Ausgezeichnet mit dem Future Policy Award

Sri Lanka reduziert Suizidrate durch Pestizidkontrollgesetz um 70 Prozent

von | 22. April, 2022

Durch ein Pestizidkontrollgesetz reduziert Sri Lanka die Selbstmordrate des Landes um 70 Prozent.

Unsere Gastautorin Nadine Kas unterstützt das Medien- und Kommunikationsteam des Future Policy Award beim World Future Council und stellt uns das sri-lankische Pestizidkontrollgesetz vor.

Weniger Pestizide, weniger Suizide 

Pestizide sind in vielen Ländern Hilfsmittel für Suizide. Bis in die 1990er Jahre hatte Sri Lanka eine der höchsten Selbstmordraten der Welt, wovon mehr als zwei Drittel der Fälle auf Pestizidvergiftungen zurückzuführen waren. Das Pestizidkontrollgesetz hat die Zugänglichkeit zu höchst gefährlichen Pestiziden drastisch reduziert, indem insgesamt 36 dieser hochgefährlichen Chemikalien verboten wurden. 

Der 70-prozentige Rückgang der Selbstmordrate ist einer der stärksten Rückgänge, die je verzeichnet werden konnten. Eine ausgesprochen hohe Zahl von 93.000 Menschenleben, besonders von Bewohnenden ländlicher Gegenden, Kindern und Jugendlichen, konnte so in den letzten 20 Jahren gerettet werden. Dafür hat der Inselstaat im indischen Ozean 2021 den als Polit-Oscar bekannten Future Policy Award des World Future Council erhalten. 

Der Award zeichnet international Gesetze aus, die bessere Lebensbedingungen für heutige und zukünftige Generationen fördern.  

Junge Frau und ihr Kind in der nördlichen Zentralprovinz, nachdem sie ihre Pestizid-Selbstvergiftung überlebt hat. Grund dafür ist die relativ geringe Toxizität vieler häufig verwendeter Pestizide. Foto: Heshani Sothiraj Eddleston

Ein weltweites Problem

Weltweit ist die Selbsttötung mit Pestiziden mit einem Anteil von bis zu 20 Prozent eine der häufigsten Selbsttötungsmethoden. Seit der Einführung hochgefährlicher Pestizide in der Landwirtschaft im Jahr 1960 wurden weltweit 14 Millionen Suizidfälle auf die toxischen Mittel zurückgeführt. Mehr als 300.000 Arbeiter:innen jährlich sterben darüber hinaus an einer unbeabsichtigten Pestizidvergiftung. Mit dem Pestizidkontrollgesetz Nr. 33 von 1980 (geändert 1994, 2011, 2020), der nationalen Politik und dem Aktionsplan zur Suizidprävention (1997) konnten in Sri Lanka seither große Erfolge beobachtet werden.

Südasien ist besonders von Selbsttötungen mit Hilfe von Pestiziden betroffen. Zwischen 1950 und den 1990er Jahren wurde in Sri Lanka eine achtfache Erhöhung der Selbsttötungsrate beobachtet. Dieser enorme Anstieg war zum Teil ein Resultat der leichten Zugänglichkeit zu hochgefährlichen Pestiziden (HHPs). Der Mangel an Regulierungen sorgte dafür, dass die toxischen Substanzen oft in unmittelbarer Nähe von Häusern und Aufenthaltsräumen von Kleinbäuer:innen gelagert wurden und ohne Einschränkungen im Einzelhandel verfügbar waren. 

Entwicklung des Pestizidkontrollgesetzes 

Das Pestizidkontrollgesetz wurde von der Regierung im Jahr 1980 verabschiedet, mit der Folge, dass vier Jahre später eine große Anzahl von Pestiziden verboten wurde, von denen bekannt war, dass sie für die Selbsttötung genutzt werden. In den 90er Jahren folgten weitere Verbote.

Pestizid-Sprühgerät inmitten von Gemüse, Sri Lanka. Foto: Sachindra Perera.

Durch das Pestizidkontrollgesetz Nr. 33 wurde vor allem die Zugänglichkeit der hochgiftigen Pestizide stark limitiert und somit die tödlichen Folgen um 70 Prozent reduziert. Das Gesetz schreibt die Gründung von verschiedenen Gremien vor und regelt die Zulassung von Pestiziden sowie u.a. deren Import, Kennzeichnung und Anwendung. Bei der Registrierung werden die Pestizide in Feldversuchen getestet. Wird eine Substanz verboten, werden Alternativen ermittelt. Die Landwirt:innen werden über diese Alternativen durch die staatlichen landwirtschaftlichen Beratungsdienste und Schulungsprogramme informiert. Zwei Millionen landwirtschaftliche Haushalte profitieren von der erhöhten Chemikaliensicherheit. Die Kosten für diese Umsetzung liegen dabei bei unter 50 USD pro Person. 

Bemerkenswert ist, dass trotz der Umstellung der Ertrag der landwirtschaftlichen Produktivität auf demselben Level blieb. Damit zeigt Sri Lanka, dass einer der kostengünstigsten Wege zur Suizidprävention das Verbieten von hochgefährlichen Pestiziden ist.

Internationale Vorbildfunktion

Sri Lanka ist mit seinem kosteneffizienten, pragmatischen und leicht umsetzbaren Weg zum Schutz von Leben und Umwelt vor hochgefährlichen Pestiziden ein Vorreiter auf internationaler Ebene. HHP-Verbote wie das sri-lankische Pestizidkontrollgesetz wurde inzwischen von mehreren Ländern eingeführt, unter anderem Bangladesch und die Republik Korea, wodurch Sri Lanka als weltweiter Pionier für eine umfassende Pestizidpolitik gilt, die Suizidprävention konsequent mitdenkt.

Beitragsbild: Sachindra Perera

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