Paul Denkhaus ist Koch, Pädagoge und Musiker, genauer gesagt: Rapper. All diese Leidenschaften bringt er zusammen, um Kindern Wissen über gesunde Ernährung zu vermitteln. Ob in den Workshops seines House of Flavor and Rap oder durch seine Künstlerfigur McRecipe, er sorgt dafür, dass Kinder Hülsenfrüchte, Brokkoli & Co. probieren – und Bock bekommen, zu kochen.
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Alles begann eines Tages, als der junge Paul Denkhaus während seiner Kochausbildung dabei war, etwas zu zerhacken oder mit dem Schneebesen aufzuschlagen – was genau ist heute nicht mehr ganz klar, und auch nicht wichtig. Denn das Wichtige war die Erkenntnis, die ihm dabei kam: “Das hat ja einen Takt. Dazu könnte man rappen!”
Der Gedanke ließ ihn nicht mehr los. Lange suchte er nach dem perfekten Rezept, um Kochen und Hip-Hop miteinander zu verbinden. Nach mehreren Jahren, einer Reise nach New York, die die Initialzündung gab, und langen Verfeinerungen im Rahmen seines Studiums (und inzwischen sogar Doktorarbeit) im Bereich Sozialarbeit und Pädagogik, ist aus seiner Ursprungsidee das House of Flavour and Rap entstanden, ein Workshopkonzept, bei dem Kinder über Hip-Hop und Ernährungscoaching gesundes Essen kennenlernen.
Aber die Fusion aus Rap und nachhaltigem Essen kann noch mehr: Mit seiner Künstlerfigur McRecipe schafft Paul Denkhaus Neugier für gesundes Essen, in kindgerechten Texten aufbereitet und mit HipHop-Beats unterlegt, auf der Show-Bühne oder zuhause am Esstisch. Ein Erfolgsrezept, das nicht nur die Kinderwelt begeistert.
Hip-Hop meets Hülsenfrucht
“So viele Dinge wie heute habe ich noch nie probiert.” – “Ich glaube, dieser Burger ist ab sofort mein Lieblingsessen. –” “Krass, der Erbsenburger kann ja richtig was!”
Das sind nur einige der Reaktionen, die die Workshops des House of Flavor and Rap bei den teilnehmenden Kindern hervorrufen. Vier Tage lang beschäftigen sie sich dabei mit gesunder und klimafreundlicher Ernährung, insbesondere mit Hülsenfrüchten als Fleischalternative. Jeden Tag wird gemeinsam gekocht und gegessen, selbstredend Gerichte mit Fokus auf Hülsenfrüchten – aber eben kinderfreundlich.
Immer mit dabei: Ein Foodcoach, der Wissen rund um nachhaltige Ernährung vermittelt und den Kindern Techniken rund ums Kochen zeigt. Und: Ein Rapcoach. Denn all das, was die Kinder übers Essen und Kochen lernen, schreiben sie am Ende in einem Raptext auf. Die einzelnen Texte werden zu einem großen Song zusammengeführt. Am vierten und letzten Tag steht dann das große Abenteuer an: Der Dreh eines professionellen Musikvideos, in dem die Kinder zu sehen sind, wie sie ihre neu gewonnenen Koch-Skills einsetzen, von Gemüse schneiden zu Falafel braten.
Die Kinder sind dabei die Chefs, nicht nur in der Küche, sondern vor allem, was den Ablauf angeht. Vor allem was die Texte und das Musikvideo angeht, ist die Meinung der Kids absolut ausschlaggebend, das Einzige, wo sie kein Mitspracherecht haben, sind die Rezepte. Das tut der Begeisterung allerdings keinen Abbruch. “Wir kriegen nach den Workshops oft Feedback von den Eltern, dass die Kinder viel öfter Lust haben, zu Hause zu kochen und auch Sachen, die sie vorher mit der Kneifzange nicht angefasst hätten, jetzt gerne essen”, berichtet Paul.
Rap zur Wissensvermittlung? Safe gesetzt.
