Von Urban Gardening zu interkulturellen Gärten und Gartenschau für den Kiez: Wir stellen euch Gartenprojekte vor, die begeistern – und zeigen, dass es fast überall möglich ist, den Garten zu uns zu holen.
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Rebecca Wolfer, Nils Kumar, Luisa Vogt und Linde Broesi
Seit ich eingezogen bin, hat sich die Straße im Norden Berlins, in der ich wohne, ziemlich verändert. Und das liegt (leider) nicht an mir. Die Swinemünder Straße war schon immer sehr entspannt für diesen Teil Berlins direkt südlich von Gesundbrunnen: verkehrsberuhigt und von Bäumen gesäumt, mit kleinen Hecken an den Häuserwänden. Doch in den letzten vier Jahren sind Stück für Stück immer mehr kleine grüne Flecken entstanden.
Seit letztem Jahr treffe ich regelmäßig an den Wochenenden dasselbe kleine Grüppchen Gartenbegeisterter, die den vorher einer Brachfläche ähnelnden Mittelstreifen, den ich fast täglich auf dem Weg zur U-Bahn überquere, Stück für Stück neu begrünen und mit Hochbeeten versehen – und mich dabei mit ihren gemütlich wirkenden Kaffeepausen bei Klönschnack fast neidisch machen, nicht mit buddeln zu können. In den Sommermonaten verfolgte ich begeistert im Vorbeilaufen, wie Sonnenblumen, Mangold, Salat und Co. in den Beeten entlang der Straße sprossen und beeindruckende Höhen erreichten.
Aber erst bei der Recherchearbeit für das aktuelle Magazin habe ich vollends realisiert, was für ein Zufall und Glück es ist, dass ich ausgerechnet hier wohne. Denn seit 2023 gibt es genau hier das Projekt Essbare Straße – eine Straße also, wo Menschen vor der Haustür ihr Stück Garten finden, Gemüse pflanzen und frei ernten können und wo Insekten auf Blumenwiesen ihren Nektar finden.
Dabei ist die Essbare Straße bei weitem nicht das einzige Projekt in diesem Kiez, “meinem” Brunnenkiez, das das Gärtnern in die Stadt trägt. Seit ich einmal angefangen habe, mit neuem, auf Garten gepolten Blick, durch die Straßen zu laufen, sehe ich sie überall: Die BrunnenBeete auf den Mittelstreifen, in den Innenhöfen meiner Wohnanlage und sogar auf den Dachterrassen der angrenzenden Wohnungen. Seit 2020 findet sogar regelmäßig eine Brunnenviertel Gartenschau statt, bei der eine Fahrradtour an den grünen Ecken im Kiez vorbeiführt und wo bei Kaffee und Kuchen informiert und geschnackt wird.
“Jut, dit is Berlin, wa”, würde mein Papa sagen – aber es ist eben nicht nur Berlin. Denn es gibt sie schließlich in ganz Deutschland, ach was, Europa und der Welt: Die Gartenhe…
Gartenheld:innen des Alltags