Plantura zeigt wie

So geht das Gärtnern zuhause nachhaltig

von | 25. Januar, 2023

Nachhaltiges Gärtnern ist nicht nur leicht umzusetzen, sondern hilft Mensch, Pflanze und Tier gleichermaßen zu mehr Gesundheit und einem besseren Leben.

Mit zunehmender Urbanisierung verschlechtert sich oft auch der Zugang zu Grünflächen oder gar einem eigenen Garten. Was in der Vergangenheit noch als vollkommen normal angesehen wurde, ist heute meist unbezahlbar. Dennoch oder vielleicht gerade deshalb ist das Gärtnern bei jungen Menschen stark im Trend. Das Volumen des Garten-Marktes befindet sich seit vielen Jahren mit mittlerweile 20,8 Milliarden Euro in einem stetigen Anstieg. Nur im Jahr 2021 ist es leicht gesunken. 

Auch Felix Lill, Mitgründer der Marke Plantura, nimmt den Wandel in der Gesellschaft hin zu mehr Umweltbewusstsein und dem Verlangen nach einem grünen Umfeld wahr. Das Unternehmen verkauft nachhaltige Produkte für Hobbygärtner:innen. Doch nicht nur die Kundschaft besitzt ein Bewusstsein für Nachhaltigkeit im eigenen Garten. Auf den sozialen Medien verbreiten junge Menschen, sogenannte Plantfluencer:innen, ihre Liebe zu Pflanzen. Besonders Zimmerpflanzen sind sehr beliebt. Unter dem Namen Urban Jungle werden Pflanzen in der Wohnung und auf dem Balkon zelebriert, Tipps geteilt und Menschen für Pflanzen begeistert.

Gärtnern als neuer alter Trend

Dabei sind Zimmerpflanzen, das Anbauen von eigenem Gemüse auf dem Balkon oder im Garten sowie der Wunsch nach einem grünen Umfeld eigentlich nichts Neues. Neu ist allerdings, dass das Gärtnern zuhause bei der breiten Masse der jungen Menschen an Ansehen gewonnen hat. Viele Menschen nutzen die ihnen gegebenen Möglichkeiten, um sich, unabhängig von der Umgebung, mit der Natur zu verbinden. Dass Gärtnern auch eine Schattenseite besitzt, ist vielen dabei nicht bewusst.

Fast die Hälfte der deutschen Bevölkerung hat in ihrem direkten Umfeld Zugang zu einem Garten, zwei Drittel besitzen zudem einen Balkon oder eine Terrasse. Damit entstehen fast 50 Millionen Chancen für Menschen, der Natur etwas Gutes zu tun. Felix Lill sieht darin vor allem eine große Chance. Laut ihm sei der Garten-Markt deutlich besser im Bereich Nachhaltigkeit aufgestellt, als man denkt. Dennoch gäbe es natürlich auch Herausforderungen, die überwunden werden müssen.

Einfach nachhaltig

Als Felix Lill sein erstes Unternehmen gründete, ging er noch zur Schule. Online verkaufte er seltene Obstbäume, die er eigens vermehrt und herangezüchtet hatte. Dazu zählten zum Beispiel Birnen mit rotem Fruchtfleisch, die es so nicht mehr im Handel zu kaufen gab, da sie nicht den Normen der Supermärkte entsprachen. Auf Felix Lill machte die Natur bereits in seiner Kindheit einen prägenden Eindruck.

„Ich erinnere mich an meine Kindheit, als ich mit meinem Opa im Garten Tomaten ausgegeizt habe oder Kürbisse geerntet habe, die teilweise noch größer waren als ich. Diese Zeit hat mich nicht losgelassen.“

Durch seine ersten Unternehmenserfahrungen hat er auch viel über die Branche gelernt und den Bedarf nach einer modernen, authentischen und nachhaltigen Marke gesehen, die den Menschen unabhängig vom Garten-Hintergrund das Gärtnern zugänglich macht. Das war die Geburtsstunde von Plantura.

Felix Lill entdeckte seine Leidenschaft fürs Gärtnern bereits in der Kindheit
Felix Lill entdeckte seine Leidenschaft fürs Gärtnern bereits in der Kindheit

Hintergrund des Fokus auf Nachhaltigkeit war für Felix Lill der allgemeine Wechsel hin zu einem nachhaltigeren Lebensstil. Der Klimawandel, das Artensterben und steigende Emissionen werden durch den Einsatz konventioneller Methoden im Garten weiter unterstützt. Einen großen negativen Einfluss nimmt dabei das Abbaggern von Mooren zur Gewinnung von Torf, welcher Erden beigesetzt wird.

