Seit Oktober 2024 verwandelt sich der Pariser Place de l’Hôtel de Ville in eine grüne Oase mit 50 Bäumen. Im Juni 2025 soll der kleine Stadtwald fertig sein.
Seit Anne Hidalgo 2014 das Amt der Bürgermeisterin von Paris übernommen hat, hat sich die Stadt in Sachen Nachhaltigkeit stark weiterentwickelt. Ihr klar formuliertes Ziel ist es, Paris bis 2025 zu einer sogenannten „15-Minuten-Stadt“ zu machen. Das bedeutet, dass die Pariser:innen in nur 15 Minuten alles erreichen können, was sie im Alltag brauchen – vom Einkaufen über den Arbeitsplatz bis hin zu Grünflächen, Schulen und Freizeitmöglichkeiten. Vorzüglich soll die Strecke mit dem Fahrrad oder der Metro zurückgelegt werden.
Um dieses Ziel zu erreichen, hat Hidalgo bereits verschiedene Maßnahmen umgesetzt, wie die Sperrung des Seine-Ufers für Autos, den Ausbau von über 700 km Radwegen und die Erhöhung der Parkgebühren für SUVs. Ein weiteres zentrales Projekt ihrer Amtszeit ist die Begrünung der Stadt. Besonders hervorzuheben ist in diesem Zusammenhang die Schaffung eines Stadtwaldes vor dem Rathaus, das zu den wichtigsten Vorhaben ihres letzten Amtsjahres zählt.
Grüne Städte steigern die Lebenserwartung
Paris verfügt derzeit über lediglich 8,6 Quadratmeter Grünfläche pro Einwohner – und liegt damit unter der Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation (WHO), die mindestens 10 Quadratmeter pro Person vorsieht. Um dem entgegenzuwirken, präsentierte der Pariser Stadtrat im vergangenen Jahr nach vierjähriger Planung den bioklimatischen Entwicklungsplan für die Stadt bis 2035. Dieser sieht die Schaffung von insgesamt 300 Hektar zusätzlicher öffentlicher Grünflächen vor.
Eine Langzeitstudie der französischen Gesundheitsbehörde bestätigt den positiven Einfluss solcher Maßnahmen: Die Begrünung von Städten sowie die Förderung des Fuß- und Radverkehrs können jährlich Hunderte von Leben retten. Um diese Vision zu verwirklichen, kündigte Bürgermeisterin Anne Hidalgo in ihrer Neujahrsansprache für 2025 insgesamt 120 Projekte an. Dazu gehören sowohl neue Fußgängerzonen als auch umfangreiche Begrünungsmaßnahmen. Ein besonderes Highlight stellt dabei der geplante Stadtwald vor dem Rathaus dar, der als Symbol für das grüne Paris der Zukunft gilt.

Stadtwald in der Innenstadt
Im Oktober des vergangenen Jahres wurde der Platz vor dem Rathaus von Asphalt und Pflastersteinen befreit, um Raum für den geplanten Stadtwald zu schaffen. Die Umgestaltung läuft derzeit, und die Bepflanzungen sollen bis Juni 2025 abgeschlossen sein. Der Stadtwald soll dabei nicht nur die Luft verbessern, sondern auch als Kühlzone gegen die sommerliche Hitze dienen und einen grünen Rückzugsort für Anwohner:innen und Besucher:innen bieten. Anne Hidalgo erklärte, dass dieser neue Park den historischen Ausblick auf die Notre-Dame-Kathedrale auf der anderen Seite der Seine bewahren werde und so eine „Insel der Frische“ inmitten der Stadt entsteht.
So wird der Stadtwald aussehen
Die Begrünungsmaßnahme findet auf einer Fläche von 2 500 Quadratmetern statt, von denen 1 000 Quadratmeter im Freien liegen. Etwa 25 bis 30 Prozent der Fläche werden begrünt. Zuvor war der Platz eine graue Asphaltfläche mit großen historischen Brunnen. Nach Abschluss der Arbeiten werden auf dem Vorplatz 50 große Bäume stehen – darunter Eichen, Hainbuchen, Amerikanische Feigenbäume und andere klimawandelresistente Baumarten. Ergänzt wird die Begrünung durch mehr als 20.000 Pflanzen, darunter Sträucher und Farne, die für eine waldähnliche Atmosphäre sorgen sollen. Auf beiden Seiten des Vorplatzes werden zudem schattige, bewaldete Haine angelegt. Die beiden historischen Brunnen werden dabei nicht entfernt und lediglich in die Begrünung integriert und grün umrahmt.
Weitere Pariser Begrünungsprojekte für 2025
In 2025 möchte Anne Hidalgo außerdem die Fußgängerzone auf dem Montmartre-Hügel ausbauen und die Begrünung auf dem Place du Colonel-Fabien voranbringen. Alle 120 Projekte, die sie für 2025 angekündigt hat, verbindet ein Ziel: Die Lebensqualität in Paris steigern und den Stellenwert des Autos verringern. Paris nimmt damit eine Vorreiterrolle als europäische Hauptstadt mit 2 Millionen Einwohnern ein.
Trotz wiederholter Kritik an Hidalgos Projekten zeigen immer wieder stattfindende Umfragen unter den Pariser Bürger:innen eine Zustimmung zu ihren Vorhaben. Die Pariser:innen sind bereit die ambitionierten Ziele einer grüneren Stadt zu unterstützen. So wurden Entscheidungen wie die höheren Parkgebühren für SUVs oder das Verbot von E-Scooter-Verleihen durch Volksabstimmungen legitimiert. Paris beweist, dass eine mutige Herangehensweise an städtische Transformationen möglich ist. Deutsche Großstädte wie Hamburg, München und Berlin könnten sich von Paris‘ Mobilitätswende inspirieren lassen. Der Leiter des Münchener Mobilitätsreferats, Georg Dunkel, besuchte die Stadt bereits, um von den Erfahrungen zu lernen.
Beitragsbild: Dan Novac via pixabay