Eine große Geste

Millionen-Erbin fordert Umverteilung ihres zukünftigen Vermögens

von | 1. Februar, 2024

Millionen-Erbin fordert gemeinsam mit der Initiative taxmenow Vermögensumverteilung.

Millionen – eine Einheit, die sich oft nur schwer begreifen lässt. Das sieht auch die Wiener Studentin Marlene Engelhorn so, die vor Kurzem erfahren hat, dass sie von ihrer Oma eine zweistellige Millionensumme erben soll. Gemeinsam mit Taxmenow setzt sie sich nun für eine angemessene Erbschaftssteuer ein.

Ein Erbe kommt selten allein

Viele Menschen würden sich sicherlich freuen, wenn sie die Nachricht bekommen würden, dass sie bald mehrere Millionen Euro erben werden. Marlene Engelhorn hingegen ist verärgert. “Ich hätte mich ganz gerne gefreut, aber ich habe mich ehrlicherweise sehr geärgert”, sagt die Literaturstudentin dem Deutschlandfunk in einem Interview. Ihre Forderung: Eine Umverteilung ihres Vermögens. Bislang existiert in Österreich nämlich keine Erbschaftssteuer. Insgesamt 90 Prozent ihres Vermögens möchte die 32-jährige spenden. Doch wer ist die Studentin eigentlich und woher kommt all das Geld? 

Ein kleiner Steckbrief 

Nachdem Marlene Engelhorn verkündete, dass sie 90 Prozent ihres Erbes an die Bevölkerung spenden möchte, erlangte sie weitreichende mediale Aufmerksamkeit. Die Germanistik-Studentin ist die Enkelin von Traudl Engelhorn-Vechiatto, Ehefrau des Urenkels des Gründers des Chemiekonzerns BASF. Bereits vor zwei Jahren, erfuhr Marlene Engelhorn, dass sie nach dem Tod ihrer Oma sehr viel Geld erben würde. Schon damals hielt sie dieses Erbe für ungerecht und forderte gerechte Verteilung. Sie gründete das demokratische Gremium Guter Rat, das ihr Vermögen gerecht verteilen sollte. 

Umverteilung durch taxmenow

Das erste Mal im Dezember 2022 schrieben wir im Good News Magazin über das Konzept von taxmenow. Die Organisation setzt sich seit mehreren Jahren für die Einführung gerechterer Steuerinstrumente ein. “Besteuert mich jetzt”, fordert die Initiative von Stephanie Bremer, deren Namen wir zum Schutz ihrer Familie geändert haben, und richtet sich dabei vor allem an diejenigen mit einem großen Vermögen. Auch sie ist durch ein Erbe über Nacht zur Millionärin geworden. “Reich sein ist angenehm, aber noch viel lieber wünsche ich mir eine Gesellschaft, in der ich eine intakte Umwelt habe und in der ich versorgt bin, wenn mir etwas zustößt. Das ist mir viel wichtiger und viel mehr wert.” erzählt sie damals dem Good News Magazin. Heute arbeitet sie mit ihrer Organisation, zusammen mit Marlene Engelhorn an einer gerechten Erbschaftssteuer.

Warum das alles?

Für Marlene und Stephanie ist eines klar: Sie finden es ungerecht, dass sie für ihr Vermögen nichts tun mussten. Schon öfter sprach Marlene Engelhorn darüber, dass mit Reichtum auch automatisch mehr Einfluss auf die Gesellschaft kommt. Selbst durch das Spenden von Geld würden reiche Menschen entscheiden, welcher Bereich mehr Unterstützung verdiene und welcher nicht. Sie würden also mitentscheiden, welche Probleme “wichtig” sind und welche nicht.

Mehrere Studien zeigen, dass eine Vermögensteuer 27.000 bis 58.000 Haushalte in Deutschland betreffen könnte. In Prozent sind das in etwa 0,14 Prozent der deutschen Bevölkerung. Mithilfe eines demokratischen Prozesses, beispielsweise durch ein Gremium, an dem auch Menschen aus der unteren Einkommensschicht teilnehmen, könnte entschieden werdenn, wie das Geld umverteilt wird. So soll auch deutlich mehr Bürgerbeteiligung erreicht werden.

Da eine reine Vermögenssteuer nicht ausreiche, um mehr Steuergerechtigkeit zu sichern, plädiert taxmenow ebenfalls für eine Reformierung der Erbschafts- sowie Kapitalertragssteuer. 

Umverteilung durch Steuern. Schreibttisch mit Taschenrechner und Steuerunterlagen.
Umverteilung von Vermögen durch Steuern | Quelle: pixabay

Das Ziel der Zusammenarbeit von Marlene Engelhorn (Guter Rat) und Stephanie Bremer (taxemenow) kann in Zukunft einen großen Beitrag zur Verbesserung der Steuergerechtigkeit in Österreich und Deutschland leisten.

Beitragsbild: pixabay.com

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Sophia Schweizer

Sophia ist Redakteurin beim Good News Magazin. Als Kind wollte sie unbedingt einmal so werden wie Karla Kolumna, umso stolzer wäre sie wohl, wenn sie wüsste, dass sie nun für das erste Magazin für Positiven Journalismus in Deutschland schreiben darf - Sensationell!

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