„Yes, we can end TB!”, so lautet das Motto des diesjährigen Welttuberkulosetags am 24. März. Im Interview klärt Tuberkulose-Expertin Julia van Hake über wichtige neue Behandlungs- und Diagnosemethoden im Einsatz gegen die Krankheit auf – und darüber, was jetzt noch nötig ist, damit dieses Motto Wirklichkeit wird.
“Ich würde mir wünschen, dass Tuberkulose nur einen Tag lang weltweit sichtbar wäre – auf allen Bildschirmen, Titelseiten und Social Media Kanälen. Vielleicht würde die Welt dann endlich anfangen zu handeln.”
Das sind die Worte von Julia von Hake, die als Ärztin im Zentrum für Tuberkulosekranke-, und gefährdete Menschen in Berlin Lichtenberg arbeitet. 2018 war sie Teil der Studie TB-Practecal von Ärzte ohne Grenzen, die innovative Ansätze zur Behandlung resistenter Tuberkuloseformen in Belarus, Südafrika und Usbekistan testete. Es folgten Einsätze für Ärzte ohne Grenzen in Libyen, Südsudan und der West Bank.
Ein Tag Sichtbarkeit für die tödlichste Infektionskrankheit der Welt, das ist nicht nur der Wunsch von Julia von Hake, sondern auch der Gedanke hinter dem Welttuberkulosetag. Seit 1982 findet dieser jedes Jahr am 24. März statt, ein alles andere als zufällig gewähltes Datum. Denn am 24. März 1882 gab Robert Koch in Berlin erstmalig die Entdeckung des Tuberkuloseerregers bekannt.
Über 140 Jahre später erkranken noch immer jedes Jahr mehrere Millionen Menschen an Tuberkulose. Das Motto des Welttuberkulosetags 2026 verspricht: “Yes! We can end tuberculosis!” Ein realistisches Ziel?
Ja, ist sich Julia von Hake sicher. Vielleicht nicht bis 2035, das Jahr, das die Weltgesundheitsorganisation WHO 2014 als Zeitpunkt genannt hatte, bis zu dem das ambitionierte Ziel erreicht werden sollte, “die globale Tuberkulose-Pandemie zu beenden”. Aber mit der nötigen Aufmerksamkeit und Finanzierung müsse dieses Ziel auch nicht mehr in ferner Zukunft liegen, sagt von Hake. Denn gerade in den letzten Jahren wurden vielversprechende neue Ansätze der Behandlung und Diagnose von Tuberkulose entwickelt.
Warum wir über Tuberkulose sprechen müssen
Über eine Million Menschen starben 2024 laut Zahlen der WHO an Tuberkulose. Mit Ausnahme der Covid-Jahre, in denen der Zugang zu Diagnose und Behandlung stark eingeschränkt war, ist die Zahl der Todesfälle zwar in den letzten Jahrzehnten konstant zurückgegangen. Dennoch ist Tuberkulose weiterhin die tödlichste Infektionskrankheit der Welt. Die Zahl der Neuinfektionen bleibt hoch: Auf über 10,7 Millionen schätzte die WHO sie 2024, die Dunkelziffer ist vermutlich deutlich höher.
Lungentuberkulose ist eine Erkrankung, die durch Tröpfcheninfektion übertragen wird. Damit gibt es ein hohes Ansteckungrisiko: “Jede infizierte Person kann neue Personen anstecken”, ruft Julia von Hake ins Gedächtnis. Besonders weit verbreitet ist die Krankheit in Südostasien, dem westlichen Pazifik und Afrika. Einkommensschwache Länder oder Regionen sind stärker betroffen, mangelnde Hygiene und Mangelernährung sind häufig besondere Risikofaktoren.
Was genau aber steckt hinter der Krankheit?<…
Fortschritte im Einsatz gegen Tuberkulose