Warum aber setzt das Projekt gerade auf Hip-Hop und Rap, um Kindern gesunde Ernährung nahezubringen? Hat das Genre doch einen gewissen Ruf, den sich nicht nur der “Skandal-Rapper” Sido kurzerhand in seinem bezeichnenden Titel “Schlechtes Vorbild” aneignete (und unter anderem provokativ proklamierte: “Ich bin all das wovor deine Eltern dich immer gewarnt haben”). Doch für Paul Denkhaus ist Hip-Hop viel mehr als sein Ruf. Für ihn “liegt es im Hip-Hop als Hip-Hop, als Kultur, schon seit Jahrzehnten mit seinen Grundzügen, Wissen zu vermitteln und über Wissen Menschen zu empowern.”
Gleichzeitig sieht er Rap mehr als viele andere Musikrichtungen mit Sprache und Ausdruck verbunden, als einen Stil, bei dem es darum geht, über Sprache Inhalte zu vermitteln und zu reflektieren. “Die Kids, oder Menschen allgemein, haben durch Rap, meiner Meinung nach, die beste Möglichkeit, schnell Gedanken in Form von Musik niederzuschreiben“, meint er.
Dazu kommt ein wichtiges Learning aus den vielen Jahren, in denen er am Workshop-Konzept gefeilt hat – und immer noch feilt, denn aktuell untersucht Paul im Rahmen seiner Doktorarbeit die positiven Effekte von Hip-Hop als Weg zur Ernährungsbildung: Es braucht mehr Entertainment in der Wissensvermittlung. Dafür sei Hip-Hop prädestiniert, erklärt Paul. Nicht umsonst sei der vierte Tag, an dem das Musikvideo gedreht wird, für die Kids das absolute Highlight. ”Da ist einfach eine ganz große Freude wahrnehmbar und riesiger Stolz, weil alle über sich hinausgegangen sind”. Hip-Hop bringt die Freude, die für den Workshop zentral ist. Oder, wie Paul es zusammenfasst:
“Genuss, gutes Essen, geile Zeit, Spaß, Bounce mit Musik. All das. Und da findet im Hip-Hop halt viel zusammen.”
Piep Piep Piep à la Hip-Hop
Wenn es schon um Musik und Entertainment geht: Genau dafür hat Paul Denkhaus McRecipe kreiert, sein Alter Ego. Mit der Kunstfigur schafft er eine klare Trennung zwischen Paul Denkhaus, dem Pädagogen und Doktorand und dem Rapper und Künstler – aka McRecipe. “Ein Flex, ein Checker, ein cooler Dude, der einfach Bock hat zu kochen”, der es ihm erlaubt, seine Künstlerstimme auszudrücken… und vielleicht etwas von seinem eigenen inneren Kind mit in die künstlerische Auseinandersetzung zu nehmen.
Denn seien wir mal ehrlich, wenn wir an unsere Kindheit denken, fällt uns sicher allen ein Moment ein, wo wir nach Hause kamen und uns total aufs Essen gefreut haben, nur um dann enttäuscht zu merken: Das, was hier gekocht wurde, bockt wirklich gar nicht. Genau solche Gefühle verpackt McRecipe in Titeln wie “IgittIgittIgitt” auf seiner gleichnamigen EP.
“Mein größter Ansporn ist, dass Kinder Bock bekommen zu kochen. Weil ich glaube, dass das der erste Schritt zu einer guten Ernährung ist.”
Paul Denkhaus
Wichtig für die Konstellation im McRecipe-Universum sind noch zwei weitere Charaktere: Der Bro, eine sprechende Brokkoli-Handpuppe, der eigentlich gar keinen Bock auf gesunde Ernährung hat. Und der Professor, das Gegenstück zum Bro, der “die langweiligen Themen übernimmt”, ergo Ernährungswissen vermittelt.
Das holt Kinder und Eltern ab. Viele von ihnen kämen nach Live-Shows aufrichtig berührt zu ihm, erzählt Paul Denkhaus. Eine Mutter habe erzählt, ihr Sohn bestehe auf “Piep-Piep-Piep” in der McRecipe-Version am Esstisch. Doch: “Das Coolste war eigentlich, als nach einer Live-Show jemand zu mir kam und meinte, sein Sohn, der davor Brokkoli niemals auch nur angeschaut hat, wollte es danach unbedingt mal probieren und isst seitdem richtig gerne Brokkoli. Das war einfach herzerwärmend”.

