5 Effekte einer verkürzten Arbeitszeit

Darum ist die 4-Tage-Woche nachhaltig

von | 22. März, 2023

In diesem Auszug aus dem neuen Buch „4 TAGE WOCHE“ zeigt Martin Gaedt, warum die 4-Tage-Woche nachhaltiger ist als die derzeitige 5-Tage-Woche.

Präsentiert von Martin Gaedt, dem Autor der 4 TAGE WOCHE (Werbung)

Wir brauchen sauberes Wasser, vielfältige Biodiversität und fruchtbare Böden für ein gesundes Leben. Deshalb erklären die Vereinten Nationen saubere Umwelt zum Menschenrecht. Die 4-Tage-Woche kann relevante Beiträge leisten, die Grundlagen unseres Lebens zu erhalten.

Zeitwohlstand statt CO2

„Mit meiner Geschäftsidee bin ich weit vorne“, sagte Friseurmeister Bernd Ritter 2019, als er in Löhne im nördlichsten Teil von Nordrhein-Westfalen nur noch von Dienstag bis Freitag seinen Salon öffnet. 

„Wir schützen die Umwelt, wenn meine Angestellten nur noch vier Tage die Woche mit dem Auto zum Arbeitsplatz fahren müssen“, betont Bernd Ritter

Damit ist er seiner Zeit voraus. Alle weltweit durchgeführten Experimente zur 4-Tage-Woche belegen inzwischen diesen Effekt. 

Das Bauunternehmen Leithäusl führte im März 2022 die 4-Tage-Woche für alle 450 Mitarbeitenden in Österreich ein. An den freien Freitagen bleiben die Fahrzeuge auf ihren Parkplätzen und in ihren Garagen. Nach sechs Monaten hatten sie zusammen bereits 47 Tonnen CO2 weniger produziert als im Jahr zuvor, und zum Jahresende summierte sich die CO2-Einsparung auf 72,5 Tonnen. Die CO2-Einsparung lässt sich ganz einfach anhand der gefahrenen Strecken berechnen: Die Leithäusl-Fahrzeuge fuhren 202.519 Kilometer weniger als im vergleichbaren Zeitraum zuvor – eine Strecke, die 5-mal um die Erde reicht, wurde eingespart – und trotzdem leistete das Unternehmen den gleichen Arbeitsumfang und erzielte denselben Umsatz wie im Vorjahr. 160.000 Euro spart die Firma Leithäusl 2022 ein, weil die Fahrzeuge am Freitag stehen bleiben!

Die GEG Elektro und Gebäudetechnik in Gmunden, Österreich spart durch die Einführung einer 4-Tage-Woche 2.500 Fahrkilometer pro Woche, berichtet Herbert Hartl, Geschäftsführer Finanzen.

„Durch die 4-Tage-Woche in der Montage werden bereits seit 2 Jahren ca. 25 Tonnen CO2 jährlich eingespart, mit den E-Fahrzeugen verbessert sich der ökologische Fußabdruck der GEG weiter.“

Eigentlich liegt es auf der Hand: Ein Tag weniger Arbeit bedeutet einen Tag weniger Verkehr aller Maschinen und weniger Pendelverkehr zur Arbeit und zurück. Wenn statt an 5 nur noch an 4 Tagen gearbeitet wird, und in dieser Zeit dieselbe Leistung erbracht wird, reduziert sich die CO2-Emission durch den Berufsverkehr um ein Fünftel, also um 20 %. Dazu kommt der Effekt, dass in vielen Betrieben dann auch weniger Energie verbraucht wird. Das betrifft den Einsatz von Maschinen und die Klimatisierung der Büroräume, die nicht eingeschaltet werden.

Hochgerechnet auf ganze Regionen, Länder und Kontinente entfaltet die Energieeinsparung einzelner Betriebe ein für den Klimaschutz relevantes Potenzial. So könnte zum Beispiel in Großbritannien die flächendeckende Einführung der 4-Tage-Woche die landesweiten Emissionen bis 2025 um 127 Millionen Tonnen CO2 reduzieren. Das würde eine Einsparung von über 20 % der gesamten CO2-Emission dieses Landes bedeuten!

Auch im Sanitär-Handwerksbetrieb Schmauser spart die 4-Tage-Woche Energie und damit auch CO2-Emissionen. Die Einsparungen bei Strom- und Heizkosten kann Firmenchef Thomas Schmauser noch nicht genau beziffern, doch bei den Spritkosten spürt er jetzt schon einen Kostenrückgang, denn von Freitag bis Sonntag bleiben alle drei Firmenfahrzeuge stehen.

Wenn Betriebe Energiekosten sparen, reduzieren sie auch ihren CO2-Fußabdruck. Für manche Unternehmen ist der Wunsch nach Klimaschutz Auslöser für die Umstellung auf 4 Arbeitstage, bei anderen stehen Kosteneinsparungen im Vordergrund. In beiden Fällen ist das Ergebnis dasselbe: zufriedenere und gesündere Angestellte, geringere Energiekosten, mehr Klimaschutz – und all das bei gleichbleibendem oder sogar steigendem Ertrag. Dass diese Zusammenhänge fast überall funktionieren, zeigen mehrere international durchgeführte Studien.