Der Torfabbau ist in Deutschland für circa vier bis sieben Prozent der Treibhausgas-Emissionen verantwortlich. Das ist natürlich nicht nur, aber auch, dem privaten Gärtnern zuzuschreiben, sondern ebenfalls der Landwirtschaft. Dennoch zeigt der stark angestiegene Anteil des Markets an Privatkäufen, dass Privatpersonen durch ihren Konsum einen starken Einfluss auf die Nachhaltigkeit der angebotenen Gärtnerei-Produkte nehmen können.

Wie funktioniert nachhaltiges Gärtnern?

Egal ob Zimmerpflanzen, Gemüse auf dem Balkon oder ein großer Garten, die Methoden, um den Anbau und die Pflege umweltfreundlicher zu gestalten, sind ähnlich. Dabei ist wichtig, sich schon vor der Anschaffung einer Pflanze zu informieren.

Nachhaltiges Gärtnern war noch nie so einfach

Die Wahl der Pflanze

Bei der Pflanzenauswahl ist es wichtig, eine Pflanze auszusuchen, die zu den vorhandenen Bedingungen passt. So spielen Licht, Feuchtigkeit, der Boden und andere Faktoren eine entscheidende Rolle, ob sich eine Pflanze wohlfühlt. Deshalb sollte sie nicht nach Schönheit oder Trendigkeit ausgesucht werden. Hier kann eine ausführliche Recherche vorher oder eine Beratung helfen. Zudem sollten regionale Pflanzen bevorzugt werden. Im Garten ist dies besonders wichtig, da regionale Pflanzen auch regionale Arten schützen. Zudem werden so lange Transportwege vermieden und die Pflanze ist von vorneherein besser an das vorhandene Umfeld angepasst.

Nützlinge statt Pestizide

Zum Schutz der Pflanzen sollten Pestizide vermieden werden. Plantura setzt hier besonders auf den Einsatz von Nützlingen. Felix Lill erklärt, dass es bei Krankheitsfällen besonders wichtig ist, diese frühzeitig zu erkennen. So sei der Aufwand zur Bekämpfung von Schädlingen geringer und ressourcensparender. Nützlinge seien eine tolle Möglichkeit, Pflanzen von Schädlingen zu befreien, ohne dabei der Pflanze oder ihrem Umfeld zu schaden. Nützlinge sind natürliche Gegenspieler, welche andere Insekten essen oder parasitieren, um ihre eigenen Eier abzulegen.

Torffreie Erden

Wie bereits angesprochen, ist der Torfabbau stark umweltschädigend. Dennoch wird Torf oft eingesetzt, da viele Pflanzen in der Beschaffenheit der torfhaltigen Erden sehr gut wurzeln können. Heutzutage gibt es jedoch viele Alternativen, die nicht umweltschädlich sind und ebenfalls ein gesundes Pflanzenwachstum garantieren.

Natürliche Düngemittel

Beim Dünger sollte darauf geachtet werden, natürliche Düngemittel auszuwählen. Plantura bietet beispielsweise rein pflanzliche Bio-Dünger an, die aus Resten der Lebensmittelindustrie hergestellt werden. So wird gleichzeitig Abfall reduziert.

Versiegelte Flächen vermeiden

Felix Lill ist froh, dass asphaltierte Vorgärten und die Nutzung von versiegelten Flächen nicht mehr im Trend sind. Denn eine versiegelte Fläche verhindert nicht nur das Versickern von Regenwasser, sondern ist auch nachteilig für Tiere und Pflanzen. Je offener ein Garten ist, desto mehr unterstützt er die lokale Flora und Fauna.

Pflanzen für den Artenschutz

Ein Punkt, der Felix Lill besonders wichtig ist, ist das Thema Artenschutz. Bereits die Auswahl von Pflanzen hat einen großen Einfluss auf die Artenvielfalt. Doch auch durch die konkrete Gestaltung des Gartens oder Balkons können Arten unterstützt werden. So hilft ein Nistangebot für Vögel oder das Anbauen von Futterpflanzen für Bienen auf einfachem Wege der Vielfalt an Tieren und Insekten im Garten und darüber hinaus. Was für den Menschen schön und pflegeleicht ist, entspricht dabei nicht immer dem, was für Flora und Fauna am vorteilhaftesten ist.

