Spanien will rund einer halben Million bislang undokumentierter Migrant:innen einen legalen Aufenthaltsstatus gewähren. Die Maßnahme markiert einen bewussten Gegenentwurf zur verschärften Migrationspolitik in vielen anderen Ländern Europas.
Wer vor dem 31. Dezember 2025 eingereist ist, seit mindestens fünf Monaten in Spanien lebt und keine Vorstrafen hat, kann ab April 2026 eine befristete Aufenthaltserlaubnis beantragen. Diese beinhaltet eine Arbeitserlaubnis, die in allen Branchen und landesweit gilt. Insgesamt sollen so bis zu 500.000 Menschen einen geregelten Zugang zu Arbeit und sozialen Rechten erhalten.
„Heute ist ein historischer Tag für unser Land“, sagte Migrationsministerin Elma Saiz bei der Vorstellung der Maßnahme. Spanien stärke damit ein Migrationsmodell, das auf Menschenrechten, Integration und sozialem Zusammenhalt beruhe und zugleich mit wirtschaftlichem Wachstum vereinbar sei.
Integration als politisches Leitprinzip
Nach Schätzungen des Wirtschaftsforschungsinstituts Funcas lebten Anfang 2025 rund 840.000 Menschen ohne regulären Aufenthaltsstatus in Spanien, die meisten von ihnen aus Lateinamerika. Viele arbeiten in prekären Beschäftigungsverhältnissen, oft ohne Schutz vor Ausbeutung. Die neue Regelung soll genau hier ansetzen und legale Perspektiven schaffen.
Der aktuelle Schritt steht in einer längeren politischen Tradition. Spanien hat seit den 1980er-Jahren immer wieder vielen undokumentierten Migrant:innen auf einen Schlag einen legalen Aufenthaltsstatus ermöglicht, zuletzt vor fast 21 Jahren unter der Regierung von José Luís Rodríguez Zapatero.
In einer Zeit, in der viele europäische Staaten ihre Migrationspolitik verschärfen, bleibt Spanien damit ein Sonderfall. Die Regierung versteht Migration nicht primär als Problem, sondern als gesellschaftliche Realität, die sich gestalten lässt, wenn Rechte gesichert und Teilhabe ermöglicht werden.
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