Aborigines bekommen ihr Land zurück

Landrechte des ältesten Regenwalds der Welt gehen an indigene Bevölkerung zurück

von | 9. Oktober, 2021

Der australische Bundesstaat Queensland gibt den tropischen Regenwald im Daintree-Nationalpark zurück an Aborigines.

Mit über 180 Millionen Jahren ist der Regenwald des Daintree-Nationalparks im Norden Australiens der älteste heute noch bestehende Regenwald der Welt. Seit wenigen Tagen steht der tropische Regenwald im Gebiet des Nationalparks wieder unter der Verwaltung der Eastern Kuku Yalanji, die dieses Land seit unzähligen Generationen bewohnen. Das übertragene Gebiet im Bundesstaat Queensland beträgt eine Gesamtfläche von über 160.000 Hektar und besteht aus der Cedar Bay (Ngalba Bulal), dem Black Mountain (Kalkajaka) und den Hope-Islands-Nationalpark – ein Gebiet, das direkt an das Great Barrier Reef grenzt.

Der Daintree ist bekannt für seine hohe Artenvielfalt mit über 3.000 Pflanzenarten und mehreren hundert verschiedenen Tierarten. Damit hat das Gebiet des Daintree-Nationalparks nicht nur einen tropischen Regenwald von besonderer Bedeutung, sondern ist auch ein Schutzraum für viele Arten des Planeten und eine Stütze des Weltklimas.

Ein Signal zur Stärkung indigener Rechte weltweit

Als der Nationalpark im Jahr 1988 von der UNESCO zur World Heritage Site erklärt wurde – trotz der starken Ablehnung des Bundesstaates Queensland – hat die Regierung die indigene Bevölkerung nicht an den Prozessen beteiligt. Chrissy Grant ist selbst Teil der Eastern Kuku Yalanji, die dieses Land traditionell bis heute bewohnen. Grant erklärt gegenüber dem Guardian die Einseitigkeit des Prozesses der Anerkennung durch die UNESCO: „1988 gab es keine Konsultation der Aborigines und keine Anerkennung für den Wert als ältester Regenwald der Welt, der durchgehend von Aborigines bewohnt ist. […] Man tat dies in Eile, um die Abholzung des Waldes zu stoppen, dabei hat man allerdings die Aborigines vollkommen ignoriert.“

Mit der jetzigen Übertragung der Rechte hat sich dies allerdings geändert. In einer Presseerklärung der Regierung des Bundesstaates Queensland, erklärte die Ministerin für Umwelt, das Great Barrier Reef und Wissenschaft und Jugend, Meagan Scanlon: „Die Kultur der Eastern Kuku Yalanji ist eine der ältesten lebenden Kulturen der Welt und dieses Abkommen anerkennt ihr Recht, ihr Land zu besitzen und zu verwalten, ihre Kultur zu schützen und sie mit Besuchern zu teilen, während sie Vorreiter in der Tourismusbranche werden.“ Das Land soll laut des Abkommens in Zusammenarbeit von den Eastern Kuku Yalanji und dem Bundesstaat Queensland verwaltet werden. Es ist allerdings auch vorstellbar, dass die Verwaltung des geschützten Landes in Zukunft vollständig den Kuku Yalanji übertragen wird.

Die Rückgabe der Landrechte der Kuku Yalanji in Australien ist ein starkes Signal für die Anerkennung der Existenz- und Besitzrechte indigener Völker und soll speziell in Australien einen weiteren Schritt zur Versöhnung beitragen.

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Beitragsbild: Manny Moreno / Unsplash

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Julian Huesmann

Ich habe eine starke Verbindung zu Asien, insbesondere Vietnam. Seit 2019 schreibe ich als freier Autor Beiträge für ein vietnamesisches Magazin. Dadurch bin ich zum Journalismus gekommen. Jenseits von Staatsgrenzen und Identitäten beschäftigen mich Fragen, was Kulturen und Gesellschaften zusammenhält und wie bessere Gesellschaften möglich sind. Auch um dem Kulturpessimismus der breiteren Medienlandschaft entgegenzuwirken, schreibe ich seit kurzem für das Good News Magazin. Denn auch gute Nachrichten verdienen Aufmerksamkeit.

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