Wieder mehr als 1000 Pinselohren in Spanien und Portugal

Er ist wieder da: Der Artenschutz feiert die Rückkehr des Iberischen Luchses

von | 15. Juni, 2022

Vor 20 Jahren war der Iberische Luchs die weltweit am stärksten gefährdete Katzenart. Seitdem hat sich die Population mehr als verzehnfacht.

Es ist ein enormer Erfolg für den Artenschutz: Lange galt der Iberische Luchs als vom Aussterben bedroht. Im Jahr 2002 zählte man nur noch 94 Exemplare der Katzen mit den markanten Pinselohren, die etwa halb so groß sind wie ihre eurasischen Verwandten. Die Jagd, der Verlust ihres natürlichen Lebensraums und ein drastischer Rückgang ihrer wichtigsten Beutetiere, der Kaninchen, hatten die Spezies an den Rand der Ausrottung gebracht. Doch mit Hilfe von Schutz- und Zuchtprogrammen hat sich der Bestand erholt. Heute gibt es auf der Iberischen Halbinsel wieder mehr als 1.111 Luchse.

Schutzprogramme zahlen sich aus

Erste Projekte zum Schutz der Raubkatze, die auch Pardelluchs genannt wird, entstanden in Spanien und Portugal bereits in den 1990er Jahren. Im Jahr 2002 startete dann das LIFE Lynx Project unter dem Schirm des bereits 1992 initiierten EU-weiten LIFE-Programms zur Förderung von Umweltbelangen. Im Rahmen des Programms, das mehr als 20 Organisationen vereint, entstanden in den letzten Jahrzehnten mehrere Zentren zur Nachzucht und späteren Auswilderung der seltenen Katzen. 

Mit einer Förderhöhe von bisher über 84 Millionen Euro ist das Programm zur Rettung des Iberischen Luchses eine der größten Naturschutzinvestitionen, die in Europa je getätigt wurden. Und sie zahlt sich aus. Denn die Widerstandsfähigkeit der kleinen Großkatzen ist erstaunlich. 

Nicht nur pflanzen sich die Luchse in Gefangenschaft leicht fort, auch die Zahl der Tiere, die nach ihrer Auswilderung in freier Wildbahn überlebten, überstieg die Erwartungen der Naturschützer:innen deutlich. So konnte sich die Population signifikant erholen und das sogar so weit, dass der Iberische Luchs inzwischen nicht mehr als vom Aussterben bedroht gilt: Im Jahr 2015 änderte die IUCN – kurz für International Union for Conservation of Nature, in Deutschland auch Weltnaturschutzorganisation genannt – seinen Status auf der roten Liste zu „stark gefährdet“.

Hi-tech Ampeln für Luchse und Aufklärung für die Bevölkerung

Diese Einstufung heißt aber auch, dass noch Einiges zu tun bleibt, um sicherzustellen, dass sich der Bestand der Pardelluchse weiter erholt. Das Ziel der 2020 eingeläuteten neuen Phase des Life-Programms, Life LynxConnect, ist es, das Territorium der Katzen auszuweiten und zu verbinden. Bislang leben diese hauptsächlich in fünf isolierten Gruppen in Spanien und Portugal, in diesem Jahr sollen zwei Gruppen in Regionen bei Granada und Murcia hinzukommen. Zehn neue Korridore sollen es den Luchsen nun nicht nur erlauben, sich freier zwischen den Gebieten zu bewegen, sondern insbesondere ihren Genpool zu diversifizieren – eine wichtige Grundvoraussetzung für die erfolgreiche Fortpflanzung und Vergrößerung der Population. 

Die größte Gefahr für die Pardelluchse geht vom Straßenverkehr aus, dazu kommt die Jagd durch Grundbesitzer:innen, die die Raubkatzen als Bedrohung für ihr Vieh wahrnehmen. Neben immer mehr Straßenunterführungen für Luchse hat Spanien daher sogar ein neues Ampelsystem installiert, das Autofahrer:innen auf der Basis von Infrarotmessungen und Wärmebildkameras mit Hilfe eines elektrischen Signals darauf aufmerksam macht, wenn ein Tier sich der Straße nähert. Verschiedene Initiativen organisieren außerdem Treffen mit Grundbesitzenden, um diese darüber aufzuklären, dass die Katzen nur eine extrem geringe Gefahr für Haustiere und Vieh darstellen. Mit Erfolg: Anstatt Jagd auf Pardelluchse zu machen, bieten viele Grundbesitzende inzwischen sogar gezielt Touren an, auf denen Besucher:innen die Tiere in freier Wildbahn sehen können.

Erfolgsgeschichte mit Symbolcharakter

Der Einsatz für den Schutz der Luchse hat auch die breitere Bevölkerung erreicht – und einen gewissen Stolz auf die seltene Iberische Katze entfacht. Sie ziert nun sogar die erste und einzige spanische Bullion-Coin, eine Anlagemünze mit Sammlerwert, die im Dezember 2021 in Umlauf gebracht wurde. 

Auch in Portugal ist der Stolz auf den Luchs sichtbar, zum Beispiel im Parque das Nações in Lissabon. Dort steht seit Sommer 2019 eine über 10 Meter hohe Skulptur eines Iberischen Luchses, entworfen vom portugiesischen Künstler Artur Bordalo, bekannt als Bordalo ii. Als Teil seiner Serie Big Trash Animals macht sie gleichzeitig auf die Auswirkungen des menschlichen Konsumverhaltens auf die Umwelt aufmerksam.

Das gesteigerte Bewusstsein ist ein gutes Omen für weitere Investitionen in Schutzmaßnahmen und rückt ein wichtiges Ziel in greifbare Nähe. Denn um das Fortbestehen der Pardelluchse zu garantieren, muss die Population nach Angaben des World Wildlife Fund auf mindestens 3.000 bis 3.500 Tiere anwachsen, davon auf 750 fortpflanzungsfähige Weibchen. Dank der großen Erfolge in den letzten 20 Jahren könnte dieses Ziel 2040 erreicht werden.

Beitragsbild: Lynxexsitu

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Luisa Vogt

Luisa Vogt ist Redakteurin beim Good News Magazin. Nach ihrem Sprachstudium arbeitet sie jetzt als Übersetzerin bei einem nachhaltigen Start-Up in Berlin. Beim Good News Magazin lebt sie ihre Leidenschaft für Sprache und für spannende, schöne Berichte aus aller Welt - weil die Welt viel mehr realistischen Idealismus braucht.

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