundlicher Wohlstand

6 Beispiele aus der Arbeitswelt für ein gutes Leben

von | 3. Oktober, 2022

In diesem Auszug aus dem Buch ROCK YOUR WORK untersucht Martin Gaedt Perspektiven und zeigt positive Beispiele der Arbeitswelt. Was bedeutet Wohlstand überhaupt und wie kann die Gesellschaft ihn menschenfreundlicher gestalten?

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Wohlstand wird oft in finanziellen Mitteln benannt, obwohl das nur eine einzige Facette von vielen Möglichkeiten ist, Wohlergehen zu messen. Welches Wohl wählen wir? Wie willst du leben? Was soll wachsen? Was würde uns guttun? Lass uns träumen, wie wir leben und arbeiten wollen!

1. Arbeit geht gastfreundlicher und erhöht den Wohlstand 

Die Bäckerei Kolls ist ein Unternehmen mit 150 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Sie verkaufen Brot und Backwaren in zwanzig Filialen mit Cafés. Sie haben zwei Worte gestrichen und durch andere Worte ersetzt. Die Worte „Kundin“ und „Kunde“ wurden gestrichen und durch „Gäste“ ersetzt. Und aus Verkäuferinnen und Verkäufern wurden Gastgeberinnen und Gastgeber. Gästen schenkt man ein besonders gutes Erlebnis. Gäste fühlen sich bei Gastgebern viel wohler als bei Verkäufern. In Stellenanzeigen der Bäckerei werden „Gastgeber (m/w/d) für unser Team“ gesucht. Bereits nach zehn Monaten waren sechs Erfolge durch die neue Haltung messbar:

  • Umsatz, Trinkgeld und die Zahl der Bewerbungen wurden gesteigert,
  • Krankschreibungen, Personalfluktuation und Personalkosten wurden reduziert.

2. Arbeit geht familienfreundlicher und erhöht den Wohlstand

Dan Price zahlt seit 2016 allen Angestellten seines Unternehmens Gravity einen Mindestlohn von 70.000 US-Dollar pro Jahr – ab August 2022 sogar auf 80.000 US-Dollar erhöht. Sein eigenes Gehalt von einer Million Dollar strich er und ersetzte es mit dem neuen Mindestlohn. Fünf Jahre nach dem Start des Experiments hat sich die Anzahl seiner Angestellten verdoppelt, und der Umsatz wurde verdreifacht. Es wurden unter den Angestellten zehnmal mehr Babys als zuvor geboren. Der hohe Lohn gab Sicherheit, eine Familie zu gründen.

3. Arbeit geht umweltfreundlicher und erhöht den Wohlstand 

Patagonia“ investiert in den Verkauf von Second-Hand-Kleidung, die erst von Kund:innen zurückgekauft und dann weiterverkauft wird. Patagonia entwickelt sich weiter, ohne klassisch wachsen zu wollen. Patagonia stoppte 2020 Werbung auf Facebook wegen dort wachsendem Hate Speech. Die Einnahmen am Black-Friday 2021 – 10 Millionen US-Dollar – wurden komplett gespendet. Jährlich werden weitere 74 Millionen US-Dollar gespendet. Geschäftsführer Ryan Gellert sagt: Für diejenigen Unternehmen, die den Klimawandel nicht aktiv bekämpfen, gibt es einen speziellen Platz in der Hölle.“

4. Arbeit geht flexibler und erhöht den Wohlstand

„Vaude“ bietet flexible Arbeitszeitmodelle und einen Kindergarten. In der 530-köpfigen Belegschaft sind 60 Prozent Frauen, und 43 Prozent der Führungskräfte sind weiblich. Seit 2008 wird Vaude eine grüne Firma, die Nachhaltigkeit systemisch lebt. Auf der Website wird gezeigt, wo Vaude welche Artikel unter welchen Bedingungen produziert.

5. Arbeit geht gesünder und erhöht den Wohlstand 

An der Spremberger Krankenhausgesellschaft besitzen die Beschäftigten seit 1997 die Mehrheit von 51 Prozent. 49 Prozent gehören der Stadt. Die Vereinsmitglieder achten sowohl auf Wirtschaftlichkeit als auch auf gute Arbeitsbedingungen. Weniger Patientinnen und Patienten pro Pflegekraft ermöglicht eine würdevolle Arbeit. In Spremberg gibt es auch keine Angst vor Umstrukturierung, denn alle Vereinsmitglieder entscheiden, wie sich die Strukturen der Krankenhausgesellschaft entwickeln sollen.

6. Arbeit geht sanktionsfrei und erhöht den Wohlstand 

Ein großer Schritt zur Freiheit wäre ein bedingungsloses Grundeinkommen (BGE). Viele Menschen könnten dann Nein sagen. Nein zur Arbeit in einem geschlossenen System. Nein zu Jobs, die der Gesundheit schaden, die Schlaf rauben und zum Burnout führen. Nein zu Jobs, in denen Frauen weniger verdienen als Männer. Nein zu Arbeit, die menschenverachtend ist. Für Götz Werner ist die zentrale Wirkung des BGE, dass jeder „Nein“ sagen kann. Er wollte Menschen mit dem BGE die Entscheidungsfreiheit über Alternativen schenken.

„Wenn ich das bedingungslose Grundeinkommen in einem Satz erklären soll, dann dass jeder Nein sagen kann. Dieses Nein steht wie der Notenschlüssel vor der Partitur seines Lebens.“

Der Verein „Mein Grundeinkommen“ verlost regelmäßig Grundeinkommen. Gezahlt werden 1.000 Euro pro Monat ein Jahr lang. Gewonnen haben bis April 2022 bereits 1.128 Menschen. Sie erleben die Freiheit, Nein sagen zu können. Eine Gewinnerin berichtet vom neuen Mut:

„Ich ging auf meinen Arbeitgeber zu und sagte, dass ich eine bessere Perspektive brauche oder leider gehen muss.“ Sie ging. Erst danach fand sie eine bessere Stelle. Ohne das Grundeinkommen wäre sie beim alten Arbeitgeber geblieben.

Entscheidend ist der Dialog darüber, was wir wollen. Menschenfreundliche Arbeit braucht konstruktive, respektvolle Konflikte mit dem Zweck, diversen Wohlstand für alle zu schaffen.

Arbeit ist so vielfältig und spannend wie wir Menschen. Arbeitskulturen sind an jedem Ort und in jeder Firma anders. Die eine einzige gute Art zu arbeiten, kenne ich nicht. Und keine Arbeit bleibt auf Dauer gleich. Eine Veränderung stößt weitere an. So wird Arbeit durch Arbeit laufend verändert. Wir entscheiden, ob wir Veränderungen aussitzen und verdrängen. Oder ob wir sie anpacken und nutzen.

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Beitragsbild: Dmitry Zvolskiy/pexels

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Martin Gaedt

Martin Gaedt ist Autor der Bücher "Rock Your Idea" und "Mythos Fachkräftemangel". Er ist Arbeitsmarktexperte, mehrfacher Unternehmensgründer und war 2007 bis 2020 Arbeitgeber. Good Work mit Raum zur Entfaltung, Ideenfitness und Provotainment liegen ihm am Herzen, denn Fragen, Humor, Provokation und engagierte Kolleg:innen sind der Keim aller Veränderung.

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