Der Heilkräutergarten Hevrin Xelef in Berlin Neukölln bietet Frauen mit Flucht- und Migrationserfahrung einen sicheren Ort, um Erlebtes zu verarbeiten, einander zu stützen und Wissen zu teilen. Dabei sind die Frauen des Hevrin Xelef Gartens Teil eines Netzwerks feministischer Unterstützung, das weit über Berlin hinausreicht – und zeigt, wie auch angesichts des Krieges und der Unterdrückung im gegenseitigen Halt neue Widerstandskraft und Hoffnung entstehen.
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In einer Ecke der Ausstellung BERLIN GLOBAL im Berliner Humboldt-Forum steht ein schwarzer Baum. Dicke, schwarze Stränge, gefertigt aus vielen schwarzen Fäden, verschlingen sich zu einem gewundenen Stamm und einer dichten Krone. Oben sprießen vereinzelte Triebe mit jungen, grünen Blättern. Zwischen den Wurzeln stehen Holzkisten. Sie laden die Besucher:innen ein, Platz zu nehmen, zu den Füßen des Maulbeerbaums.
Dara Tûyê – درخت توت – Der Maulbeerbaum, so lautet auch der Name dieser Ausstellung, die von November 2025 bis 30 August 2027 gezeigt wird, und die den bezeichnenden Untertitel trägt: Feministische Stimmen über Krieg und Gärten. Wer unter dem Maulbeerbaum Platz nimmt, kann diese Stimmen hören – die Stimmen von Frauen aus dem Hevrîn Xelef Garten in Berlin Neukölln, dem Frauendorf Jinwar in der autonomen kurdischen Provinz Rojava und ezidischer Frauen der Organisation Women for Justice.
Untermalt von Klängen von Oud, Tar, Setar und Kamancheh teilen sie ihre Erfahrungen mit Krieg und Flucht, ihr Wissen und ihre Leidenschaft für Pflanzen, ihre Erinnerungen an die Gärten ihres Zuhauses und der Spiele unter dem Maulbeerbaum. Sie erzählen eine Geschichte von Leid, Unterdrückung und Trauer, aber auch von der Kraft, die im Teilen ihrer Erfahrungen und in der gegenseitigen Unterstützung liegt, und von neuen Anfängen, die möglich werden.
Jin, Jiyan, Azadi
Die echte schwarze Maulbeere, die von der in Teheran geborenen Berliner Künstlerin Ela Pour im Humboldt Forum nachgebildet wurde, steht im Heilkräutergarten Hevrîn Xelef in Berlin Neukölln. Gepflanzt wurde sie im Gedenken an Jina Amini. Die junge, im Iran lebende Kurdin starb im September 2022 an den Folgen polizeilicher Misshandlung durch die iranische Sittenpolizei. Das Verbrechen, für das sie festgenommen worden war: Ihren Hijab nicht korrekt getragen zu haben.
Der Tod Jina Aminis löste eine Protestwelle aus, die über mehrere Monate andauerte und den Ruf der kurdischen Frauenfreiheitsbewegung: “Jin Jiyan Azadi”, auf Deutsch: “Frau, Leben, Freiheit“, um die Welt trug. Heute steht dieser Ruf wie kein anderer für feministischen Widerstand und den Einsatz für das, was eigentlich selbstverständlich sein sollte, häufig aber alles andere ist als das: Das Recht auf Leben, das Recht auf Freiheit für Fra…
Ein Ort der Trauer, der Heilung und der Stärke