Sie nennen fünf Effekte einer verkürzten Arbeitszeit:

  • Effekt 1: Stromverbrauch sinkt in Büros durch weniger Beleuchtung, Heizungswärme, Aufzüge, Rechner, Kochen in Kantinen und Maschinen in der Produktion.
  • Effekt 2: Pendelverkehr sinkt: In einer Studie der University of Reading wurden 2.000 Beschäftigte und Unternehmer zum Pendelverhalten befragt. In zwei Dritteln der Betriebe mit einer 4-Tage-Woche fahren die Beschäftigten weniger mit dem Auto. Wer mehr Zeit hat nutzt eher das Fahrrad, geht zu Fuß und fährt in öffentlichen Verkehrsmitteln.
  • Effekt 3: Konsum wird klimafreundlicher: Haushalte mit längeren Arbeitszeiten haben einen deutlich größeren CO2-Fußabdruck. Einen zusätzlichen freien Tag verbringen zwei Drittel der Befragten mit Familie und Freunden, das schont Ressourcen.
  • Effekt 4: Mehr Freizeit führt zu CO2-sparenden Aktivitäten wie Lesen, Spielen, Weiterbildung, Zeit mit der Familie, Filme sehen, Sport und mehr Fußwege. Es ist also nicht so, dass der Effekt des gesparten Arbeitsweges durch Wochenendausflüge mit dem Auto – die es natürlich auch gibt – wieder aufgehoben wird.
  • Effekt 5: Mehr Zeit für Bewegung und für gesunde Ernährung stärken die Gesundheit, und auch das spart CO2, denn lange Arbeitszeiten bedeuten Stress mit erhöhtem Risiko für Burn-Out, Muskel-Skelett-Beschwerden und psychische Erkrankungen. Ärzte, Krankenhäuser und Therapien brauchen viel Energie, und Medikamente haben energieintensive Lieferketten.

All diese Effekte reduzieren den CO2-Fußabdruck von Unternehmen mit einer 4-Tage-Woche. Schon 2012 berechnete eine Analyse des Political Economy Research Institute der Universität of Massachusetts:

  • „Wenn wir unsere Arbeitszeit um 10 % verringern würden, würde sich unser CO2-Fußabdruck um 14,6 % reduzieren.
  • Wenn wir die Arbeitszeit um 25 % reduzieren würden, würde der CO2-Fußabdruck um 36,6 % sinken.“

Umgekehrt kam eine Studie von 2007 bis 2013 zu dem Ergebnis: Je mehr US-Amerikaner arbeiten, desto mehr Emissionen verursachen sie.

Philipp Frey vom Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse in Karlsruhe weist darauf hin, dass der Unterschied zwischen Werktagen und Wochenendtagen mit Satelliten messbar ist: „Die Emissionen an einem Arbeitstag sind fast doppelt so hoch wie am Wochenende.“ Dies gilt für Europa und Nordamerika. Frey wünscht sich beim Klimaschutz anstatt einer Verzichtsdebatte eine positive Sicht darauf, „wie wir unseren Zeitwohlstand mehren können.“

Eine Zusammenschau internationaler Studien zeigte 2021, dass verkürzte Arbeitszeiten eine zentrale Rolle bei der Dekarbonisierung spielen. Es hat also einen guten Grund, dass im letzten Report des Weltklimarates reduzierte Arbeitszeit explizit als Klimaschutzmaßnahme genannt wird. 

4 Tage Woche bringt Klimaschutz

„Eine Verkürzung der Erwerbsarbeitszeit wäre der mächtigste Türöffner für eine klimagerechte Transformation“, schreibt der Politikwissenschaftler Lasse Thiele und fordert: „Lasst uns Arbeitszeit verlieren!“

Der dritte Tag Freizeit wird zur Erholung und Entspannung genutzt, für Zeit mit Freunden, Familie, Hobbys, Sport und Kultur. Wer mehr freie Zeit hat, …

  • … kocht häufiger selbst frisch und gesund mit weniger Abfall, statt unterwegs Fastfood in Take-aways und Getränke to go zu kaufen, und so jede Menge Müll zu produzieren.
  • … nimmt sich Zeit, Dinge zu reparieren, statt alles neu zu kaufen.
  • … steigt eher aufs Rad und in die Bahn um.

Intuitiv scheint eine 3-Tage-Freizeit bei gleichem Lohn ökonomisch unmöglich zu sein. Doch auf den zweiten und dritten Blick ist es sowohl ökonomisch möglich als auch ökologisch wertvoll.

Das Buch ist überall im lokalen Buchhandel und überall online z.B. bei ThaliaHugendubel oder bei Amazon bestellbar.

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Beitragsbild: Depositphotos

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David Gaedt

David Gaedt ist Gründer des Good News Magazins, das er 2016 als Hobby auf Social Media startete. 2020 lernte er Florian Vitello und Lucia Oiro kennen – gemeinsam begann die Professionalisierung des Mediums und so besteht das GNM heute aus über 25 Personen, die gute Nachrichten und Lösungsansätze verbreiten! David studierte Sportmanagement (und BWL) und ist darüber hinaus ein passionierter Fußballfan. Sein Lieblingssport lehrt ihn im Alltag und Geschäftsleben, auch in schwierigen Zeiten am Ball zu bleiben. Davids Spezialfähigkeit: Herausforderungen und Rückschläge in positive Energie umwandeln.

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