6 Alternativen für faire und nachhaltige Smartphones

von | 1. Januar, 2021

Dringend nötig und lange überfällig: die Revolution der nachhaltigen Elektronik-Herstellung


Du möchtest dein aktuelles Smartphone am liebsten so lange wie möglich benutzen, aber eben dieses Gerät macht dir ständig einen Strich durch die Rechnung? Dann sind folgende Beispiele vielleicht eine nachhaltige Alternative für dein nächstes Handy! Faire Smartphones sind noch eine Nische, aber dies bestimmen die Käufer:innen, also wir alle, mit.

„Schon wieder ist der Akku alle!“ – Der verflixte und erzwungene Neukauf von Smartphones

Wer kennt nicht das Problem des kaputten Handyakkus nach nur einem, manchmal zwei Jahren. Austauschen kommt gerade bei preiswerten Modellen selten in Frage, da die Reparatur fast so teuer ist wie ein Neues. Die geplante Obsoleszenz ist die, vom Hersteller aus Marktorientierung bewusst herbeigeführte, kurze Haltbarkeit technischer Geräte und Bauteile. Das führt zum schnellen Altern der Produkte und somit zum Neukauf. Wer da nicht mitmachen will, dem bleiben leider nur wenige Alternativen, welche Ressourcen sparen, auf faire Arbeitsbedingungen in der gesamten Lieferkette achten und somit Mensch und Umwelt nicht massiv schaden. Wo also das nächste Smartphone kaufen, wenn es nachhaltig und nicht allzu teuer sein soll?

1. Der Klassiker unter den fairen Smartphones: das Fairphone

„Die endlosen Möglichkeiten für eine faire Zukunft – für alle“, die zeigt die niederländische Firma Fairphone B.V. bereits seit 2013. Insgesamt drei Modelle sind bisher auf dem Markt, in der Verarbeitung, Technologie und vor allem im nachhaltigen Ressourcengewinn hat sich Fairphone dabei immer weiter verbessert. Das Fairphone ist das Ergebnis eines offenen Designprojekts des Waag Institut aus Amsterdam. Viel öffentliche Aufklärung und neue Anstöße für die gesamte Mobilfunkbranche haben wir dem Vorreiter zu verdanken. Lang lebe das Fairphone (tut es wirklich, denn auf Langlebigkeit achtet das Unternehmen besonders)!

2. Eine regionale Fairphone-Alternative: das Shiftphone

Falkenberg: In der kleinen hessischen 800-Seelen-Gemeinde werden Smartphone-Konzepte entwickelt, die FairTrade-Herzen höher schlagen lassen. Zwar produziert das Social Business seine Modelle nicht vor Ort, achtet aber von fairen Löhnen und Arbeitsbedingungen in seinen Produktionsstätten (in beispielsweise China), über Transparenz und Ressourcen-Sparsamkeit bis hin zu Modularität und Reparierfähigkeit auf Nachhaltigkeit. Nett ist auch der im Shiftphone integrierte Warnhinweis, Zeit sinnvoll zu nutzen, denn Menschen sind nun mal wichtiger als das Smartphone. Die Modelle liegen zwar in der höheren Preisklasse, sind aber mit den niederländischen Fairphones zu vergleichen.

3. „Proudly African“, das Mara Phone aus Ruanda

Ressourcen-Plünderung eines Kontinents, Kinderarbeit und Konfliktrohstoffe wie seltene Erden sind die traurigen Schattenseiten der Elektronik-Herstellung. Mara Phone versucht deshalb die Wertschöpfung aus den kontinentalen Ressourcen auch auf dem Kontinent zu garantieren. Das Unternehmen ist der erste, und aktuell noch einzige Smartphonehersteller auf dem afrikanischen Kontinent, drei Modelle sind schon auf dem Markt. Seinen Hauptsitz hat Mara Phone in Kigali, Ruandas Hauptstadt. Als Zielgruppe wird hauptsächlich der afrikanischen Kontinent bedient, mittlerweile wird jedoch in die ganze Welt geliefert. Das Preis-Leistungsverhältnis ist top und das Unternehmen hat sich den SDGs (Sustainable Development Goals) verpflichtet.

