Vorhang auf für die Kleinbauern!

Fairtrade „Coffee for life“ – Film zeigt das Leben von Kleinbauern

von | 23. April, 2021

„Moderne Sklavenarbeit“, „Ausbeutung“, „koloniale Kontinuität“ – so wird der Handel mit Kaffee und Kakao oft beschrieben. Jahrhundertelang befinden sich hinter den begehrten Rohstoffen ungerechte und unmenschliche Macht- und Produktionsverhältnisse. Laut Statista steigt die Anzahl der Menschen, die bei ihrem Kauf auf Fairtrade achten seit 2013 kontinuierlich an. Lediglich 2020 stagnierten die Zahlen. Wahrscheinlich, weil die Pandemie die mediale und öffentliche Aufmerksamkeit komplett beherrschte. Höchste Zeit und um so wichtiger, den Horizont wieder zu öffnen. Denn in unserer globalisierten Welt bestimmt mein Kaffee am Morgen, auf der anderen Seite der Welt das Brot am Abend. Der Film „Coffee for Life“ zeigt Hintergründe und macht Hoffnung. Denn er gibt intime Einblicke, wie sich Bauern lokal organisieren, um dann international fair zusammenarbeiten.

Fairtrade muss sein

Deutschland importiert, nach den USA, weltweit am meisten Kaffee. Beim Kauf achten aktuell circa 15,75 Millionen Menschen darauf, wie ihr Produkt hergestellt wurde – und ob die eigentlichen Produzent:innen davon überhaupt leben können. Das sind circa 18 Prozent der Bevölkerung in Deutschland.

„Es ist unbegreiflich, dass heute noch Hunderttausende von Kindern beispielsweise auf den Kaffee- und Kakaoplantagen Westafrikas für unseren Wohlstand in Europa schuften, ohne von der Arbeit angemessen leben zu können. Wir zahlen acht oder zehn Euro für das Kilo Kaffee in Berlin oder München, davon bleiben nur etwa 50 Cent für das Rohprodukt vor Ort für die Familien auf den Plantagen. Die Kinder müssen mitarbeiten, damit überhaupt ein existenzsicherndes Einkommen für die Familien erzielt werden kann.“

Bundesentwicklungshilfeminister Gerd Müller in seinem Buch „Umdenken. Überlebensfragen der Menschheit“

Auch Gerd Müller, Bundesentwicklungshilfeminister, plädiert für mehr Fairtrade. Der CSU-Politiker verweist auf eine Untersuchung der Regensburger Universität und sagt: „Es sind 50 Sklaven pro Kopf, die für unseren Wohlstand arbeiten.“ Daher fordert Müller Steuerfreiheit für Fairtrade-Produkte. Bei herkömmlichem Kaffee, der in Deutschland verkauft werde, kommt nur etwa fünf bis acht Prozent des Endpreises beim Bauern vor Ort an. Dazu trage auch die Kaffeesteuer in Deutschland bei: „Heute nimmt der Finanzminister mehr als eine Milliarde Euro aus der Kaffeesteuer ein.“ Als Sofortmaßnahme müsse die Kaffeesteuer für jene Sorten wegfallen, die fair gehandelt seien, fordert Müller.

Alles in allem ist Fairtrade Kaffee gesünder, nachhaltiger, gerechter (für Alle) und sollte daher eigentlich ein MUSS sein …

(Fairtrade) Coffee for life

Doch die Realität sieht leider (noch) anders aus. Die aufwendige Kaffeeproduktion und die Handelsbeziehungen hinter der beliebten Kirsche, sind für viele Menschen, die damit nicht in Berührung stehen, noch immer völlig im Dunkeln. Folglich besteht auch kein Interesse daran, beim Kauf auf Fairtrade zu achten. Das wollen Lennart Neumann und Wilhelm Schulz mit ihrem Film Coffee for Life jetzt ändern.

„Du malst dir aus, wie die Menschen dort leben und arbeiten. Aber es mit eigenen Augen zu sehen und zu erleben. Das ist schon überwältigend. Das kann man sich vorher nicht vorstellen.“

Lennart Neumann, Filmproduzent Coffee for Life

Lennart Neumann und Wilhelm Schulz, Gründer der Filmproduktion salt & pictures GmbH, reisten Anfang 2020 nach Guatemala. Begleitet wurden sie dabei von Professor Dr. Rolf Nagel (Hochschule Düsseldorf ), dem Gründer des gemeinnützigen Vereins MOCINO. MOCINO hat sich auf Fairtrade Kaffee spezialisiert.

Manos Campesinas: Hoffnung für mehr Fairtrade

Vor Ort begleiten die Filmemacher die leidenschaftlich geführte Organisation „Manos Campesinas“. Die gemeinnützige Organisation ist von und für Kleinbauern. Sie unterstützt Guatemalas Kleinbauern, indem sie ihre Arbeit organisiert und weiterentwickelt und ihr Produkt an Kunden im Ausland verkauft. Außerdem achtet Manos Campesinas auf die biologische Produktion. Mit Hilfe von MOCINO werden die gewonnenen Kaffeebohnen aus Lateinamerika direkt von Manos Campesinas importiert, geröstet und in Deutschland verkauft.

Der Dokumentarfilm schafft Bewusstsein für den aufwendigen Prozess der Kaffeeproduktion und gibt einen persönlichen Einblick in das Leben der Menschen dahinter. Im Sommer 2021 wird der Film erstmals veröffentlicht. Er feiert seine Premiere im Düsseldorfer Filmkunstkino „Atelier“ im Savoy Theater.

COFFEE FOR LIFE Trailer (2021)

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Infos zum positiven Handeln

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Wir haben mit den Produzenten gesprochen. Sie erzählten uns von Pedro und Ismael, von dem herben Duft der Kaffeeröstung und von Nebelschwaden, die sich langsam verziehen, wenn noch vor dem Morgengrauen die Arbeit beginnt. Unsere Autorin Lucia erstellt daraus nun einen ausführlichen Artikel. Lest hier bald mehr – und unterstützt uns dabei, diese Geschichten zu erzählen. <3 Danke!

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Beitragsbild: Coffee for Life

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Lucia Oiro

Lucia Oiro (ehem. Lehmann) liebt die Vielfalt. Als Autorin, Redakteurin und Performancekünsterlin realisiert sie Projekte, die dieser Liebe entsprechen. Einer ihrer Träume ist, die Welt durch Positive Nachrichten mitzugestalten und all die inspirierenden Menschen und Initiativen ans Licht zu bringen. Umso glücklicher ist sie, diese Vision nun mit dem Team vom Good News Magazin zu realisieren! Ein Team, das wirklich Berge bewegt und bei dem sie sehr stolz ist, ein Teil davon zu sein.

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