Verantwortung, Verbindungen und Lösungen

Die Meere von Geisternetzen befreien

von | 12. August, 2021

Das Projekt Net Free Seas sammelt gemeinsam mit Thailänder:innen Geisternetze. Bisher sind es acht Tonnen Geisternetze und Plastikmüll.

Geisternetze sind verloren gegangene, festhängende oder weggeworfene Fischereinetze, diese schädigen den gesamten Meeresraum. Durch die Fischerei gelangen auch andere Fischereigeräte, wie Netzteile, Taue oder Angelschnüre ins Wasser.
Environmental Justice Foundation (EJF) ist eine gemeinnützige Organisation. Weltweit setzen sie sich für die Wahrung der Menschenrechte und den Schutz der Umwelt ein. In der Umsetzung hebt Environmental Justice Foundation die Verbindung und die Effekte von Menschen und Umwelt aufeinander hervor.
Das Projekt Net Free Seas ist ein Beispiel dieser Umsetzung.

„Geisternetze sind […] sehr gefährlich, denn sobald sie in den Ozean fallen, können sie jahrzehntelang über Wasser bleiben”

Ingpat Pakchairatchakul, Aktivist bei der EJF
Taucher bei der Entfernung von Netzen aus einem Korallenriff – Net Free Seas © EJF

Auswirkungen auf das Meeresleben

Laut World Wildlife Fund (WWF) sind Geisternetze die tödlichste Form von Plastikabfällen für Meereslebewesen.
Tiere, wie Wale, Delfine, Schildkröten, Seevögel verfangen sich in den Netzen, werden panisch und erzeugen mit hektischen Bewegungen fatalere Auswirkungen. Teile der Netze drücken ihnen wichtige Körperfunktionen und Körperteile ab, sich zu befreien ist nicht mehr möglich und sie verhungern, bzw. ertrinken langsam und qualvoll. Freischwimmende Netzteile werden von den Tieren verschluckt, blockieren die Organe, verursachen gesundheitliche Schäden und verhindern auch häufig die weitere Nahrungsaufnahme.
Ein grundlegender Fakt dazu ist natürlich, dass die Netze speziell für einen ertragreichen Fang von Meerestieren entwickelt wurden.
In den Meeresräumen haben die Geisternetze auch gravierende Auswirkungen auf Korallenriffe: Werden die Netze nicht frühzeitig entfernt, führt auch das zu einem Absterben des betroffenen Ökosystems.

Die World Animal Protection (WSPA) schreibt, dass jährlich ca. 136.000 Seehunde, Seelöwen, Wale wegen der Geisternetze sterben und 640.000 Tonnen dieser Netze jährlich das Leben von Tieren und Menschen bedrohen.

Auswirkungen auf die Menschen

Menschen und ganze Gemeinden, die an den Landesabschnitten der Meere leben, sind abhängig von der Fischerei, die häufig ihre nährende und finanzielle Lebensgrundlage ausmacht. Die Auswirkungen der Geisternetze auf das menschliche Leben zeigen sich in unterschiedlichen Punkten:

  • die Verluste der Fischereinetze/-geräte mindern die finanziellen Gewinne des Verkaufs
  • die Geisternetze und ihre Reste wirken sich negativ auf den Tourismus aus
  • Sicherheitsrisiko für Boote und Schiffe

Das Projekt Net Free Seas

Net Free Seas, das Projekt von EJF, arbeitet mit vielen Fischereigemeinden Thailands zusammen. Unterstützt werden sie von dem Umweltfond des norwegischen Einzelhandels und dem thailändischen Fischereiministerium.

„Es ist sehr wichtig, dass verloren gegangene Netze, Töpfe und andere Fanggeräte aus unseren Meeren entfernt werden. Wir sind zuversichtlich, dass EJF einen bedeutenden Beitrag dazu leisten wird.“

Rasmus Hansson, CEO des Umweltfonds des norwegischen Einzelhandels

Nachdem die Geisternetze eingesammelt wurden, werden die lebendigen und toten Tiere befreit, die Netze gesäubert, zerkleinert und für die Recyclinghöfen, bzw. den Weiterverkauf vorbereitet. 

Eine Gemeinde habe eine eigene Station für die Reinigung und Abfallsortierung entworfen, dies gestaltet den Prozess wesentlich effizienter, spart Zeit und ermöglicht schneller und mehr zu recyceln.

Das Reinigen der Fischereinetze – Net Free Seas © EJF

EJF hat für das Projekt „zwei Recyclingunternehmen und einem Produkthersteller“ gewinnen können. Das Projekt stellt damit für die Beteiligten eine zusätzliche Einnahmequelle dar. Das Geld des Verkaufs an die Kooperationsfirmen finanziert wahlweise den Lebensunterhalt der Beteiligten, kommunale Projekte oder den Naturschutz.

„Net Free Seas gibt denjenigen, die direkt von der Verschmutzung durch Plastikmüll betroffen sind, die Möglichkeit, Verantwortung zu übernehmen und stellt Verbindungen zu den relevanten Sektoren her. So lassen sich gemeinsame Kräfte bei der Lösung dieses dringenden Problems bündeln.“

Yuki, EJF Campaignerin, Thailand

Laut eigenen Angaben, seien 47 Fischereigemeinden seit dem Start des Projekts, im Juni 2020, beteiligt. Sie haben gemeinsam acht Tonnen Plastikmüll und Fischereinetze aus den Meeren geborgen.

Die erfolgreiche Umsetzung zielt darauf ab, Net Free Seas auf weitere Länder und Regionen auszuweiten. Geplant sind Ghana und Indonesien.

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Video: Net Free Seas © EJF

Beitragsbild: Net Free Seas © EJF

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Cara Buchborn

Floskeln, Wortspiele und schlechte Quellenarbeit kommen an unserer Chefredakteurin nicht vorbei. Cara ist die Kritikerin der Kritiker:innen mit ganz viel Empathie und Herz. Im kommenden Frühjahr schließt sie ihr Journalismus Studium ab. Sie fordert Menschen gerne heraus, die Welt, ihr Leben, ihre Einflüsse und ihr Umfeld neu zu betrachten. Journalismus ist für Cara die Möglichkeit, Zusammenhänge darzulegen, Zugang zu Wissen zu ermöglichen und Fakten einzuordnen.

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