Ein neues Gesetz soll dafür sorgen, dass Smartphones, Waschmaschinen und andere Elektrogeräte künftig leichter repariert werden können. Das spart Geld, Ressourcen – und könnte die Wegwerfgesellschaft verändern.
Viele Verbraucher:innen kennen solche Situationen. Oft stellt sich dann schnell die Frage: Reparieren oder neu kaufen?
In der Praxis fällt die Entscheidung häufig gegen die Reparatur aus. Ersatzteile sind schwer zu bekommen, Werkstätten verlangen hohe Preise oder das Gerät lässt sich gar nicht erst öffnen. Manchmal kostet die Reparatur fast so viel wie ein neues Produkt.
Genau das soll sich künftig ändern.
Mit einem neuen Gesetz will die Bundesregierung das sogenannte Recht auf Reparatur stärken. Ziel ist, dass Elektrogeräte länger genutzt werden können und Reparaturen wieder zur normalen Option werden. Der Gesetzentwurf setzt eine EU-Richtlinie um, die bis Sommer 2026 in nationales Recht übertragen werden muss.
Warum so viele Geräte im Müll landen
Eigentlich klingt Reparieren selbstverständlich. Doch viele Produkte sind heute so gebaut, dass eine Reparatur schwierig oder teuer wird.
Manche Akkus sind fest verklebt. Für andere Geräte gibt es keine Ersatzteile mehr. Teilweise verhindern spezielle Softwarelösungen sogar, dass unabhängige Werkstätten Reparaturen durchführen können. Wer sein Gerät retten möchte, steht deshalb oft vor einem wirtschaftlichen Dilemma: Reparatur oder Neukauf.
Die Folge: Jedes Jahr landen Millionen funktionsfähige oder reparierbare Geräte im Müll. Nach Angaben der EU entstehen dadurch jährlich rund 35 Millionen Tonnen Abfall sowie erhebliche Mengen an vermeidbaren Treibhausgasemissionen.
Was sich jetzt ändern soll
Das neue Recht auf Reparatur soll genau an diesem Punkt ansetzen.
Für viele Elektrogeräte sollen Hersteller künftig verpflichtet werden, Reparaturen zu ermöglichen. Dazu gehört unter anderem, dass Ersatzteile und notwendige Werkzeuge verfügbar sein müssen. Auch Informationen für Reparaturen sollen leichter zugänglich werden.
Außerdem sollen Hersteller technische Hürden nicht mehr einfach einsetzen können, um Reparaturen zu erschweren. Reparaturen durch unabhängige Werkstätten oder mit kompatiblen Ersatzteilen sollen dadurch einfacher werden.
Besonders wichtig: Das Recht auf Reparatur soll nicht nur während der gesetzlichen Gewährleistungsfrist gelten.
Gerade danach wird das Gesetz relevant. Denn viele Geräte gehen erst nach einigen Jahren kaputt – also zu einem Zeitpunkt, an dem Verbraucher:innen bislang oft auf sich allein gestellt waren.
Diese Geräte profitieren
Betroffen sind zahlreiche Produkte des Alltags.
Dazu gehören unter anderem:
- Smartphones
- Tablets
- Waschmaschinen
- Geschirrspüler
- Kühlschränke
- Staubsauger
- Fernseher
- Drucker
Für viele dieser Geräte gelten bereits heute Vorgaben zur Verfügbarkeit von Ersatzteilen. Hersteller müssen beispielsweise Ersatzteile für Waschmaschinen teilweise bis zu zehn Jahre vorhalten, bei bestimmten Elektronikgeräten mehrere Jahre lang. Künftig soll daraus noch stärker ein tatsächliches Recht auf Reparatur werden.
Ein Bonus für alle, die reparieren
Das Gesetz enthält noch einen weiteren Anreiz. Entscheiden sich Verbraucher:innen innerhalb der Gewährleistungsfrist für eine Reparatur statt für ein Ersatzgerät, soll sich die Gewährleistung um zwölf Monate verlängern. Wer reparieren lässt, erhält also zusätzliche Sicherheit. Damit möchte der Gesetzgeber Reparaturen attraktiver machen und verhindern, dass funktionstüchtige Geräte vorschnell entsorgt werden.
Gut für Umwelt und Geldbeutel
Die Idee dahinter ist einfach: Produkte sollen länger genutzt werden. Das spart nicht nur Rohstoffe, sondern häufig auch Geld. Denn die Herstellung neuer Elektrogeräte benötigt große Mengen an Energie, Metallen und anderen Ressourcen. Wird ein Produkt stattdessen repariert und einige Jahre länger genutzt, sinkt sein ökologischer Fußabdruck deutlich. Gleichzeitig können Verbraucher:innen teure Neuanschaffungen vermeiden. Für viele Menschen dürfte das die wichtigste Nachricht sein: Ein defektes Gerät muss künftig nicht automatisch das Ende seiner Lebensdauer bedeuten.
Ein kleiner Schritt gegen die Wegwerfgesellschaft
Natürlich wird das neue Gesetz nicht jedes Problem lösen. Manche Reparaturen werden auch künftig teuer bleiben, und nicht jedes Gerät lässt sich retten. Trotzdem sehen viele Verbraucherschützer:innen das Recht auf Reparatur als wichtigen Kulturwandel. Jahrzehntelang wurde die Wirtschaft vor allem auf Neukäufe ausgerichtet. Nun rückt die Frage stärker in den Mittelpunkt, wie Produkte möglichst lange genutzt werden können. Die eigentliche Good News liegt deshalb nicht nur in einem neuen Gesetz. Sie liegt in einem Perspektivwechsel:
Kaputt bedeutet künftig hoffentlich wieder öfter reparieren – statt wegwerfen.
Das Recht auf Reparatur: Damit nicht mehr so viel in der Tonne landet