Diese deutsch-muslimische Tradition ist leise, organisiert und bewusst unspektakulär. Nur eine klare Haltung: Verantwortung für das Gemeinwesen zu übernehmen und ein Zeichen zu setzen. Zeichen für Frieden und Zusammenhalt.
Ein Beitrag von Nasir Ahmad
Nothilfe oder Neujahrsputz? Am frühen Morgen des 1. Januar sind in vielen deutschen Städten bereits Menschen unterwegs, während andere noch schlafen. Mit Handschuhen und Müllsäcken reinigen sie Straßen, Parks und Plätze. Der Neujahrsputz ist seit über 30 Jahren eine feste Tradition muslimischer Gemeinden in Deutschland – sie startete im Jahre 1992 im hessischen Nidda. Diese deutsch muslimische Tradition ist leise, organisiert und bewusst unspektakulär. Nur eine klare Haltung: Verantwortung für das Gemeinwesen zu übernehmen und ein Zeichen zu setzen. Zeichen für Frieden und Zusammenhalt.
Video aus Nidda
Getragen wird diese Tradition vor allem von Ahmadiyya-Muslim:innenen. Für sie gehört der Dienst an der Gesellschaft zum religiösen Selbstverständnis. Sauberkeit, Rücksicht und Hilfe gelten nicht als Sonderleistung, sondern als Normalität. Der Jahresbeginn wird genutzt, um sichtbar etwas zurückzugeben.
Diese Haltung zeigt sich nicht nur am Neujahrstag. Wenn akute Notlagen entstehen, sind viele der gleichen Menschen erneut vor Ort. Beim jüngsten Stromausfall in Berlin unterstützten Freiwillige die betroffene Bevölkerung mit warmem Essen, Getränken und Anlaufstellen. Organisiert wurde die Hilfe unter anderem durch Humanity First Deutschland, eine seit vielen Jahren aktive, unabhängige Hilfsorganisation. Die Organisation wurde 1995 in Großbritannien von der Ahmadiyya Muslim Jamaat Gemeinschaft als unabhängige NGO gegründet und ist seither in zahlreichen Katastropheneinsätzen aktiv, um Menschen in Not zu unterstützen.
Humanity First ist Inin Deutschland ist Humanity First vor allem durch Einsätze in Krisensituationen bekannt. Beim Elbehochwasser 2002 halfen Freiwillige beim Auspumpen von Kellern und bei der Versorgung Betroffener. Nach der Flutkatastrophe im Ahrtal 2021 war die Organisation über Monate im Einsatz, mit Aufräumarbeiten, Sachspenden und logistischer Unterstützung. Auch in Berlin zeigte sich erneut, wie wichtig schnelle, unbürokratische Hilfe ist.
Instagram Video Berlin Stromausfall
Ein oft übersehener Aspekt dieses Engagements ist die eigene Geschichte vieler Helfender. Zahlreiche Ahmadiyya-Muslim:innene sind selbst nach Deutschland geflüchtet oder stammen aus Familien, die wegen religiöser Verfolgung ihre Heimat verlassen mussten. In mehreren Ländern gilt die Ahmadiyya-Gemeinschaft als Minderheit und ist Diskriminierung und Gewalt ausgesetzt. Daher Viele wissen viele aus eigener Erfahrung, was es heißt, auf Schutz und Unterstützung angewiesen zu sein.
Diese Biografien prägen das Handeln. Hilfe ist hier keine abstrakte Idee, sondern eine Konsequenz aus Erlebtem. Wer selbst Notlagen kennt, reagiert anders, wenn andere in Not geraten. Vielleicht erklärt das, warum dieses Engagement so verlässlich ist und selten Aufmerksamkeit sucht.Der Neujahrsputz und die Einsätze von Humanity First stehen für eine Form von Solidarität, die ohne große Worte auskommt. Sie zeigen, dass gesellschaftlicher Zusammenhalt nicht dort entsteht, wo viel diskutiert wird, sondern dort, wo Menschen handeln. Still, konsequent und zum Nutzen aller.
Beitragsbild: Nasir Ahmad
Die unglaubliche Reise des Isaac Wright Jr. – Teil 1