4. Ein Lichtblick am Horizont! Gigaset produziert Smartphones ‚Made in Germany‘

Bocholt: Seit 2008 wurden hier keine Handys mehr hergestellt – bis 2018. Die Modelle von Gigaset (Affiliate-Link*) finden ihren Produktionsweg zurück nach Deutschland. Anders als im Ausland, herrschen hier vor allem faire Arbeitsbedingungen und Transport und Verpackung sind sehr viel nachhaltiger. Der Hersteller wirbt mit einem guten Preis-Leistungsverhältnis. Allerdings werden ein Großteil von Gigaset-Produkten und ihren Bauteile weiter in China produziert. Trotzdem ist Gigasets „Made-in-Germany“ Modell eine kostengünstige Option, die Smartphone-Produktion in Deutschland zu fördern. Zu 60 Prozent kann das Smartphone hier hergestellt werden. Warum nicht alle Teile des Handys hier gefertigt werden können? Die Nachfrage danach ist noch nicht groß genug.

5. Noch mehr Telefone aus Deutschland: Carbon Mobile & Blloc

Ganz neu mit dabei ist noch das Carbon Mobile, das es bis jetzt allerdings nur für einen ordentlichen Preis vorzubestellen gibt. Durch das Carbon-Gehäuse ist das Smartphone nicht nur leichter, sondern verwendet auch anstelle von Plastik bio-basierte Rohstoffe. Auf Minimalismus und Energiesparen hat sich Blloc aus Berlin spezialisiert, möglich macht dies vor allem die eigene auf Android basierte Benutzeroberfläche. Kurzum, wer beim Kauf vom Smartphone nach nachhaltigen Produktionen sucht, dem bietet sich mehr und mehr eine größere Auswahl. Denn faire Smartphones sind nun endlich auf dem Vormarsch.

6. Nichts dabei? Wie wär’s mit einem second-hand Smartphone?

Bis zu 70 % der CO2e Emissionen und bis zu 40 % Kosten sparen, verspricht das österreichische Start-up Refurbed (Affiliate-Link*) beim Kauf eines ihrer aufgearbeiteten Geräte. Ein riesiges Sortiment, Qualität und Garantie bietet der Online-Marktplatz. Damit ist er neben Ebay und anderen digitalen Plattformen sicherlich eine gute Wahl für diejenigen, die ihrer Marke und Produktlinie treu bleiben wollen. Nicht zu vergessen sind natürlich noch die vielen lokalen Gebrauchtwarenhändler vor Ort. Flohmärkte, aber auch viele Second-hand Läden bieten Elektronik an.

Fazit: Nachhaltigkeit ist und bleibt Definitionssache

Eine wirkliche Einordnung welches der genannten Smartphones nun das aller Nachhaltigste ist, fällt schwer. Denn jede Firma und jeder Produktionsstandort verbraucht unterschiedliche Ressourcen und achtet auf verschiedene Kriterien und Sozialstandards. Letztendlich muss Jede:r nach den eigenen Prioritäten entscheiden. Eins ist aber gewiss: lange Nutzung und second-hand garantiert Ressourcen-Schonung! Und in der Produktion und dem Kauf (!) von Elektronik ist viel Luft nach oben für nachhaltiges globales Denken und Handeln.

Beitragsbild: © Rahul Pandit / Pexels

*Affiliate-Link: Wir erhalten eine Provision für gekaufte Produkte.

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Julia Fritzsche

Für eine wirklich bessere Welt brauchen wir Erfolgstories, positive Beispiele und eine große Portion Hoffnung. Mein Herz brennt für Nachhaltigkeit, daher studiere ich sozial-ökologische Resilienz in Stockholm. Durch meine Beträge beim Good News Magazin hoffe ich zu motivieren, sich für eine positivere Welt einzusetzen!

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