Sansibar gibt Betroffenen sexualisierter Gewalt einen Zufluchtsort

von | 4. März, 2021

Effektives Hilfskonzept bei Kindesmissbrauch entwickelt


Für Mädchen und Jungen, die Kindesmissbrauch erlebt haben, sind die Türen der One Stop Centre 24 Stunden am Tag geöffnet. Dort erwarten sie Sozialarbeiter:innen, Mediziner:innen sowie speziell im Umgang mit Kindern und Missbrauchsfällen geschulte Polizist:innen, die den Fall direkt aufnehmen können. Ein wegweisendes Konzept zur Stärkung von Schutzsystemen bei Kindesmissbrauch von einer kleinen, malerischen Insel im Osten Afrikas: Sansibar.

Schnelle Hilfe im One Stop Centre

Auf der halb-autonomen Insel Sansibar ist Kindesmissbrauch und -misshandlung ein massives Problem. Laut einer Umfrage erfuhr 1 von 10 Jungen und 1 von 20 Mädchen sexualisierte Gewalt. Um dies zu ändern, hat die Regierung Sansibars ein umfassendes Kinderschutzpaket verabschiedet, das Teil seines Kindergesetzes ist. Ein wichtiger Teil des „Children’s Act“ sieht ein starkes Kinderschutzsystem vor. Dieses schützt Mädchen und Jungen vor Gewalt und Vernachlässigung und bietet schnelle Hilfe an. Die One Stop Centres sind Anlaufstellen für Betroffene sexualisierter Gewalt, die alle wichtigen Hilfsangebote unter einem Dach beherbergen. Dafür hat Sansibar 2015 den als Polit-Oscar bekannten Future Policy Award des World Future Council (WFC) erhalten. Der Award zeichnet Gesetze aus, die bessere Lebensbedingungen für heutige und zukünftige Generationen fördern.

„Sansibar hat es geschafft, mit seinem Children’s Act  den Kinderschutz nachhaltig und erfolgreich institutionell zu verankern. Und dazu leisten die One Stop Centres als wichtiges Element der Ersthilfe bei Gewalt gegen Mädchen und Jungen einen wichtigen Beitrag. Der neu gewonnene Schutz ihrer Rechte hat die Position von Kindern in Sansibars Gesellschaft spürbar gestärkt.“

Samia Kassid, Kinderrechtsexpertin des WFC

Ein Hilfskonzept für Kindesmissbrauch

Die One Stop Centres sind ganz auf die Bedürfnisse der Kinder und deren Familien ausgerichtet. Die Räume sind freundlich und kindgerecht. Keine Wartezeiten, keine Umwege, keine einschüchternde Krankenhausatmosphäre, kein wiederholtes Erzählen der eigenen Leidensgeschichte. Sondern schnelle, unbürokratische Hilfe, wenn sie am dringendsten gebraucht wird. Diese ist bei Missbrauch essenziell: Beispielsweise ist eine HIV-Prophylaxe 24 Stunden nach dem Vorfall möglich. Auch die Behandlung des Traumas wird deutlich wirksamer, wenn diese zeitnah geschieht. Ein weiterer Vorteil des „Alles unter einem Dach“-Konzeptes ist, dass die Betroffenen und ihre Angehörigen keine weiten Wege zurücklegen müssen. Dies wäre eine Herausforderung in einer Region, in der für viele Familien die Transportkosten zu hoch sind. Die vor Ort anwesende Polizei, die den Fall aufnimmt und an die Gerichtsbarkeit weiterleitet, um Täter:innen zur Rechenschaft zu ziehen, gibt der Strafverfolgung ein wichtiges Momentum. Der Prozess, die Täter zur Rechenschaft zu ziehen, wird so deutlich beschleunigt und vereinfacht.

Ein Erfolgskonzept, das Schule machen soll

Weil das Modell so einfach und effektiv ist, kann es in jedem Land umgesetzt werden. „Sansibar ist ein gutes Beispiel dafür, dass die One Stop Centres im afrikanischen Kontext gut funktionieren“, sagt Kinderrechtsexpertin Samia Kassid. Inspiriert vom sansibarischen Vorbild hat sich Ghana auf den Weg gemacht, die One Stop Centre einzuführen. Auch andere Länder sind auf das Erfolgskonzept aufmerksam geworden. Seitens der Politik gibt es einen starken Willen, die Pläne bald in die Tat umzusetzen.

„Wenn etwas gut funktioniert, soll man es verbreiten. Gewalt an Kindern ist überall auf der Welt mit der Covid-19 Pandemie extrem gestiegen. Daher sehe ich großes Potenzial in diesem Modell, den Kinderschutz nicht nur in Afrika massiv zu verbessern.“

Samia Kassid, Kinderrechtsexpertin des WFC

Informieren und Mitmachen beim Kinderschutz!

Die Stiftung World Future Council bietet am 11. März 2021 um 11:00 Uhr ein Webinar zu dem Thema an. Es werden Expert:innen aus dem Bereich Kinderschutz, Kindermedizin und der Regierungsebene über die aktuelle Situation in Sansibar und Ghana sprechen. Thema ist unter anderem der Anstieg von Gewalt gegen Mädchen und Jungen – und warum es schnellen, einfachen Ersthilfe-Konzepten, wie den One Stop Centres, bedarf.

Das Webinar ist kostenlos und findet auf Englisch statt. Zur Registrierung geht’s hier: Protecting children in Africa from (sexual) violence during the pandemic

Beitragsbild: © Samia Kassid
Fotos One Stop Centre: © Miriam Petersen

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Miriam Petersen

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