Für mehr wilde Bienen, Wespen und Hummeln

Miniwiesen im Garten oder an der Straße helfen Bestäubern

von | 11. April, 2022

Ein Forschungsprojekt zeigt, dass vier Quadratmeter Wildblumenwiese die Anzahl von Insekten und die Vielfalt im Garten deutlich erhöhen.

Wenn die Natur aus ihrem Winterschlaf erwacht, kommt die Zeit, in der viele Menschen ihre Gärten und Balkone wieder auf Vordermann bringen und für wärmere Tage herrichten. Sobald die ersten Pflanzen blühen und es ein paar Tage trocken ist, kann man einige Insekten beobachten, die umherschwirren. Durch ein Projekt von Forschenden in England ist nun klar, dass (Klein-)Gartenbesitzer:innen und die Verantwortlichen für Grünflächen in Städten den Insekten schon mit wenig Aufwand eine große Hilfe leisten können. 

“Sow Wild!”

Bereits frühere Untersuchungen verschiedener Forscher:innen hatten ergeben, dass der Bienenreichtum durch das Anpflanzen von Blumen in Gärten erhöht wird. Dabei wurde jedoch auch ein potenzieller “Sättigungspunkt” für die Größe der Wildblumenwiesen festgestellt, bis zu dem sich zusätzliche Blütenpflanzen positiv auf die Anzahl der Insekten und Bestäuber auswirken. Bei dem neuen “Sow Wild!”-Projekt konzentrierten sich die Forscher:innen daher auf die Wirksamkeit von Miniwiesen mit Wildblumen in Haus- und Kleingärten. Sie wollten wissen, ob die Anzahl der Bestäuber, Insekten und der Reichtum der Bienenarten schon durch Wildblumenwiesen in der Größe von vier Quadratmetern erhöht werden kann. 

Die Forscher:innen riefen über verschiedene Kanäle Bürger:innen mit einem mindestens 20 Quadratmeter großen Garten und einer freien Fläche von vier Quadratmetern dazu auf, bei dem zweijährigen Versuch mitzumachen. Es kamen 150 Bürgerwissenschaftler:innen zusammen, die in drei Gruppen eingeteilt wurden. Zwei davon erhielten jeweils eine Samenmischung für Wildblumen, in denen unter anderem Kornblumen, Magerwiesen-Margeriten, Schwarze Flockenblumen, Möhren, Horn- und Wiesenklee und Rote Lichtnelken enthalten waren. Eine davon entsprach einer handelsüblichen Mischung aus dem Gartencenter. Die andere wurde auf der Grundlage vorhandener Literatur über die Vorlieben von Bestäubern bei der Futtersuche zusammengestellt. Um die Beobachtungen vergleichen zu können, erhielt die dritte Gruppe keine Samen. 

Ein Blumengarten. Foto: Mina-Marie Michell / pexels

Alle Teilnehmer:innen streuten diese Samenmischungen auf einer Fläche von vier Quadratmetern in ihrem Garten aus. Sie bekamen außerdem bunte Behälter und Klebestreifen, um Insekten zu fangen. Diese wurden innerhalb von zwei Jahren in den Monaten Mai bis August immer in der ersten Woche des Monats an zwei aufeinanderfolgenden trockenen Tagen aufgestellt. 

Hohes Potenzial von Haus- und Kleingärten

Insgesamt wurden von den Forscher:innen 34.438 gefangene Insekten bestimmt. Das Ergebnis: Im ersten Jahr wurden 109 Prozent mehr Hummeln, 24 Prozent mehr einzeln lebende Bienen und 126 Prozent mehr einzeln lebende Wespen angelockt. Im zweiten Jahr waren es 111 Prozent mehr Hummeln, 87 Prozent mehr einzeln lebende Bienen und 85 Prozent mehr einzeln lebende Wespen. Die Gartencenter-Mischung sorgte dabei im zweiten Jahr für eine deutlich höhere biologische Vielfalt.

“Dieses Projekt zeigt, dass Miniwiesen den Bestäubern wirklich helfen können, indem sie sowohl die Insektenanzahl, als auch die Vielfalt im Garten erhöhen.”

Janina Griffiths Lee von der University of Sussex in Brighton

Mit dem Projekt fanden die Forscher:innen also heraus, dass mehrere Wildblumenwiesen von nur vier Quadratmetern in der Landschaft aufgrund des Sättigungseffekts mehr bewirken als größere Wiesen. Die Ergebnisse machen das Potenzial von (Klein-)Gärten deutlich und sollen deren Besitzer:innen und die Verantwortlichen für Grünflächen in Städten dazu motivieren, kleine Wildblumenwiesen anzulegen.

Die richtige Mischung macht’s

Oft befinden sich in Samenmischungen aus dem Geschäft exotische Pflanzenarten, mit denen die heimischen Bestäuber gar nichts anfangen können. Daher gilt es, bei der Auswahl der Samenmischung, genau hinzuschauen. Sie sollte heimische, insektenfreundliche Pflanzen enthalten, zum Beispiel Schneeglöckchen oder Krokusse.

Ein Insektenhotel aus Holz. Foto: Manfred Richter / pixabay

Auch Nisthilfen sind eine große Unterstützung für die Insekten. Dafür reichen zum Beispiel unbehandelte Hartholzblöcke mit Löchern von fünf bis zehn Zentimetern Tiefe. Kleine Sandplätze im Garten, die auch noch in der Sonne liegen, sind ebenfalls geeignete Nistplätze. Miniteiche aus dem Baumarkt bieten eine Wasserquelle für die Insekten und andere Tiere.

Beitragsbild: Anja (cocoparisienne) / pixabay

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Pia Bergmann

Pia ist Praktikantin beim Good News Magazin. Sie hat bereits in ihrer Ausbildung zur Kauffrau für audiovisuelle Medien darüber nachgedacht, dass es im Fernsehen eine Nachrichtensendung mit ausschließlich positiven, hoffnungsstiftenden Nachrichten geben müsste. Inzwischen studiert sie Online-Redaktion in Köln und freut sich sehr darüber, dass sie für das Good News Magazin schreiben darf. Mit den Good News und auch sonst versucht sie, ihre Mitmenschen jeden Tag zum Lächeln zu bringen.

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