Ein Haufen Potential

Hundehaufen in England bringen Licht ins Dunkel

von | 22. September, 2022

Eine Straßenlaterne in England wird mit Hundehaufen betrieben und sorgt so nicht nur für Licht, sondern auch für eine saubere Umgebung.

Das Geschäft verrichten und dabei Energie produzieren? In England ist das möglich. Eine Straßenlaterne in den Malvern Hills wird hier nicht wie üblich mit Strom betrieben, sondern mit den Hinterlassenschaften von Hunden. Genutzt wird dabei Biogas aus den Hundehaufen, sodass die Straßenlaterne einerseits auf nachhaltige Weise betrieben werden kann und andererseits für eine saubere Umgebung sorgt.

Hunde sind weltweit beliebte Haustiere. Auch wenn die Vierbeiner zahlenmäßig nur den zweiten Platz der beliebtesten Haustiere in Deutschland belegen – der erste Platz ist den Katzen vorbehalten – leben alleine in deutschen Haushalten über 10 Millionen Hunde. Der beste Freund des Menschen bringt jedoch ein kleines – mitunter auch großes – Problem mit sich: Wohin mit deren Hinterlassenschaften? Weniger erfreulich als süße Hundewelpen, die durch die Straßen, Wälder und Wiesen spazieren sind nämlich die Hundehaufen, die nicht selten auf dem Boden liegen blieben. Trotz vorhandener Mülleimer und kostenloser Hundebeutel, die vielerorts angeboten werden. 

In England gibt es für dieses Problem eine eher unkonventionelle Lösung: Die Haufen bringen hier eine Straßenlaterne zum Leuchten. Dies dient einerseits als Anreiz, die Hinterlassenschaften nicht auf den Straßen liegen zu lassen und veranschaulicht gleichzeitig die Nützlichkeit der Haufen.

Eine zündende Idee

Der Erfinder der hundekotbetriebenen Straßenlaterne in England ist Brian Harper. Frustriert davon, Hundebeutel in der Landschaft zu finden, begann er vor einigen Jahren damit, eine geeignete Lösung für das Problem zu finden. Mit Erfolg. Seine Erfindung funktioniert und die gesammelten Haufen betreiben zuverlässig die Straßenlaterne im Dunkeln. Gleichzeitig konnte ein Rückgang an hinterlassenem Kot und Hundebeuteln beobachtet werden.

Die Straßenlaterne funktioniert folgendermaßen: Die Hinterlassenschaften werden in kostenlosen Papierbeuteln aufgesammelt, in einen Behälter an der Laterne eingeworfen und ein Griff gedreht, um den Beutel nach unten in einen integrierten Biokomposter zu befördern. Beutel und Inhalt werden dann zersetzt, wobei über einen Zeitraum von mehreren Tagen Biogas aus etwa 60 % Methan und 40 % Kohlendioxid entsteht und in einem Gasbehälter gesammelt wird. Sobald die Dämmerung einsetzt, wird die Laterne entzündet. Zehn Tüten liefern dabei genug Energie, um die Straßenlaterne zwei Stunden lang leuchten zu lassen. Zudem entsteht Düngemittel, welches ebenfalls weiterverwendet werden kann.

Kot als nachhaltiger Energielieferant

Die Idee, die Hinterlassenschaften der Vierbeiner weiterzuverwenden, ist nicht neu und auch nicht einmalig in England. So können Hundehaufen in drei Parks in Kanada beispielsweise in Betonbehältern entsorgt werden. Der Inhalt landet zusammen mit anderen organischen Abfällen auf einer Anlage und wird zersetzt, um Methan und letztendlich Strom zu erzeugen. Der Dünger, der dabei als Nebenprodukt anfällt, wird an Landwirte verkauft. 

In Indien wird das Abwasser von öffentlichen Toiletten genutzt, um Methan zu erzeugen und damit eine Grundwasserpumpe zu betreiben und gleichzeitig öffentliche Toiletten sauber zu halten. Das Wasser wird zudem gefiltert und verkauft, wodurch etwa die Hälfte der Wartungskosten gedeckt werden kann. Und im Jahr 2014 fuhr erstmals der Bio-Bus durch die Straßen des Vereinigten Königreichs, betrieben mit Gas, das aus Abwasser und Lebensmittelabfällen gewonnen wurde.

Auch in Deutschland ist die Verwendung von Exkrementen nicht neu. Beispielsweise in Form von Biogasanlagen, zur Stromerzeugung unter anderem aus Gülle, Bioabfällen und Energiepflanzen. Das Potential dieser kann in Zukunft noch stärker genutzt werden. In Deutschland sollen beispielsweise, auch angesichts der steigenden Preise für Strom und Gas Sonderregelungen zur Förderung von Biogasanlagen geschaffen werden. 

All diese Ideen zeigen, dass in den Hinterlassenschaften, sowohl von Mensch als auch Tier, mehr steckt, als gedacht. Anstatt das Potential das Klo hinunter zu spülen, im Müll zu entsorgen, oder auf Straße liegen zu lassen, gibt es kreative Lösungen, die Exkremente zu nutzen und als nachhaltige Alternative zu verwenden – beispielsweise um Strom zu erzeugen, Dünger herzustellen und Straßenlaternen zu betreiben.

Beitragsbild: Adanas Teodosiev | unsplash.com

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Sarah Zimmermann

Sarah Zimmermann studiert Wissenschaft – Medien - Kommunikation in Karlsruhe und hat während des Studiums ihre Leidenschaft für Journalismus entdeckt. Neben wissenschaftlichen Themen interessiert sie sich – unter anderem – für alles rund um Desinformation, Nachhaltigkeit, Tierschutz und Mental Health. Und da es häufig vor allem negative Themen in die Nachrichten schaffen, findet sie es schön und wichtig, darüber zu berichten, wie viele gute Nachrichten es jeden Tag gibt.

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