“Mit dem Training kann ich vielleicht die Welt ändern”

Empowerment: 17-Jährige setzt Taekwondo gegen Kinderehen ein

von | 5. Mai, 2021

Natsiraishe Maritsa ermutigt mit ihrem Taekwondo-Projekt junge Mädchen in Simbabwe für ihre Zukunft zu kämpfen und ihre Stimme gegen Zwangsheirat zu erheben.

Im Land Simbabwe In Afrika werden schätzungsweise 34 Prozent der minderjährigen Mädchen verheiratet. Nicht selten werden die Mädchen dazu gezwungen. Gründe können Armut, traditionelle oder religiöse Praktiken sein. Die Mädchen der jüngeren Generationen zu verheiraten, dient oft dazu, finanziell schlechter gestellten Familien die Belastung etwas abzunehmen. Der Preis, den der zukünftige Ehemann zahlt, dient der finanziellen Sicherung, erklärt die Organisation „Girls not Brides“. Das möchte die 17-jährige Natsiraishe Maritsa auf eine ungewöhnliche Art und Weise ändern. Mit Taekwondo. Sie selbst praktiziert die Sportart seit ihrem fünften Lebensjahr. Mittlerweile hat sie den schwarzen Gürtel.

Das Projekt: Vulnerable Underaged People’s Auditorium

Natsiraishe Maritsa startete ihr Projekt “Vulnerable Underaged People’s Auditorium” (dts:.: „Auditorium für schutzbedürftige minderjährige Personen“) im Jahr 2018. Das Ziel des Projektes ist, jungen Frauen zu zeigen, dass sie auch fernab der Ehe eine Zukunft haben können. Eine selbstständige Zukunft. Der Auslöser war, als Natsiraishe Maritsa mit 15 Jahren tatenlos zuschauen musste, wie ihre Freundinnen die Schule verließen, weil sie heiraten mussten. Auf sportliche Art und Weise sollen junge Mädchen mobilisiert werden, sich gegen Kinderehen und somit für Freiheit einzusetzen.

„Nicht viele Menschen hier praktizieren Taekwondo, und so ist es für Mädchen, verheiratet oder single, faszinierend“

Natsiraishe Maritsa

Durch Taekwondo halten die Mädchen ihren Körper gesund und lernen gleichzeitig, wie sie sich vor übergriffigen Menschen schützen können. Nach und vor dem Training bietet Natsiraishe außerdem eine Einzelberatung an. Ihre Eltern unterstützen die 17-Jährige bei ihrem Projekt, indem sie den häuslichen Hinterhof zur Verfügung stellen und für die Verpflegung der Mädchen sorgen. Die Einzelgespräche finden in der Küche statt und die Eltern respektieren den geschützten Raum, der für die Mädchen nötig ist.

Vor Beginn der Corona-Pandemie nahmen bis zu 15 Mädchen am Training teil. Gerade muss Maritsa das Training ausfallen lassen. Doch sobald es wieder erlaubt ist, sich zu versammeln, nimmt sie das Training wieder auf. Denn statt weiter ohne Hoffnung zu sein, fühlen sich junge Frauen nach Maritsas Training ermächtigt. Sie fühlen sich in der Lage ihre Erfahrungen zu nutzen, um auch andere Mädchen zu stärken, so Maritsa in einem Interview mit RND.

Weitere Mädchen brechen ihr Schweigen 

Durch Initiativen und Projekte, wie das von Maritsa, finden junge Frauen den Mut, über die Probleme zu sprechen, denen sie durch Zwangsheirat ausgesetzt sind. So verhalf das Projekt auch den beiden 16-jährigen Mädchen Desire Mtunzi und Natascha über ihre Erfahrungen zu sprechen.

Desire Mtunzi erzählt, wie sehr ihr das Training hilft: „Ich komme seit etwa drei Monaten zu den Sitzungen. Es hilft mir, mich fit zu halten, und ich lerne etwas über frühe Ehen. Ich denke, dass Kinderheirat nicht gut für Mädchen ist.“ Auch Desire sollte verheiratet werden, mit ihrem Cousin. „Sie wollten mich weichkochen. Gaben mir tagelang kein Essen. Aber ich blieb hart.” Die alleinerziehende Mutter Natasha, die ihren Sohn mit 14 bekam, erzählt: „Als alleinerziehende Frau mit Kind behandelt mich die Gemeinschaft wie eine Aussätzige.“

Diese Schicksale treiben Maritsa an. Bis heute hat sie über 30 junge Frauen trainiert und wurde dafür von der International Taekwon-Do-Föderation in Korea anerkannt. Sie will weiter Mädchen trainieren und begleiten. Auch ihr habe das Training geholfen.

„Ich habe begriffen, wer ich bin. Ich habe begriffen, dass ich eine Anführerin sein kann, obwohl ich jung bin. Und vielleicht kann ich mit dem Training die Welt verändern.“

Natsiraishe Maritsa

Ein großes Vorbild! Natsiraishe Maritsa bei SRF Sport:

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Beitragsbild: Noelle Pierce Romance / Pixabay

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Fatima Majed

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