Querschnittgelähmte Mäuse können wieder laufen: Kölner Forschende entwickeln einen neuen Ansatz gegen Rückenmarksverletzungen und Querschnittlähmung.
Mit Vanillegeschmack, als Riegel, tierisch oder pflanzlich – Proteine gelten als Gamechanger in den Ernährungswissenschaften. Seit kurzem wird dem Tausendsassa nun ein weiterer Pluspunkt zugeschrieben. Laut aktuellen Forschungsergebnissen der Universität Köln können mithilfe eines künstlich hergestellten Proteins Nervenzellen angeregt werden, die zuvor verletzt waren. Ziel ist es, einen neuen Behandlungsansatz für Rückenmarksverletzungen sicherzustellen.
Protein ist nicht gleich Protein
Wenn wir über eine ausreichende Proteinzufuhr sprechen, geht es eigentlich immer um das Protein als Nahrungsbestandteil. Das Bundeszentrum für Ernährung (BZfE) beschreibt sie als „Baustoffe des Lebens”. Sie sind wichtig, um unser Immunsystem intakt zu halten, andere Nährstoffe zu transportieren und unserem Körper Energie zu liefern.
Das Protein, um das es in dieser Good News geht, ist aber ein anderes.
Mithilfe des künstlich hergestellten Proteins Hyper-Interleukin-6 (hIL-6) aktivieren Forschende an der Medizinischen Fakultät der Universität Köln Signalwege in verletzten und unverletzten Nervenzellen von Mäusen. Dabei lässt sich das Protein direkt an die betroffenen Nervenzellen andocken und funktioniert damit wie eine Art Schlüssel im Schloss. Das Besondere daran: Es repariert nicht nur beschädigte Zellen, sondern regt auch gesunde, intakte an, aktiv zu werden. Innerhalb der Zelle wird dann eine Kette von molekularen Reaktionen angestoßen. Man kann sich das vorstellen wie einen Dominoeffekt, der am Ende dazu führt, dass die Zelle ihr Verhalten ändert. In der frisch veröffentlichten Forschungsarbeit unter der Leitung von Prof. Dr. Dietmar Fischer, Direktor des Zentrums für Pharmakologie an der Uniklinik Köln, führte das dazu, dass komplett querschnittgelähmte Mäuse einige Wochen nach der Behandlung wieder laufen konnten.
hIL-6 wird in den Nervenzellen selbst gebildet
Der eigentliche Clou an der Methode: Es wird kein fertiges Protein ins Gewebe gespritzt. Stattdessen wird auf ein Trägervirus als „Transportfahrzeug” zurückgegriffen, um an den Motorkortex zu gelangen. Dieser ist der Teil der Hirnrinde, der willkürliche Bewegungen plant, startet und speichert. Der Virus, der zuvor harmlos gemacht wurde, schleust den Bauplan für hIL-6 in die Nervenzelle ein. Erst einmal am richtigen Ort, liest die Zelle den eingeschleusten Bauplan aus und produziert das Protein dann selbst.
Über Nervenbahnen weitertransportiert
Nervenzellen haben lange Fortsätze (Axone), die wie Kabel Signale, aber eben auch Proteine, über weite Strecken transportieren können. Das im Motorkortex produzierte hIL-6 reist die Ner…
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