Kreativität bei Pflanzengefäßen

Nicht immer ist ein Neukauf notwendig, wenn eine neue Pflanze einzieht. Felix Lill lächelt, als er beschreibt, dass im Plantura Office einige Pflanzen in up-gecycelten Tomatendosen gepflanzt sind. Dies sei eine einfache Methode, den Kauf von Plastikgefäßen zu vermeiden. Bei Plantura gibt es zudem die passenden Übertöpfe zu den jeweiligen Pflanzen, die beispielsweise aus Bio-Materialien wie Seegras oder Kartoffelschalen produziert wurden und so eine umweltfreundlichere Alternative zu konventionellen Töpfen darstellen.

Mehr Bildung für Pflanzenliebhaber:innen

Im Vordergrund der Arbeit von Felix Lill und seinem Team steht auch das Thema Bildung. Mit ihrem von Expert:innen geschriebenen Magazin sowie einer App, die Hintergrundwissen zu den eigenen Pflanzen bietet, ermöglichen sie Interessierten, sich einen „grünen Daumen“ anzueignen. Die digitale Bildung sei dabei eine große Chance. Aufgrund des Fachkräftemangels, der auch in der Garten-Branche spürbar sei, ist eine Beratung vor Ort oft nicht in dem nötigen Umfang möglich. Online haben Pflanzenfreund:innen daher die Möglichkeit, sich weiterzubilden. 

Auch Influencer:innen seien laut Felix Lill als eine positive Entwicklung wahrzunehmen. Auch wenn sich online natürlich falsche Informationen schneller verbreiten können, entsteht in digitalen Communities viel Wissen, welches essentiell für eine nachhaltige und gesunde Pflanzenwelt ist.

Digitale Bildung unterstützt Gärtner:innen in punkto Nachhaltigkeit
Digitale Bildung unterstützt Gärtner:innen in punkto Nachhaltigkeit

Doch in der Bildung müsse sich auch einiges tun. Felix Lill wünscht sich, dass die Natur wieder mehr in Schulen und Kindergärten thematisiert wird. Da nicht alle Kinder Zugriff auf einen Garten in ihrem Haushalt haben, sollten Bildungseinrichtungen sie dabei unterstützen, eine wertvolle Wissensbasis in Sachen Pflanzen- und Tierwelt aufzubauen. Dazu gehöre auch ein Verständnis für die Herkunft von Obst und Gemüse:

„Wenn man selbst einmal eine Tomate von dem Samen angezogen hat und Monate später nach intensiver Pflege Tomaten erntet, dann hat man einen ganz anderen Bezug zu der Selbstverständlichkeit von Lebensmitteln. Dann weiß man, wie viel Aufwand dahintersteckt.“

Eine Herausforderung für die Zukunft ist die Harmonisierung des europäischen Handels mit biologischen Pflanzenschutzmitteln und Nützlingen. Aktuell hat jedes Land seine eigene Regulatorik. Der Verkauf von in Deutschland produzierten Nützlingen benötigt beispielsweise in Frankreich für jeden einzelnen Nützling eine eigene kostspielige Zulassung. Das macht es für kleine Marken schwer, ihre Produkte dorthin zu liefern, wo sie einen positiven Impact nehmen könnten. Felix Lill hofft, dass sich das in der Zukunft ändert. 

Unter den Leitworten „Honest Sustainability“, auf Deutsch „ehrliche Nachhaltigkeit“, arbeite das Team zudem daran, Lösungen für Produkte zu finden, die bisher noch nicht nachhaltig vertrieben werden können. So sei es beispielsweise bisher nicht möglich, Blumenerde in einer komplett plastikfreien Verpackung zu versenden. Das Team arbeite allerdings bereits an möglichen Lösungen. Auch weitere Ideen sind in Planung und sollen dafür sorgen, dass aus dem Gartentrend ein Trend wird, der auch unserer Umwelt wirklich nutzt.

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Lara Schmalzried

Lara ist Praktikantin beim Good News Magazin. Neben ihrem Studium in Medienmanagement liebt sie es, sich sprachlich auszutoben und damit am besten anderen Menschen ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern - was gibt es da Besseres als ein paar Good News?

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