Auf dem (Speise)plan: Jede Menge Projekte
Nachdem er nach langer Suche nun die perfekte Rezeptur gefunden hat, sprudelt Paul vor weiteren Ideen, um das McRecipe-Universum zu erweitern: “Ich würde das gerne einem viel größeren Publikum eröffnen, diese Geschichte weiterspinnen und noch einen vierten Charakter, eine sprechende Zitrone hinzufügen. Ich möchte ein Kochbuch machen, die Live Show weiter ausarbeiten. Eine neue EP und vor allem auch ein Album rausbringen”, erzählt er. Fünf neue Songs seien in seinem Kopf schon fertig, jetzt steht nach der Promotion nächstes Jahr die Songproduktion an.
Die schon veröffentlichten fünf Songs findet man übrigens auf der Website. Alle, die Ohrwurm-Bedarf oder Interesse haben, können sich dort inspirieren lassen – und selbst von dem überzeugen, was eine anfangs skeptische Stimme der Kindermusik-Kritikseite (ja, sowas gibt es!) Mama Lauter! feststellen durfte: “Man spürt deutlich, dass dieses Projekt einem Herzensanliegen folgt. Und tatsächlich kriegt man auch richtig Bock auf Gemüse Fries.”
Rezept: Graffiti-Fries mit Hummus
Zutaten:
Graffiti-Fries
- 3 Gemüsesorten der Saison, jeweils 250g (z.B. Karotte, Pastinake, Kohlrabi)
- 250g Kartoffeln
- 2 EL Mehl
- 2 EL Paniermehl
- Ca. 6 EL Rapsöl
- 1 EL Thymian (getrocknet)
- Ca. 1 TL Salz
- Pfeffer
- Weitere Gewürze, je nach Geschmack (z.B. Paprika, Chili etc.)
- ½ Bund Petersilie
Hummus
- 1 Dose Kichererbsen (400g Füllmenge)
- 1 Knoblauchzehe
- Saft einer halben Zitrone
- 3 EL Olivenöl
- 2 EL helle Sesampaste (Tahine)
- Ca. 1 TL Salz
- Pfeffer
- Kreuzkümmel
Zubereitung:
Graffiti-Fries:
1. Den Ofen vorheizen (220°C Ober-/Unterhitze oder 200°C Umluft)
2. Gemüse und Kartoffeln waschen und schälen, alles in ca. 5 cm lange Stifte schneiden.
3. Gemüse und Kartoffeln mit den restlichen Zutaten, außer der Petersilie, in einer großen Schüssel vermengen
4. Im Ofen ca. 30 – 40 min goldbraun backen. Die Backzeit im Ofen hängt etwas von der Gemüseart ab. Härtere Sorten benötigen länger. Überprüfe unbedingt mit einem Gemüsemesser, ob die Fries schon gar sind.
5. Petersilie waschen und fein hacken.
6. Die fertigen Fries mit der gehackten Petersilie bestreuen.
Während die Graffiti-Fries im Ofen sind, das Hummus zubereiten.
Hummus:
1. Die Kichererbsen in einem Sieb abspülen und abtropfen lassen.
2. Knoblauch schälen und grob zerhacken.
3. In einer Schüssel oder einem Mixer werden anschließend alle Zutaten (Kichererbsen, Knoblauch, Zitronensaft, Olivenöl, Tahini, Salz, Pfeffer und Kreuzkümmel) püriert, bis eine cremige Masse entsteht.
4. Abschmecken, mit Salz und Pfeffer.
Die Graffiti-Fries zusammen mit dem Hummus servieren.
Gönnt euch!
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Quellen
Aus der Kritik von MamaLauter zu seiner EP:
„Was auf dem Papier nach einer aus pädagogischem Übereifer entstandenen Idee klingt, macht musikalisch durchaus was her.“
Beitragsbild: Paul Denkhaus
Über Hip-Hop bringt Paul Denkhaus Kindern gesunde Ernährung nahe