Investor:innen treiben Bodenpreise hoch. Ein Hof in Niedersachsen zeigt, wie gemeinschaftlicher Besitz Landwirtschaft sichern kann.
Der Schock war groß, als auf einem genossenschaftlich betriebenen Biohof im Landkreis Osnabrück die Neuigkeiten eintrafen: Ein 3,9 Hektar großer Acker, den sie seit Jahren bewirtschaften, soll verkauft werden. Zu einem Preis von 560.000 Euro können sich die beiden Landwirtsfamilien, die den Hof betreiben, nicht leisten, weiterzumachen. Durch Fruchtfolge bestimmt, müssten sie zukünftig auf Kartoffeln verzichten. Ein Einschnitt, der ihre Existenz bedrohen würde.
„Wie können wir gemeinsam Verantwortung für die Gestaltung der Kulturlandschaft übernehmen?“, fragt Tobias Hartkemeyer, einer der Bio-Landwirte vom Hof Pente in Bramsche. Eine Antwort darauf hat der Hof inzwischen gefunden.
Der Kampf um landwirtschaftliche Flächen
Stellvertretend zeigt sich in Bramsche eine Entwicklung, die weltweit zu beobachten ist. Die Bodenpreise für Äcker steigen seit Jahren kontinuierlich, besonders in landwirtschaftlich geprägten Regionen wie Niedersachsen. Viele finanzstarke Investor:innen haben landwirtschaftliche Flächen zunehmend als sichere Kapitalanlage entdeckt – der Druck auf kleinere Betriebe wächst. Für viele Initiativen geht es deshalb inzwischen ganz konkret darum, Äcker zu retten.
„Den Preiskampf um den Boden verlieren zuerst die landwirtschaftlichen Betriebe, die nicht nach maximalem Profit ausgerichtet sind, sondern diejenigen, die eine gesunde Beziehung zwischen Mensch und Natur anstreben“, sagt Stephanie Wild, Projektleiterin bei der Kulturland-Genossenschaft.
„Vielfältige Bauernhöfe sorgen neben guten Lebensmitteln auch für unsere Gemeingüter Wasser, Boden und Biodiversität. Diese Betriebe gilt es als Gesellschaft zu unterstützen.“
Die Kulturland eG vertritt die Idee, dass landwirtschaftliche Flächen keine Spekulationsobjekte sein sollen, sondern dauerhaft für ökologische Landwirtschaft erhalten bleiben müssen. Als Genossenschaft steht sie hinter der Idee, dass nicht Investor:innen oder Agrarkonzerne über Boden verfügen sollten, sondern eine Gemeinschaft aus Bürger:innen. Viele Menschen kaufen deshalb Genossenschaftsanteile, und Kulturland kauft die Äcker, damit sie dauerhaft ökologisch bewirtschaftet werden können. Dadurch wird verhindert, dass die Flächen später teuer weiterverkauft oder von Investor:innen übernommen werden.
Wie Genossenschaften helfen, Äcker zu retten
Die Idee, dass Kulturlandschaften ein wichtiges Gut von Gemeinschaften sind und dies auch bleiben sollten, trägt auch Tobias Hartkemeyer. Die Idee von Kulturland eG hat hier durch die Beteiligung vieler Menschen aus der Region gewirkt. Der Acker wird nun von der Genossenschaft dauerhaft an den Hof verpachtet — zinsfrei und unbefristet.
Hier zeigt sich ein wichtiger Hebel im Umgang mit den großen Mechanismen des Agrar- und Finanzmarktes. Land wird kollektiv gesichert und an Landwirt:innen weitergegeben. Genossenschaftliche Konzepte stärken hier die Souveränität der Zivilgesellschaft, und für die Unterstützenden gibt es auch einen Mehrwert, bemerkt Stephanie Wild.
„Als Genossin oder Genosse bei der Kulturland eG kann man sehen und hautnah miterleben, wo das eingesetzte Geld wirkt. Man bekommt Bezug zu den Menschen, die für gesunde Lebensmittel und eine gesunde Umwelt sorgen.“
In Bramsche werden bald wieder Kartoffeln wachsen und viele Menschen in der Region mit frischen Lebensmitteln vom Hof Pente versorgt. Ein hoffnungsvolles Zeichen dafür, dass Menschen Märkten nicht völlig ausgeliefert sind, wenn sie anfangen, gemeinsam zu handeln.
Beitragsbilder: Tobias Hartkemeyer, Jannik Meyer zu Strohe
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